# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1864_S164 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 164 Die moderne Theorie von den verschiedenen Lehrtypen des neuen Testaments. werden könnten, und der vermeinte Gegensatz zwischen der Lehre Christi, und der der Apostel, als einer durch die Zeitbildung erfolgten Verunstaltung des Christenthums, wurde daher besonders premirt. Für das Urchristenthum oder die Lehre Jesu galten nach dieser Ansicht als die alleinige Quelle die drei synoptischen Evangelien, und insbesondere die in denselben überlieferten Lehrreden, die Lehre der Apostel dagegen sei enthalten im Evangelio Johannis und den übrigen Schriften. Den haupt⸗ sächlichen Unterschied aber fand man in dem beiderseitigen Christusbild, sowie in der ganzen Stellung, welche die Person des Erlösers in dem einen und andern einnehme. Bei den Synoptikern trete er bloß als der verheißene jüdi⸗ sche Messias auf, zwar in Vergeistigung der gewöhnlichen jüdischen Vor⸗ stellungen, aber doch in wesentlichem Anschluß an das alttestamentliche Bild von demselben, als der Retter der jüdischen Nation von sittlichem Elend und politischem Unglück, als Prophet, Verkündiger nicht sowohl einer besondern Religionslehre, als vielmehr einer reinen Sittenlehre, endlich als von der Vorsehung auf besondere Weise unterstützter Märtyrer für das Interesse sei⸗ nes Volkes und der Menschheit, aber ohne die Idee einer göttlichen, von Ewigkeit her bestehenden Person. Vielmehr sei die Erscheinung Jesu überall eine rein menschliche und darum allein historische. In den übrigen Schriften des N. T. dagegen trete statt der Lehre die Person des Erlösers in den Vordergrund; er erscheine in einer geheimniß⸗ vollen, vorweltlichen Verbindung mit dem Vater. Der geschichtliche Messias⸗ character Jesu werde umgewandelt in den des metaphysischen Sohnes Gottes; es werde in diesen Schriften vorgetragen nicht die Lehre Jesu selber, sondern eine Lehre von Jesu, als das Product einer eigenen Auffassung seiner Lehre und der Vermischung derselben mit fremden, jüdisch-gnostischen Elementen. Und gerade die Lehre derjenigen Apostel, auf welche die kirchliche Glaubens⸗ lehre besonders zurückzugehen pflege, stehe in unauflöslichem Widerspruche mit der Lehre Christi. Nur das in den Synoptikern uns erhaltene Bild von Christo und seiner Lehre könne Grundlage des christlichen Glaubenssystems sein, die Religion der Apostel sei bereits weit über das ursprüngliche Chri⸗ stenthum hinausgegangen und gehöre deshalb in die Dogmengeschichte. In der genauern Entwicklung dieser Theorie gingen dann die verschie⸗ denen Kirchenlichter natürlich in einzelnen Punkten aus einander. Wäh⸗ rend G. L. Bauer, der Verfasser der „hebräischen Mythologie des alten und neuen Testaments,“ die Lehre jeder neutestamentlichen Schrift für sich darstellt, so unterschieden Andere im N. T. drei Lehrtypen, den palästinensischen oder judenchristlichen, den alexandrinisch-johanneischen und den paulinischen, in welchen verschiedenen Phasen jedoch die oben dargestellte allgemeine Grund⸗ anschauung, einige Modificationen abgerechnet, im Wesentlichen immer wiedergekäut wird. Was nun die Beurtheilung dieser Theorie betrifft, so liegt die entsetzliche Oberflächlichkeit und bodenlose Willkür dieser fürwahr äußerst unwissenschaft⸗ lichen Behauptungen, auch für einen verständigen Laien, so klar auf der