# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 06 21_S182 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) iſt umſonſt, daß wir für und gegen aus der hei⸗ ligen Schrift disputiren. Was verflucht iſt, wird wohl auch verflucht bleiben. Ich glaube nicht, daß ich zur Seligkeit werde gelangen, es wäre denn Sache, daß ich ſonderbare Zeichen und Wunder möchte ſehen; ſonſt im Geringſten nicht! Hierauf antwortete ich, daß ſolches eine ſchwere Sünde und Verſuchung Gottes wäre, und bewies ihm ſolches mit der Antwort, welche dem reichen Mann in der Hölle widerfahren wäre; er aber blieb bei ſeiner Meinung. Hierauf antwortete ich kurz: „Der HErr ſchelte dich, Satan, du unver⸗ ſchämter Geiſt! Wenn die Luft ihre Bewegung nicht hat, ſo kann aus dem Erdboden nichts her⸗ vorwachſen und kein Schiff über See gebracht werden. Soll der Erdboden keine Früchte tragen, ſo müſſen Menſchen und Vieh und alles, was lebt, zu Grunde gehen. Daß das Waſſer kein Feuer ſoll löſchen und endlich das Feuer nicht brennen, das Exempel hatte man zu den Zeiten des Propheten Daniel an den drei Männern im glühenden Ofen erfahren: und eben derſelbige Gott lebt noch und ſeine Wunderhand iſt nicht verkürzt, ſondern eben ſo kräftig als ſie anfangs, da er Himmel und Erde und alles, was drinnen lebet und ſchwebet, erſchaffen hat — das glaube ich ſtandhaft und ungezweifelt!“ Der allmächtige Gott gab mir einen ſolchen unbeweglichen Glau— ben und Zuverſicht, daß, wenn ein großes Feuer zugegen geweſen, ich wäre im Namen IEſu Chriſti hineingeſprungen. Weil nun in meiner Stube, „auf der Probe“ genannt, ſchon eingeheizt war, ſo lief ich zu dem Ofen, eine Hand voll glühender Kohlen heraus zu nehmen. In dem Laufen ſtoß' ich mit dem Fuß an einen großen eiſernen Ring, der hob ſich empor und lief tellerweiſe herum; den⸗ ſelben nahm ich auf und ſtieß ihn in die glühenden Kohlen, nahm eine Hand voll glühender Kohlen heraus und zeigte dieſem im Zweilel ſtehenden Menſchen dieſelbe. Da ſtarrte er und ließ folgende Worte hören: „JEſus Chriſtus, thuſt du ſo viel um eine einzige Seele?“ Ich antwortete ihm: „Ja freilich thut es der getreue Heiland! darum hat er vor 1666 Jahren den Himmel verlaſſen, iſt zu uns armen Sündern herunter auf Erden gekommen, hat wahre menſchliche Natur an ſich genommen, drei und dreißig Jahre dieß zeitliche Elend gebaut und endlich den allerſchmählichſten Tod erlitten am Stamm des Kreuzes. Solches alles iſt nicht für die lange Weile geſchehen, ſon⸗ dern es iſt geſchehen, den gerechten Zorn Gottes damit zu ſtillen, die Sünden aller Menſchen zu tilgen und alle Menſchen aus dem Rachen des hölliſchen Mörders zu erretten. Nun ſteht in der heiligen Schrift: Wer glaubt und getauft wird, der wird ſelig werden. Nun merkt folgende Worte: Wer nicht glaubet, der wird verdammet werden. Laſſet dieſe Don⸗ nerworte den hölliſchen Lügengeiſt aus euerem Herzen herausſchlagen, ſo könnt ihr unfehlbar zur ewigen Seligkeit gelangen!