# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1864_S180 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 180 Martin Chemnitz über den Wucher. welche Wucher treiben, keine Kinder des Allerhöchsten, sondern den berüchtigten Sündern gleich. Paulus begreift 1 Thess. 4, 6. unter dem Wort „Zuweitgreifen“ (πλεονεξία) auch den Wucher, und setzt hinzu: Der HErr ist der Rächer über das Alles. 1 Tim. 6, 9.: Die da reich werden wollen, die fallen in Versuchung und Stricke und viele thörichte und schädliche Lüste, welche versenken die Menschen in's Verderben und Verdammniß; welches hat Etliche gelüstet, und sind vom Glauben irre gegangen; d. i., welche, nicht zufrieden mit den rechtmäßigen Contracten, die die Schrift gutheißt, daß ich so sage, andere Praktiken anstellen, die sündigen nicht nur gegen die zweite Tafel, sondern gehen vom Glauben irre; und das sind nicht läßliche Sünden, sondern solche, die in's Verderben versenken. Das sind die Zeugnisse der Schrift. Es ist aber bewunderungswürdig, da der Geiz in dieser Verderbtheit der Natur sich verschiedene Vorwände ausdenkt, daß der Wucher selbst von verständigeren Heiden, sowohl Philosophen, als Gesetzgebern, hart verdammt worden ist. Und das ist ein ganz offenkundiges Zeugniß, daß derselbe nicht nur gegen die Schrift, sondern auch gegen das Naturgesetz selbst streitet, welches Paulus die Wahrheit Gottes nennt, die in die Herzen der Menschen geschrieben ist. Die Kirchenväter leiten mit Recht die Abscheulichkeit des Wuchers aus dem siebenten Gebote ab. Hieronymus schreibt: „Wucher suchen, oder betrügen, oder rauben, ist nicht von einander verschieden, weil das siebente Gebot dieses alles verbietet.“ Ambrosius: „Wenn jemand Wucher nimmt, so begeht er einen Diebstahl, er wird daher das Leben nicht haben.“ Augustinus schreibt an den Macedonius: „Welcher von beiden ist grausamer, der, welcher dem Reichen etwas nimmt, oder der, welcher den Armen durch Wucher zu Grunde richtet?“ Wie also Diebstahl, Raub u. s. w. an sich böse ist und nicht in guter Weise geschehen kann, so auch der Wucher. Und wenn man nach einem gemäßigten Wucher fragt, so ist das dieselbe Frage: ob ein gemäßigter Ehebruch gut sei. Und wie es Pflicht der Obrigkeit ist, Raub, Ehebruch, Mord u. s. w. zu strafen, so muß sie auch dem Wucher steuern. Außer diesen Zeugnissen haben sowohl die scholastischen Schriftsteller, als Philosophen, gewisse Gründe, durch welche sie zu zeigen suchen, welch ein abscheuliches Laster der Wucher sei. Zur Erinnerung will ich die hauptsächlichsten anmerken. Die Gründe der Scholastiker sind diese: 1. In den Dingen, in welchen der Gebrauch der Sache die Verzehrung (Verbrauchung) selbst ist, ist der Gebrauch von dem Besitz oder von der Sache selbst nicht getrennt; sowie der Wein und der Gebrauch des Weines nicht gesondert verkauft werden. Es ist also ungerecht, daß man über der Wiedererstattung des Capitals den Gebrauch des Geldes verkauft, was bei dem Wucher geschieht. 2. Das Mutuum (das Geborgte) heißt darum so, weil da aus dem Meum (dem Meinen) das Tuum (das Deine) wird. Wie es aber ungerecht wäre, wenn ich dir das verkaufte, was dein ist, so ist es ungerecht, für den Gebrauch des Geldes, das nun (durch das Leihen) des Anderen geworden ist, etwas zu fordern. 3. Im Wucher gebiert das Geld wieder