# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 06 21_S184 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Geiſtes in die Zwangsjacke einer beſtimmten Form und Weiſe, und endlich Verkennung der evan⸗ geliſchen Grundlehre von der Erbſünde, die ent⸗ ſchieden behauptet, daß der Menſch für und bei ſeiner Bekehrung aus Kraft ſeines Willens nichts vermöge und dazuthue, ſondern nur dem Heiligen Geiſte nicht zu widerſtreben habe. 4. Die Bußbank nebſt Zubehör befördert den Wahn, a. daß einzelne Bußſchmerzen und Bußkämpfe, einzelne Gnadengefühle und Glaubensfreuden ſchon „der Durchbruch“ zu einer gründlichen Be⸗ kehrung ſei. b. daß beſonderer Schrecken über das Geſetz und beſondere Entzückung über das Evangelium, nebſt entſprechender Geberdung, etwas Höheres, wo nicht gar Verdienſtliches ſei. c. daß an der Bußbank (nach a und b) ge⸗ weſen und bekehrt ſein, dasſelbe ſei. d. daß nicht an ſolchen Bußplatz hervortreten und nicht gründlich bekehrt ſein, dasſelbe ſei. e. daß an ſorgfältiger Heilslehre und geſunder Heilserkenntniß wenig oder nichts gelegen ſei. f. daß die Bußbank für die Bekehrung wirk— ſamer und weſentlicher ſei, als die heilige Taufe. Daraus erhellet aber zur Genüge, daß 5. die Bußbank, durch ihre Schuld, theils geiſtlichen Hochmuth und eitle Selbſtbeſpie⸗ gelung (f. b, e, e, f), theils umgekehrt Aengſtlich⸗ keit und Verzagtheit (ſ. I) erwecken und nähren und gerade dort die gründliche Buße, hier den rechten Glauben an Chriſtum hindern und Ge⸗ ſetzes⸗Werkund⸗Weſen fördern, folglich den Seelen mannigfach ſchaden kann. Dies iſt klar und offenbar. Angenommen aber, daß ſie einzelnen Seelen nicht ſchade, was nicht klar und offenbar iſt, ſo kann ihre etwaige Frucht und Wirkung für dieſe, die mit ſo großer Gefahr für andere Seelen verbunden iſt, auch ohne ſie erreicht werden. Denn wo das Wort Gottes, Geſetz und Evangelium, lauter und rein gelehrt und die heiligen Sacra⸗ mente richtig verwaltet werden, da kann und wird es nicht fehlen, daß einzelne Seelen, über kurz oder lang, den Erſtlingen der chriſtlichen Kirche zu Jeruſalem (Apg. 2, 37.) und dem Kerker⸗ meiſter zu Philippi (Apg. 16, 30.) die entſchei⸗ dende Frage nachſprechen werden: „Was ſoll ich thun, daß ich ſelig werde?“ ohne alle eingebildete Mitwirkung und Nachhülfe eines beſtimmten Bußplatzes. Wo aber als geſunde Frucht der alleinigen Gnadenmittel und durch ſie, als all⸗ einige Wirkung des Heiligen Geiſtes, dieſe wichtige Frage aus aufrichtigem Herzensgrunde heraus⸗ kommt, da wird es hoffentlich auch an jener ent— ſcheidenden Antwort nicht fehlen: „Glaube an den HErrn IEſum Chriſtum, ſo wirſt du und dein Haus ſelig“ (Apg. 16, 31.); da wird es ferner auch nicht an der näheren Seelenpflege und Handleitung, an dem rechten evangeliſchen Belehren, Berathen, Tröſten der einzeinen Seele⸗ mit Gottes Wort und Verheißung fehlen, um dieſen gerecht und ſeligmachenden Glauben zu gewinnen und zu erhalten, ſollten auch mehr als einzelne Bußbankſtunden und Tage darüber ver⸗ gehen; — da endlich wird