# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1864_S169 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die moderne Theorie von den verschiedenen Lehrtypen des neuen Testaments. 169 mit einem todten Glauben sich begnügenden Mißbrauch der Gnade entgegenzutreten, ihm die Lehre von den guten Werken entgegenzuhalten. Und was die Episteln Petri betrifft, so zeigen die Stellen I, 1, 14 — 16; 2, 9. 21; 3, 6. 10 — 12. 15. (vergl. Ps. 34, 13 — 16; Jes. 8, 13.), daß auch diesem Apostel die Lehre von dem neuen Gehorsam der Gläubigen in guten Werken nicht nur nicht fremd ist, sondern es finden sich auch derartige Aussprüche ebenso häufig und treten ebenso sehr in den Vordergrund, als die Hinweisungen auf alttest. Verheißungsworte. Ferner, um noch den behaupteten Unterschied zwischen diesen beiden und dem paulinischen und johanneischen Lehrtypus kürzlich zu berühren: wie alles wirklichen Grundes baar ist die Ansicht, daß, während Jakobus und Petrus sich an das A. T. anschließen, Paulus und Johannes dagegen in Gegensatz gegen dasselbe treten! Wie zahlreich sind die Hinweisungen auf das A. T. in den paulinischen Briefen, im Evangelio Johannis und im Ebräerbrief (der auch hierzugerechnet wird), und zwar Hinweisungen nicht in gegensätzlichem, sondern entschieden den Zusammenhang beider Testamente demonstrirendem Sinne und ganz in derselben Weise, wie in den Schriften Jakobi und Petri! Die Stellen sind zu bekannt und erscheinen so gleich auf den ersten Blick, daß eine Citation überflüssig ist! Und auch in den Briefen Johannis zeigt sich dasselbe, s. I, 2, 7; 3, 12. nur seltener, weil keine Veranlassung dazu da war, indem diese Briefe keine eigentlichen Lehrbriefe, sondern vorwiegend paränetischen Inhalts sind. Der einzige Gegensatz zwischen dem alten und neuen Bunde, den Paulus und Johannes in ihren Schriften statuiren, liegt darin, daß der alte Bund die Zeit der Vorbereitung auf das Heil durch das, Sündenerkenntniß wirkende, Gesetz und vorbildlichen Cultus, das neue Testament dagegen die Erfüllung ist und in diesem Gegensatze, in welchem auch wieder der Zusammenhang derselben liegt, lehren sie durchaus dasselbe, nicht mehr und nicht weniger, als die andern neutestamentlichen Schriftsteller auch. Und wie mit diesen Hauptunterschieden zwischen den verschiedenen sogenannten Lehrtypen, so verhält es sich auch mit den in genauerer Entwicklung derselben aus ihnen abgeleiteten untergeordneten Lehrdifferenzen: es sind lauter, freilich sehr wohlfeile, ohne allen triftigen Grund angenommene Voraussetzungen und Hypothesen, die vor einer unbefangenen exegetischen Vergleichung sich als so grundlos erweisen, daß man sich über solche müßige Spielerei höchlich wundern muß, die aber eine im Grunde ungläubige, dem Glauben an die göttliche Eingebung der h. Schrift widerstrebende, Geistesrichtung verrathen, das Formalprinzip der Reformation unterwühlen und, wo sie angenommen werden, zur Verflachung, ja wenn auch nicht sogleich hervortretend, doch dem Prinzipe nach allmälig zur völligen Untergrabung des Glaubens führen. Der kräftigste Beweis jedoch für die Grundlosigkeit solcher Hypothesen und die stärkste Waffe gegen alle derartige Angriffe auf unsern Glauben ist und bleibt das inwendige Zeugniß des h. Geistes im Herzen, die persönliche