# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1864_S170 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 170 Die moderne Theorie von den verschiedenen Lehrtypen des neuen Testaments. Erfahrung, und nur wer mit dieser Waffe ausgerüstet ist, ist vor solchen und ähnlichen Verführungen dieser letzten Zeit, die sonst auch den Unbefangensten — weil er dann doch immer in der Feindschaft gegen Gott und sein Wort gefangen und verblendet ist — umgarnen, völlig sicher. Ja, die Christen spüren aus all' den verschiedenen Schriften unseres Kanons den einen göttlichen Geist, wenn auch in verschiedenartigen Werkzeugen und Gaben; sie hören die eine Stimme ihres guten Hirten, wenn auch durch verschiedene menschliche Medien; und in dieser Verschiedenheit der verschiedenen menschlichen Organe, unter dem Einfluß der verschiedenen Charactere, Temperamente und Gaben und der verschiedenen Umstände — aber bei völlig gleichem Lehrinhalt, von dem einen Geiste Gottes eingegeben —, darin allein besteht das Wahre, was den Wortführern für diese ganze jetzt behandelte Theorie von den verschiedenen Lehrtypen des N. T. vorschwebt. Es ist aber sehr verkehrt, ja ein Beweis von bornirtem, mit großer Ignoranz verbundenem, oder böswilligem Dünkel, wenn man meint, unsern alten lutherischen Theologen sei (etwa aus Mangel an den erforderlichen philologischen und historischen Kenntnissen oder an kritischem Scharfsinn) die Beobachtung jener accidentiellen Verschiedenheiten entgangen und darin habe ihr strenger, „steifer“ Inspirationsbegriff seinen Grund; die neuere Theologie dagegen habe vermöge der fortgeschrittenen Wissenschaft erst die Entdeckung jener Verschiedenheiten gemacht und habe daraus, als nothwendige Consequenz, die Theorie von den verschiedenen Lehrtypen und in Folge davon auch ihren laxen Inspirationsbegriff abgeleitet. Nein, die Werke unserer alten Theologen geben ihnen, auch was die theologischen Hilfswissenschaften betrifft, in den Augen jedes unparteiischen Sachverständigen (wir erinnern nur an Winer) das Zeugniß, daß sie auch in dieser Beziehung vor dem heutigen Geschlechte der Vertreter theologischer Wissenschaft im Allgemeinen nicht nur nicht zurückstehen müssen, sondern auch für die gründlichsten und solidesten Arbeiten neuerer Zeit auch auf diesen Gebieten der theologischen Forschung die Lehrväter waren. Sie erkannten sehr wohl die Unterschiede des Stils u. drgl. zwischen den verschiedenen heiligen Schriftstellern, sahen sich aber als rechte „denkende Bibelleser“ deßhalb nicht genöthigt, logische salto mortale's zu machen, und kamen darum nicht zu solchen Resultaten, wie die modernen Kirchenlichter (mit ihrem Schluß von Verschiedenheiten des Stils auf verschiedene Lehrtypen), sondern sie erklärten die Sache als Leute, die im Denken bedächtige und sichere Tritte zu thun gewohnt waren, einfach so, wie wir es z. B. bei Quenstedt lesen (theol. didactico-polemica I. 76): „Es besteht zwischen den heiligen Schriftstellern in Betreff des Stils und der Redeweise eine große Verschiedenheit, welche daher zu rühren scheint, daß sich der h. Geist der gewöhnlichen Redeart anbequemte und einem jeglichen seine besondere Ausdrucksweise überließ; deßwegen braucht aber nicht in Abrede gestellt zu werden, daß der heil. Geist selbst die einem jeden eigenthümlichen Worte ihnen eingegeben habe,“*) oder bei Calov *) Magna est inter sacros scriptores quoad stilum et genus dicendi diversitas,