# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1864_S165 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die moderne Theorie von den verschiedenen Lehrtypen des neuen Testaments. 165 Hand, daß eine ausführliche Widerlegung derselben völlig überflüssig wäre, und einige wenige Winke genügen. Was den vermeintlichen Widerspruch betrifft, der zwischen der Lehre Christi (wie sie in den synoptischen Evangelien und besonders in den darin befindlichen Lehrreden Jesu erscheint), und der Lehre der Apostel bestehen soll, so ist das eine rein aus der Luft gegriffene Behauptung. Das Anschlie⸗ ßen der Erscheinung Christi an die Oekonomie des A. T., das Beweisen der Messianität Jesu aus prophetischen Weissagungen findet sich nicht nur bei den Synoptikern, sondern ebensowohl auch in den andern Schriften des N. T. z. B. Joh. 2, 17.; 4, 22. (das Heil kommt von den Juden); 5, 46.; 6, 45.; 7, 38.; 8, 56.; 18, 9.; 19, 24. 36. 37. ꝛc. Apostelg. 13, 33—37. 47.; 15, 15—18.; 18, 28. ꝛc. Röm. 1, 2. 4. (Abraham der Vater der Gläubi⸗ gen); 9, 25—33. ꝛc. Gal. 4, 21. ff. ꝛc. ꝛc., und was auf der andern Seite die Lehre von der ewigen Gottheit Christi und seiner vorweltlichen wesent⸗ lichen Verbindung mit dem Vater betrifft, so finden sich unverkennbare, starke Andeutungen derselben auch bei den Synoptikern und gerade in den Lehrre⸗ den Jesu, vergl. Matth. 1, 18. ff. (die Geburt Christi aus dem heiligen Geist); 3, 17.; 11, 27.; 28, 18.; 18, 20. (Allgegenwart Christi) ꝛc., und findet also in beiden Beziehungen durchaus kein Widerspruch, sondern die beste Ueberein⸗ stimmung statt. Das einzige Wahre an der Sache ist das, daß, was von der Person des Erlösers bei den Synoptikern seltener und mehr andeutungsweise vorkommt, bei Johannes und in den apostol. Briefen häufiger und aus⸗ drücklicher ausgesagt wird, worin aber kein unbefangener Mensch von gesun⸗ dem Menschenverstande einen Widerspruch, sondern nur eine verschiedene Intention je nach Verschiedenheit der Leser, für welche diese Theile der Schrift zunächst bestimmt waren, und einen Fortschritt, eine weitere Entwick⸗ lung der göttlichen Offenbarung finden wird, die in der fortschreitenden Entwicklung der göttlichen Heilsökonomie ihre nothwendige Begründung hat und durch Aussprüche des Herrn, wie Joh. 14, 20. 26.; 15, 26. und beson⸗ ders Joh. 16, 12—15. sich hinreichend erklärt. Diese nämliche Ober⸗ flächlichkeit und Willkür zeigt sich auch in der Behauptung von sich wider⸗ sprechenden Lehrtypen bei den Aposteln selber. Wenn z. B. behauptet wird, die Logoslehre des Johannes (zum alexandrinisch-johanneischen Lehrtypus gehörend) habe ihren Ursprung in der des jüdischen Theosophen Philo († 39 n. Chr.), so findet das seine Widerlegung einfach darin, daß der Logos des Philo keine selbständige, neben dem Vater bestehende, Person, wie bei Jo⸗ hannes, sondern nur eine unpersönliche Selbstoffenbarung Gottes ist, und von einer Fleischwerdung dieses Logos Philo nichts weiß, also gerade in den wesentlichen Hauptpunkten die Idee des jüdischen Theosophen und die Lehre des Evangelisten völlig von einander verschieden sind. — Oder wenn zwischen dem paulinischen Lehrtypus und dem palästinensischen der Unterschied statuirt wird, daß nach dem ersteren das Christenthum eine universal⸗ historische Bedeutung habe, Weltreligion sei, nach dem letzteren aber Christus eigentlich nur der Juden Heiland sein sollte, so zeigen Stellen bei den Syn⸗