# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1864_S179 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Martin Chemnitz über den Wucher. 179 Wucher durch Gottes Fluch in dem, was man vornimmt, und durch Austreibung aus dem Vaterlande gestraft. So heißt es Prov. 28, 8.: „Wer sein Gut mehret mit Wucher, der sammlet es zu Nutz der Armen“, d. i., durch Gottes Fluch wird es zergehen. Neh. 5, 7. wird den Obrigkeiten befohlen, dem Wucher zu steuern. Dies sind die Drohungen mit äußerlichen Strafen. Aber erschrecklicher ist, was folget 2 Mos. 22, 25. 27.: „Wenn du Geld leihest meinem Volk, das arm ist bei dir, sollst du ihn nicht zu Schaden bringen und keinen Wucher auf ihn treiben. Wird er aber zu mir schreien, so werde ich ihn erhören, denn ich bin gnädig.“ 3 Mos. 25, 35. 36.: „Wenn dein Bruder abnimmt, so sollst du nicht Wucher von ihm nehmen, noch Uebersatz; sondern sollst dich vor deinem Gott fürchten, auf daß dein Bruder neben dir leben könne.“ Also streitet der Wucher mit der Furcht Gottes und wider das fünfte Gebot. Ebendaselbst V. 37. 38.: „Du sollst ihm dein Geld nicht auf Wucher thun, denn ich bin der HErr, euer Gott, der euch aus Egyptenland geführet hat, daß ich euer Gott wäre.“ Hier wird gezeigt, wie der Wucher wider das erste Gebot streitet. Ps. 15, 1. 5.: „HErr, wer wird wohnen in deiner Hütte? Wer wird bleiben auf deinem heiligen Berge? — Wer sein Geld nicht auf Wucher gibt.“ Ezech. 18, 8 ff.: „Der nicht wuchert, der niemand übersetzet, der ist ein frommer Mann, der soll das Leben haben. Wenn er aber einen Sohn zeuget, und derselbe gibt auf Wucher, übersetzt: sollte der leben? Er soll nicht leben, sondern weil er solche Greuel alle gethan hat, soll er des Todes sterben, sein Blut soll auf ihm sein.“ Bürgerlich aber wurde um des Wuchers willen niemand im mosaischen Staat getödtet. Darum redet er vom Blut, d. i., von der Schuld des ewigen Todes. Hesek. 22. 12. 13.: „Sie wuchern und übersetzen einander und vergessen meiner also, spricht der HErr: siehe, ich schlage meine Hände zusammen über den Geiz, den du treibest.“*) Du streitest also wider den Glauben, weil er sagt: „Sie vergessen meiner also.“ Und Lyra sagt mit Recht, durch das Zusammenschlagen der Hände werde die Geberde eines Trauernden und Entrüsteten, und zwar nicht aus einer gewöhnlichen und geringen Ursache, beschrieben. Luc. 6, 34. 35.: „Leihet, daß ihr nichts dafür hoffet, so werdet ihr Kinder des Allerhöchsten sein. Denn wenn ihr leihet, von denen ihr hoffet zu nehmen, was Dankes habt ihr davon? Denn die Sünder thun dieses auch; darum sind die, *) Man sieht hieraus, daß zwar Gott den Unterschied zwischen Reich und Arm nicht aufheben will, aber der Reiche, welcher mehr besitzt, als er bedarf, soll wissen, daß er damit nicht nach Gefallen schalten und walten kann, daß er sein Gut unter Andrem dazu hat, um den Dürftigen leihen zu können; will er das nicht, sondern mit seinem Gelde an dem wuchern, dem er leihen sollte, so ist das ein Geiz, über den Gott, so zu sagen, entsetzt die Hände zusammenschlägt. Man sieht hieraus, der Reichthum ist wirklich, wie Gottes Wort sagt, keine so zu begehrende, sondern für das Gewissen und die Seligkeit gar gefährliche Sache. „Aber wer glaubt unserer Predigt?“ Fast nur die Armen; daher schon zu Luthers Zeiten der Spruch in dem Munde der Reichen war: Wer secht, dat Wucher Sunde sy, De hefft neen Geld, dat löve du my. D. R.