# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1864_S155 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich-Zeitgeschichtliches. 155 Christen zu allen Zeiten empfangen haben. — Deshalb ist es ein einfach Ding, daß die h. Männer, getrieben vom h. Geist, geredet haben, wie sie redeten. Aber daraus folgt dann wiederum, daß, wo sich später in der Kirche Männer und Frauen fanden, die sich mit derselben Treue und Einfalt, wie die Apostel, den Einwirkungen des h. Geistes hingaben, deren Wort dasselbe Gewicht und dieselbe Kraft, die Gemeinden zu erbauen, haben mußte, wie das der Apostel. .... Der Name „Gottes Wort“ in der gewöhnlichen Bedeutung kann daher jeder Rede beigelegt werden, zu der sich Gott als zu seinem eignen Wort bekennt, und die Zeit kann da keinen Unterschied machen: wo ein von Gott beseelter gläubiger Mensch redet, da ist das Wort, welches er spricht, ein Gotteswort. — Mit Recht bemerkt hiezu die „Maanedstidende“: Es ist doch kläglich, daß Prediger, die solche Lehre führen, in der luther. Kirche bleiben mögen, und noch betrübter, daß das Kirchenregiment und die Ge⸗ meinden sie dulden. — Dasselbe kirchliche Blatt enthält auch eine Erklärung des Prof. Johnsen von Christiania, wie er es meine, wenn er sagt, daß die Frage über die Entstehung des apostolischen Symbolums „eine offene Frage“ sei, welcher Ausdruck ihm von den Grundt⸗ vigianern als ein Zugeständniß gegen sie angerechnet wurde. Prof. Johnsen zeigt nun, wie er nicht das als eine offene Frage betrachte: ob die Schrift die einzige Grundquelle und Grundregel unseres Glaubens sei, oder ob das apostol. Symbolum eine solche Grund⸗ regel sei, die über der Schrift stehe, „ein Wort aus des HErrn eignem Mund“; das erstere sei eine Glaubensfrage, eine „kirchliche Lebensfrage“, die die luther. Kirche mit Ja beant⸗ wortet habe, weshalb die Grundtvigianer, die das letztere behaupten, daß nämlich das Tauf⸗ bekenntniß sei „das Wort aus des HErrn eignem Mund“, sich selbst von der luther. Kirche ausschieden; aber die Frage über die Entstehung des Taufbekenntnisses, wann, von wem oder in welcher Form es verfaßt worden sei, die sehe er als eine offene an, denn das sei eine historische Frage, die nur durch historische Untersuchungen beantwortet werden könne und über welche man in Unwissenheit sein oder auch eine unrichtige Meinung haben und doch ein guter lutherischer Christ sein könne. — Wir freuen uns mit der „Maanedstidende“ über Prof. Johnsons bestimmtes und scharfes Auftreten gegen die Grundtvigianer und über das Urtheil, das er wider sie fällt. C. Nizza. Der Pastor Primarius in Bautzen in Sachsen, Dr. Rüling, veröffentlicht in der Ev. Kz. vom 2. Dec. v. J. eine Bitte um Unterstützung eines Kirchenbaues in Nizza, aus welcher wir ersehen, daß dort ein lutherisches Gemeinlein unter einem gewissen Pastor Mader entstanden sei, von welchem Hengstenberg bemerkt, daß er ihn persönlich kenne als einen trefflichen Prediger und Seelsorger von gesegneter Wirksamkeit. Die Bitte lautet, wie folgt: „Nizza, eine Zufluchtsstätte der Brustleidenden, zählt unter seinen Gästen mehr und mehr evangelische Deutsche. Die Einen kehren genesen wieder heim, die Andern finden ein frühes Grab in der fremden Erde. Diesen Leidenden nun gewährt seit sieben Jahren ein deutscher Prediger Augsb. Conf. durch sein gastliches Haus und durch sein treues, schlichtes Zeugniß von dem, der unser Heil und Leben ist, Stärkung für Leib und Seele, und auf ihren Krankenbetten den Trost des heil. Sacramentes. Nach vielen Anfechtungen haben es die dort ansässigen Evangelischen endlich dahin gebracht, durch kaiserliches Decret vom 5. De⸗ cember 1861 als „Gemeinde der Protestanten Augsb. Conf. im Departement des Alpes maritimes“ anerkannt zu werden, und einen Bauplatz zu kaufen, auf welchem noch diesen Winter, so Gott will, der Grundstein zu einer bescheidenen Kirche gelegt werden soll. Doch ist die Kasse durch Anzahlung der lange und mühsam gesammelten Summe von 29,000 Fr. auf diesen theuern Bauplatz so erschöpft, daß selbst der niedrige Gehalt des Pastors vor der Hand nicht gedeckt werden kann. Es ergeht daher von dort an Alle, die durch die Bande der Dankbarkeit oder der Erinnerung mit Nizza verknüpft sind, oder sonst für diesen wichtigen Vorposten der deutschen Reformation mitten unter den wilden Strömungen des neuitalieni⸗ schen sogenannten Protestantismus sich interessiren, die herzliche Bitte, jenen Kirchenbau durch Liebesgaben zu ermöglichen, und hat sich der Unterzeichnete, erhaltener Aufforderung zufolge und nach eigner gewissenhafter Erwägung, erboten, solche Gaben zu sammeln, einzusenden und seiner Zeit darüber öffentlich zu quittiren. Dem möglichen Einwand aber, daß ja in Nizza selbst viele reiche Fremde sich aufhalten, begegnen wir von vorn herein mit der Versicherung des P. Mader, daß der größte Theil seiner Zuhörer nicht zu den Reichen gehöre.“