# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1864_S154 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 154 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. Gesetze des Evangeliums in vielen Kirchen, die jetzt derselben beraubt sind. (Arme Kirche, die sich auf die Krücken militärischer Gewalt stützen muß!) Der Tag ist nicht mehr weit fern, da loyale Männer die Kanzeln einnehmen werden, die so oft durch verrätherische Aeußerungen entweiht wurden.“ C. Neuer Vorschlag zur Erweiterung der Lehrbasis der General⸗ synode. Je mehr der morsche Bau dieses kirchlichen Körpers in Stücken zu gehen droht, desto mehr bemühen sich seine weisen Baumeister, ihn noch zusammenzuhalten. Freilich, der Weg, den sie dazu eingeschlagen haben, ist ein sehr abschüssiger. Der Lehrartikel, in denen man noch einig sein soll, werden immer weniger, der freigelassenen immer mehr. Das zeigt die jüngste Nummer des Observer, vom 8. April d. J., wo sich ein solcher afterkluger Rath⸗ geber also vernehmen läßt: „Wir sollten eins sein in der Glaubenslehre, die die Kapital⸗ lehren des Christenthums umfaßt, während wir rücksichtlich anderer Dinge Liebe haben sollten. Unter Fundamentallehren verstehen wir die und nur die, welche nothwendig sind, um einen Menschen zu einem wahren Kinde Gottes zu machen. Ein Baum muß gewisse Leben sau⸗ gende Wurzeln haben, um wachsen und Früchte tragen zu können: so sind auch gewisse Lehren in Theorie und Praxis wesentlich, um todte Herzen lebendig zu machen und geistliches Leben in die Seele zu pflanzen. Wer kann ein Christ sein und das Wesen und Dasein Gottes, Christi und des h. Geistes leugnen, die dem Vater in seinen natürlichen und moralischen Vollkommenheiten gleich sind? Wer kann ein wahres Gotteskind sein und die Versöhnung, die Lehren von Buße und Glauben an Christum, die Nothwendigkeit der Rechtfertigung vor Gott und der Erneuerung des Herzens verwerfen? oder das Moralgesetz als die Richtschnur des Lebens, die Lehre von der Unsterblichkeit und von unsrer künftigen Bestimmung? Gerade diese Lehren, welche zum Glauben und christlichen Leben wesentlich sind, sind funda⸗ mental und sollten von Herzen angenommen und in Uebung gebracht werden; während alle andern Lehren (in der That?) zwar mehr oder weniger nöthig sein mögen, um den christ⸗ lichen Charakter vollkommen und symmetrisch zu machen, aber das Herz der wahren Religion nicht treffen. Uns scheint es, daß in allen Fundamentallehren der Bibel in der lutherischen Kirche genugsam Uebereinstimmung ist, um eine zu allen praktischen Zwecken vereinigte Kirche zu bilden. Wohl mag eine Verschiedenheit der Meinung über einige nicht wesentliche Punkte herrschen, die bis zu einem gewissen Grad unsern christlichen Charakter entstellen und verkümmern dürfte; aber das geht doch nicht so weit, daß es unsere Erwählbarkeit zu der heiligen Bürgerschaft des Reiches Christi zerstören sollte. In den Fundamentalartikeln sollte Einigkeit sein, aber auch Liebe in den nichtwesentlichen Stücken. Während die Kirche auf Annahme der Lehren bestehen sollte, die für das wahre Christenthum wesentlich sind, muß sie gleichwohl in allen minderwichtigen Punkten Gewissensfreiheit geben und garantiren. Auf dieser Basis möchten wir eine Kirche aufbauen von wünschenswerther Einigkeit und Harmonie, pflegend die Fundamentallehren der Bibel als unsern Glauben und als zur wah⸗ ren Religion wesentlich, während wir hinsichtlich der minderwichtigen Punkte Liebe übeten.“ Nun, baut nur so zu, euer Babel wird bald ganz fertig sein. C. II. Ausland. Grundtvigianismus. In Bezug auf diese romanisirende und schwärmerische, der Wahrheit sich immer mehr und mehr entfremdende Partei in der skandinavischen Kirche erfährt die „Maanedstidende“ aus einem norwegischen kirchlichen Blatt, daß der Prebst Ingjer, ein eifriger Grundtvigianer, mit der Behauptung aufgetreten ist: es sei eine schäd⸗ liche und verdammliche „Unsitte“, daß der Prediger seine Predigt Gottes Wort nenne. Zugleich erfährt sie, daß ein nicht minder fanatischer Grundtvigianer in Dänemark, Pastor Christiani, ein Büchlein: „Wort und Schrift“, verfaßt hat, darin er behauptet: man solle auch die Schrift nicht Gottes Wort nennen, denn „das sei sie nicht.“ (Den Grundtvigianern ist nämlich nur das bekennende Wort im Munde der Kirche, das aposto⸗ lische Symbolum, eigentlich Gottes Wort.) Herr Christiani gibt in einer andern Schrift den Grund seiner Behauptung an, wo er sagt: „Die Lehre von der Inspiration ist eine ganz willkürliche Erfindung.“ Es ist an keine andere Inspiration zu denken als die, welche alle