# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1864_S181 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die Briefe St. Pauli an Timotheum und Titum oder das apostolische Pastorale. 181 Geld. Aber das Geld ist an sich und seiner Natur nach keine fruchttragende Sache, wie ein Acker, wie die Thiere ꝛc. Also ist der Wucher wider die Natur. Die Philosophen haben hauptsächlich diese Gründe: 1. Wenn die Menschen verlockt werden, durch Wucher auf eine leichtere und sicherere Weise Gewinn zu machen, so vernachlässigen sie ehrbare Künste, welche für dieses Leben nothwendig sind. Also gereicht der Wucher der bürgerlichen Gesellschaft zum Verderben und es liegt in dem Interesse des Staates, daß er verboten werde. 2. In der commutativen Gerechtigkeit wird die menschliche Gesellschaft und der Staat durch Gleichheit erhalten. Aber der Wucher bringt mit Aussaugung der Uebrigen Alles zu Einem. Dieses ist daher Ungerechtigkeit und schadet sowohl Privatpersonen, als der Republik selbst. 3. Das Geld ist nicht erfunden, um eine Waare zu sein, sondern das Mittel, dieselbe zu erlangen, nehmlich der Preis. Das Geld gleich einer Waare zu verkaufen, wie im Wucher geschieht, streitet daher wider die Natur des erfundenen Geldes. Unter diesen Gründen sind einige sinnreich, andere aber, wie bei Beweisführungen geschieht, werden durch andere Gründe entkräftet; wenn z. B. gesagt wird, der Gebrauch des Geldes sei die Verzehrung selbst; ferner, das Geld sei keine fruchttragende Sache. Denn die Erfahrung zeigt, daß der Gebrauch des Geldes nicht in der Weise eine Verzehrung ist, wie bei dem Weine; sondern daß außer der Wiedererstattung des Capitals der Gebrauch des Geldes selbst einen Nutzen hat, welcher dem Gläubiger entgeht und den der Schuldner hat, wie bei der Vermiethung eines Hauses. Denn der Gebrauch des Geldes besteht eigentlich nicht in Aufbrauchung und Verzehrung, sondern in dem Gebrauch der Dinge, welche entweder damit angeschafft und erworben, oder welche auf diese Weise erhalten werden, und außerdem zu Grunde gehen müßten. Man sagt daher, wie der Gebrauch eines Hauses bei der Vermiethung von dem Wesen gesondert sei, so könne dies auch bei dem Gelde geschehen. Ferner, obgleich das Geld an sich nicht Frucht trage, so bringe es doch offenbar vermittelst des Fleißes eines Menschen Frucht u. s. w. Dieses erwähne ich, um zu zeigen, daß der sicherste Grund sei, über den Wucher aus den Zeugnissen der Schrift zu urtheilen. Dennoch ist die Erwägung mancher Gründe nicht ohne Nutzen. (Fortsetzung folgt.) (Eingesandt von Dr. Sihler.) Die Briefe St. Pauli an Timotheum und Titum oder das apostolische Pastorale. Es ist nicht die Meinung, in dem Folgenden in der Weise der neueren wissenschaftlich⸗theologischen und gelehrten Schriftauslegung diese Episteln zu handeln. Dazu hat der Schreiber dieses nicht das nöthige Zeug, noch Geschick. Vielmehr ist sein Absehen dahin gerichtet, unter Berücksichtigung unserer hiesigen kirchlichen Verhältnisse und besonderen Bedürfnisse, Glossen zu