auch ſicherlich der treue Seelſorger nicht ermangeln, für dieſe Seele ernſt⸗ lich zu ſorgen und zu wachen und nicht bloß Stunden und Tage, ſondern auch Wochen, Mon⸗ den und Jahre lang die rechte Fürbitte zu thun. Und in der That, zu dieſem oft jahrelangen Hof— fen und Harren, Tragen und Dulden, Bitten und Fürbitten, bis endlich dieſe oder jene von dieſen einzelnen heilſam getroffenen Seelen der rechte arme Sünder in Adam und der wahre Gerechte in Chriſto iſt und in einen feſten Gnaden ſt and gelegt, — dazu gehört mehr Erleuchtung des Heiligen Geiſtes, mehr Geduld und Wärme der Liebe Chriſti, als das Strohfeuer und Flughitze der himmelſtürmenden Bußbänkler darzureichen vermag. Wo alſo jene obigen Gnadenmittel des Heiligen Geiſtes treulich und redlich verwaltet werden, ſammt allem geſetzlichen Zubehör, da wird in jedem Falle das Zwangs- und Drangs⸗ mittel der Bußbank, ſammt allem geſetzlichen Zu⸗ behör, völlig unnütz und überflüſſig ſein; wo aber dieſe Gnadenmittel gefälſcht und untreu ver⸗ waltet werden, da wird die Bußbank für ſie nichts bewirken als offenbare Lüge und Heuchelei. — Im beſten Falle mithin iſt ſie völlig entbehrlich, im ſchlimmſten völlig verderblich. Philipp. Was ſagſt du denn zu den freien Herzens- und beſtändigen Kniegebeten der Me⸗ thodiſten? Martin. Ich würde wenig oder nichts dazu ſagen, wenn ſie nicht auch hier ſo verächtlich und geringſchätzig über die geſchriebenen und geleſenen Gebete und über die Stehgebete beim Gottes⸗ dienſte ſich ausſprächen. Da ſie dies aber ziem⸗ lich allgemein thun, ſo geht daraus auch hier hervor, daß ſie aus ihrer Weiſe eine Art von Verdienſt und mitwirkendem Geſetzeswerk machen und auf ihre Form einen ungebührlichen Werth und Nachdruck legen. Wenn wir aber dieſe ihre Form und Weiſe etwas genauer beſehen, ſo fin⸗ den wir darin gar mancherlei Bedenken und Uebelſtände; und dieſe ſind folgende: 1. Sie führt zu einer Gleichgültigkeit gegen das heilige Vater Unſer, dies Gebet aller Gebete, das wir urſprünglich doch auch nur geſchrieben beſitzen, desgleichen auch gegen die Pſalmen und andere in der heiligen Schrift niedergeſchriebene Gebete; und aus dieſer Gleichgültigkeit wird alsbald eine Läſſigkeit im kirchlichen und häus⸗ lichen Gebrauch dieſer vorbildlichen Gebete, und dies liegt auch klärlich zu Tage, da das Gebet des HErrn im methodiſtiſchen Gottesdienſt gar ſparſam gebetet wird. Nun iſt es freilich wahr, was Luther ſagt: das heilige Vater Unſer iſt ein großer Märtyrer auf Erden und wird über die Maßen zerklappert und zerplappert in Gedanken⸗ loſigkeit und Unglanben. Das benimmt ihm aber nichts von ſeiner unvergänglichen Jugend und Herrlichkeit, wie die Sonne auch Sonne bleibet, ſelbſt wenn die Böſewichter bei ihrem Scheine rauben und morden; der ungläubige Mißbrauch hebt den gläubigen Gebrauch nicht auf. Oder iſt all das freie Herzensgebet der rechten Chriſten, ja auch eines Moſes, Samuels und Daniels, unter den Methodiſten etwas An⸗ deres als eine Ausbreitung des heiligen Vater Unſers? Oder haben etwa