“ Hierauf wurde der arme Menſch ganz ſtille und ſtand in tiefſter Ver⸗ wunderung; endlich aber begann er den Kopf wiederum zu ſchütteln. Ich war über res hölli⸗ ſchen Wolfes Argliſtigkeit und unverſchämte Hu⸗ 178 renſtimme hoch verwundert, und fragte ihn deß⸗ wegen, ob er noch einigen Zweifel an Goites Gnade und Barmherzigkeit hätte? worauf ich denn faſt keine Antwort von ihm erhalten konnte, ohne daß er ſehr tief ſeufzte. Unter der Zeit wurde der eiſerne Ring glühend heiß. Da lief ich zum andernmal zum Feuer, nahm ungeſcheut den Ring im Namen JIeEſu glühend heraus und empfand davon nicht die geringſte Hitze. Da kam die junge Frau in ſelbigem Hauſe, wie auch die Tochter, beide gottesfürchtige Leute, auch der Knecht im Hauſe, wie auch eines Kaufmanns Sohn, Na⸗ mens Hanns Müllenhauer, und eine Pflegefrau, die der jungen Frau im Kindbette hatte aufge⸗ wartet. Dieſe alle habens mit ihren Augen ge⸗ ſehen, die es denn auch bezeugen werden, wann Zeugniß nöthig ſein wird, und iſt meines Wiſſens Keiner davon geſtorben, als Hanns Müllenhauer, deſſen Seele Gott erfreuen wolle. Die folgende Nacht ſtand ich auf von meiner Ruheſtätte um Mitternacht, nahm mein Gebetbuch und betete. Darnach fiel mir in der Bibel ein der 46ſte Pſalm Davids. Dieſen geiſtreichen Pſalm las ich mit Freudenthränen über, ging wandern und ſang in der Stille denſelben Pſalm, von dem ſeligen Luthero gemacht: „Ein' feſte Burg iſt unſer Gott.“ Und da ich auf dieſe Worte kam: „Wenn alle Welt voll Teufel wär, und wollten uns verſchlingen“ u. ſ. w. bis zum Ende: da ward die innerſte Thür ſo grauſam aufgeriſſen und wie— derum zugeſchlagen, daß das Haus bebte. Nun war ich gar allein, erſchrack zu anfangs, trat hin zu derſelben Thüre und fand ſie offen, da ich ſie doch zuvor hatte feſt zugeſchlagen, und mußte die⸗ ſelbe allezeit mit einem ſtarken Schloß aufmachen. Es waren aber zwei Thüren vor dem Gemach, wovon die erſte wohl verſchloſſen war. Ich wie⸗— derholte mit ſtandhaftigem Gemüth denſelben Pſalm noch einmal. Da machte es der erzürnte Mörder ärger, denn zum erſtenmal. Ich lachte darüber und trat zum drittenmal recht in die Thüre, nahm in der einen Hand das Licht, in der andern die heilige Bibel und trotzte ſo dem hoffär⸗ tigen Finſternißfürſten. Da war Niemand vor⸗ handen, der ſich mehr regte. Ich that zum Trotz dieſer Nachteulen das Licht aus und ſagte: „Komm nun her, du Fürſt der Finſterniß, in Löwen⸗, Drachen⸗, Bären⸗ und Schlangengeſtalt, ich will dir Höllenhund und Drachen auf den Leib mit Füßen treten. Nun, du mein liebſter IEſu, dein iſt die Ehre, dein iſt die Stärke, dein iſt der Ruhm hie zeitlich und dort ewig! Amen.