# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1864_S168 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 168 Die moderne Theorie von den verschiedenen Lehrtypen des neuen Testaments. geben konnte, es bleibt uns nichts Anderes übrig, als das N. T. als ein Menschenwerk zu betrachten; denn nur so läßt es sich erklären, daß dasselbe in seinen verschiedenen Theilen so verschieden ausgefallen ist. Der eine Geist der Wahrheit kann wohl durch verschiedene menschliche Organe ver⸗ mittelst Accommodation an ihre persönlichen Eigenthümlichkeiten in verschiede⸗ nen Formen der Rede und des Ausdrucks die eine Wahrheit verkündigen, aber nicht verschiedene Wahrheiten; das ist ein innerer Widerspruch. Solche Consequenzen will man nun freilich nicht anerkennen; sie ergeben sich aber, wie gesagt, nothwendig und es ist klar, daß, so positiv man sich auf der einen Seite gezeigt, so entschieden man die rationalistischen Behauptungen von groben Widersprüchen bekämpft und von sich gewiesen hat, doch das Princip dasselbe ist, wie dort, daß man nämlich die neutestamentlichen Schriften — trotz aller gegenseitigen Behauptungen — der Grundanschauung nach für Erzeugnisse des menschlichen Geistes ansieht, und also den Rationalismus in einem Scheingefecht zum Tempel hinausgejagt hat, um ihm das Hinterpfört⸗ chen offen zu lassen! Nicht allein aber widerspricht diese Theorie der durch die christliche Er⸗ fahrung genugsam bezeugten göttlichen Inspiration des N. T., welche dem Inhalte nach verschiedene Lehrtypen absolut nicht zuläßt, (denn eine Inspi⸗ ration, bei der die inspirirten Schriften doch ganz als selbstständige und da⸗ rum inhaltlich verschiedene menschliche Geistesprodukte erscheinen, ist ein Unding), und ist somit der Analogie des Glaubens zuwider, sondern sie be⸗ ruhet auch, rein exegetisch betrachtet, auf ganz willkürlichen Behauptungen. Wenn z. B. behauptet wird, der Lehrtypus des Jakobus (zu welchem auch das Evangelium Matthäi gerechnet wird, mit seinen so zahlreichen, durch⸗ gängigen Hinweisungen und Citaten prophetischer Stellen des A. T. zum Beweise der Erfüllung der Verheißung) betrachte das Evangelium als das erfüllte, vollendete Gesetz, der petrinische Lehrbegriff dagegen (der auch vertreten sein soll durch das Evangelium Marci, in dessen Verhältniß zum A. T. sich doch auch gar kein Unterschied im Vergleich mit Matth. auf⸗ finden läßt) als Erfüllung der Verheißung: so ist darauf zu erwidern: 1. daß man gar nicht berechtigt ist, aus dem einzigen, uns erhaltenen, Schrift⸗ stück, durch welches der Lehrtypus des Jakobus vertreten ist, — nämlich dem kurzen, einen bestimmten Zweck verfolgenden Sendschreiben des Jakobus (denn was das Ev. Matth. betrifft, so genügt in Bezug auf dasselbe die oben angeführte Thatsache, um die auf der Hand liegende Willkürlichkeit des von demselben Behaupteten jedem verständigen Bibelleser evident zu machen) einen besondern Lehrbegriff zu entwickeln. 2. Wenn in dieser Epistel der neue Gehorsam der Gläubigen den Grundton bildet, und zwar — in vollkomme⸗ ner Uebereinstimmung mit der ganzen h. Schrift — als die im N. T. ge⸗ schehende Erfüllung des ohne die Gnade unmöglich zu erfüllenden alttesta⸗ mentlichen Moralgesetzes, dagegen keine Hinweisung auf ein alttest. Ver⸗ heißungswort von Christo sich findet: so hat das seinen Grund einfach in der, in der ganzen Epistel klar zu Tage tretenden, besondern Tendenz derselben, dem