die erfahrenſten und gläubigſten Chriſten und die brünſtigſten Beter E z. B. die dritte Bitte ſchon mit dem Herzen aus⸗ gelernt und mit dem Erkenntniß genügend be⸗ griffen und mit dem Willen völlig gethan oder! erduldet? Desgleichen bringe man die gewaltig⸗ ſten Herzensbeter der Methodiſten auf einen Hau⸗ fen herbei, und ſie bringen alle zuſammen keinen einzigen Buß⸗ und Dankpſalm zu Stande, wie wir deren geſchrieben ſo reichlich im Worte Gottes beſitzen. 2. Sie führt zu einer Verachtung gedruckter und geleſener kirchlich geſalbter Gebete im kich⸗ lichen und häuslichen Gebrauch. Aus der Blüthezeit unſrer Kirche z. B. ſtammen jene kurzen, kräftigen und geſalbten Kirchengebete, die in Lob⸗ und Dankſagung, Sünden⸗ und Glau⸗ bensbekenntniß, Bitte und Fürbitte, das eigene wie aller Anderen Herz einmüthig im rechten Chriſtenglauben zu dem dreieinigen Gott empor⸗ ö tragen; und in demſelbigen Sinne und aus dem⸗ ſelbigen Geiſte ſind auch manche Gebetbüchlein aus alter Zeit abgefaßt, wo jeder aufrichtige und einfältige Chriſt, der keine Künſte ſucht, ſich und ſein eigenſtes Herz wiederfindet mit all ſeinen Be⸗ dürfniſſen und all ſeinen Anliegen; ja nicht nur das, ſondern er findet dieſe Gebetlein ſogar wir ſeine eigene Sprache und Ausdruck. Steht nun das Herz aufrichtig vor und zu Gott, indeß die Lippe in Kirche oder Hauſe, leiſe oder laut, dieſe geſalblen Gebete mit⸗ und nachbetet, ſo werden es hoffentlich auch freie Herzensgebete ſein. Un⸗+ gekehrt dagegen können dieſe letzteren, dem inneren Weſen nach, gar dürre und mager ſein, wenn das Herz nicht ſo ganz einfältig und lauter zu Gott ſteht, d. i. wenn der Vorbeter gleichſam eine Pro feſſion aus dem Beten macht, ſich gerne beten hn und einen geheimen Werth etwa auf die Länge ſeines Gebets, auf die Fülle des Ausdrucks, auf beſondere O und Ach und ſonſtige äußerliche G- berdung legt. Und gerade dieſe Gebete bieten das ermüdendſte Einerlei dar; denn erſtlich tra⸗ gen dergleichen Beter und Vorbeter ſchwerlich ö Rath und Anliegen der Kirche und Chriſtenheit,‚ ſo wie der einzelnen Seelen, dergeſtalt auf ihrem Herzen, wie jene alten, vielgeprüften und viel⸗ erfahrenen Gottesmänner z. B. unſrer Kirche. und ſodann iſt gerade hier die Gefahr vorhanden, daß dieſe Vorbeter nur ihre eigenthümliche Stim⸗ mung herausbeten, die vielleicht das gemeinſame Bedürfniß wenig berührt. — 3. Sie weicht, in Bezug auf die beſtändigen Kniegebete, aus der geſunden kirchlichen Hand⸗ lungsweiſe heraus. Denn meines Wiſſens fan⸗ den die Kniegebete in der Kirche der erſten Jahr⸗ hunderte nur in der Paſſionszeit ſtatt; aber vom Oſtertage ab, dem großen Freudentage der Chri⸗ ſtenheit, wurden ſie, beſondere Fälle ausgenom⸗ ö men, ſtehend gehalten; und dies iſt auch die rechte Ordnung und Weiſe und entſpricht verſtändig ö dieſer Zeit des Kirchenjahres. ö 4. Sie verleitet leichtlich zu einer feinen Werk⸗1 heiligkeit und kann den geiſtlichen Hochmuth ſtär⸗ ten helfen. Denn daß dieſer vorhanden ſei, iſt aus dem ſtehenden Brauche der Methodiſten klar,