“ So weit Freſe. Zur Beſtätigung der Wahr— heit dieſer alledings wunderbaren Begebenheit fügt Dr. Chr. Kortholt dem obigen Berichte Freſe's Folgendes bei: „Sobald dieſe merkwürdige Begebenheit zu meiner Wiſſenſchaft gekommen, habe ich nicht ruhen können, bis ich den Mann, deſſen Worte bisher angeführet, und die annoch lebenden Perſonen, welche ſolchem Spectacul (Schauſpiel) zugeſchauet, ſelbſt geſprochen, Ort und Stelle, wo dieſe wunderbaren Dinge ſich zu⸗ getragen, in Augenſchein genommen und anderer dergleichen Umſtände halber aufs genaueſte mich erkundiget; bin alſo mit mehrgedachtem Jürgen Freſe in Kundſchaft (Bekanntſchaft) gerathen, habe etliche Tage mit ihm converſiret (geſprochen), und alles, was paſſiret (geſchehen), aus ſeinem Munde mir erzählen laſſen. Wie er denn auch die Leute, ſo dabei zugegen geweſen, mir zur Hand geſchaffet, (welche nicht allein, was in obgeſetzter Relation [Erzählung! enthalten, mit ihrem Ge⸗ zeugniß bekräftigt, ſondern auch überdem noch einige andere dazumal vorgegangene gar merkliche Specialia [Einzelheiten] zu erzählen gewußt) und an den Ort, wo alles ſich begeben, mich geführet hat. Worauf weiter mit einigen der Vornehmſten Ew. Ehrw. Miniſterii (Predigtamts), auch an⸗ dern anſehnlichen, verſtändigen und glaubwürdi⸗ gen Perſonen zu Hamburg ich dieſer Sachen we⸗ gen conferiret (verhandelt) und, warum am obge⸗ meldten Bericht gar nicht zu zweifeln wäre, aus⸗ führlich von ihnen vernommen; namentlich vom Herrn M. Hermann von Peteum, vieljäh⸗ rigen Diener göttlichen Worts und nunmehr Pa⸗ ſtor der Hauptkirche zu St. Petri daſelbſt, welchem Jürgen Freſe bald nach dieſer Begebenheit den eiſernen Ring, als bei ausbrechendem Gerücht hievon der Zulauf des Volks zu groß werden wol⸗ len, in rothem Taft gewickelt und mit ſeinem Pet⸗ ſchaft verſiegelt, ſammt begefügter ſchriftlicher Nachricht von dem ganzen Verlauf aus der da⸗ maligen Cuſtodie (Gefängniß) zugeſandt; auf deſſen Permiſſion (Erlaubniß) ich auch ſelbigen Ring mit mir nach Kiel genommen habe, welchen nachgehends Jürgen Freſe mir geſchenkt, und den ich zum ſteten Andenken einer ſo herrlichen und merkwürdigen Begebenheit bei mir in Ver⸗ wahrung habe.“ — Geſpräche zwiſchen zwei Lutheranern über den Methodismus. Zweites Geſpräch. Die Lehre und Weiſe der Methodiſten. (Fortſetzung und Schluß.) Philipp. Was die Methodiſten uns alſo bei! der Taufe vorzuwerfen pflegen, nämlich das fleiſch⸗ liche Sichverlaſſen darauf, was auch wir mißbil⸗ ligen und verwerfen, das kann ihnen bei der Buß⸗ bank begegnen, was hoffentlich auch die minder Kranken dieſer kindlich-kindiſchen Gefühlsmen⸗ ſchen, Methodiſten genannt, mißbilligen würden, wenn ſie eben etwas ſchärfer Schein und Weſen, Zeichen und Sache, nach einem ſichreren Maaß⸗ ſtabe als dem des Gefühls zu unterſcheiden wüß⸗ ten. Doch bleibt zwiſchen der heiligen Taufe und der Bußbank immer der himmelweite Unter⸗ ſchied, 1, daß jene eine göttliche Ordnung und ein weſentliches Gnadenmittel, dieſe eine menſch— liche Erfindung und ein unweſentliches Zwangs⸗ mittel iſt; 2., daß das geiſtliche Sichverlaſſen eines angefochtenen Gläubigen auf die heilige Taufe recht iſt, dasſelbe Vertrauen aber desſelben Angefochtenen auf die Bußbank ſammt ſeiner ganzen Bekehrung unrecht wäre; denn dieſes iſt Menſchenwitz und Stückwerk, die heilige Taufe aber iſt Gottes Werk und Ordnung und von Seiten Gottes allewege vollkommen und ganz. Martin. Da haſt du ganz recht. Jene bei⸗