# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 06 21_S181 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) 2* Redigirt von C. F. W. Walther. Der Lutheraner. „Gottes Mort und Xuthers Jehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. Jahrgang 4. St. Louis, Mo., den 11. Juli 1848. No. 23. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Nur die Briefe, weiche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. (Eingeſandt.) Merkwürdiges Beiſpiel von der Kraft des Glaubens. Im Jahre 1676 gab Jürgen Freſe, ein gottſeliger Handelsmann zu Hamburg, ein Büch⸗ lein gegen die Atheiſten heraus, in deſſen Vorrede er eine überaus merkwürdige, von der Kraft des Glaubens zeugende Begebenheit aus ſeinem Leben erzählt. Wiewohl dieſelbe außerdem durch den damals lebenden Dr. Chr. Kortholt, Profeſſor zu Kiel, ſowie durch Scriver in deſſen „Seelenſchatz“ (I. Thl. 8. Pred. § 29.) und Dr. Spener in deſ⸗ ſen letzten theol. Bedenken (3. Thl. p. 609) der Nachwelt aufbewahrt worden iſt, ſo iſt doch an⸗ zunehmen, daß dieſes „unleugbare Exempel des Wunderglaubens und erfolgter Wunderthat des gottſeligen Hamburgers“, wie es die theologiſche Fakultät zu Kiel in einem 1685 ertheilten Gut⸗ achten nanute, heutzutage wenig bekannt ſein wird. Zur Stärkung des Glaubens und Be⸗ ſchämung des Unglaubens, und eingedenk des Wortes Raphaels: „Der Könige und Fürſten Rath und Heimlichkeit ſoll man verſchweigen, aber Gottes Werk ſoll man herrlich preiſen und offen⸗ baren“ (Tob. 12, 8.), erneuern wir daher das Gedächtniß dieſer wunderbaren Giſchichte und laſ⸗ ſen zu dem Ende den glaubensſtarken Freſe ſelber als Erzähler auftreten. Nachdem derſelbe in der Vorrede ſeines Büch⸗ leins erzählt hat, wie er um einer freimüthigen Beſchuldigung willen, die er auf dem Rathhauſe 4 gegen eine angeſehene Standesperſon zu erheben ſich gedrungen fühlte, in das Bürgergefängniß gejetzt wurde; wie er anfänglich mit mehreren Gefangenen in einer Stube beiſammen war und alsbald Gelegenheit hatte, einen Spötter des hei⸗ ligen Predigtamts zum Schweigen zu bringen; wie er endlich, aus Vergünſtigung des Wirths, zu ſeinem Aufenthalte ein beſonderes Gemach erhielt, und daſelbſt im Ordnen ſeiner Geſchäftsbücher, Beantworten freundlicher Briefe und beſonders fleißigem und andächtigem Leſen der heiligen Schrift, die ſeligſte Zein ſeines Lebens zubrachte — ſo fährt er in ſeiner Erzählung alſo fort: „Das währete ſo lange, bis das Werk- und Zuchthaus abbrannte. Da kamen zwei Gefangene aus dem Zuchthaus dahin: einer, Hanns Mül⸗ lenhauer, eines Bürgers Sohn allhier, und dann ein Salzjunker aus Lüneburg, Namens Hanns Jürg Witzendorf. Dieſer war deſperat (in Ver⸗ zweiflung), hielt ſich aber etliche Tage ſehr ſtill und gottesfürchtig. Des Morgens frühe war er ſehr andächtig im Leſen. Bald darauf wandte ſich das Blatt mit ihm; da er denn im Januar des 1666ſten Jahrs früher auf war, als ich. Er ging wandern in der Stube, und redete ſehr laut, und dabei dieſe erſchrecklichen Worte: „Wo bleibet ihr hölliſchen Geiſter, daß ihr nicht kommet und holet dieſe verfluchte Seele aus dieſem Körper? Herbei! zerbrecht denſelben, daß die Seele bei euch in den freien Lüften komme! Wo bleibet ihr höl⸗ liſchen Furien? Ich ſehe, ihr wollt, aber könnt nicht: ſo muß ichs ſelbſt thun!“ Indem ergreift er ein bloßes Meſſer, welches vor dem Fenſter lag, faßte dasſelbe an und wollte es ſich ſelbſt in den Leib ſtoßen. Da ſprang ich zu ihm hinein, faßte ihn von hinten an die Hände und drückte ihn gewaltig auf die Naſe, daß er das Meſſer fal⸗ len ließ. Da ſteckte ichs zu mir. Er ſagte: „kommſt du einmal?“, meinend, ich wäre der Satan. Ich antwortete: „Hier bin ich“, riß ihm den Rock auf und faßte denſelben an, ihn abzuziehen. Das wollte er nicht zugeben und ſagte, der Rock wäre ſein, den hätte er für ſein Geld bezahlt. Hierauf antwortete ich, daß er keine Macht hätte, eine Seele dem Satan zu übergeben, denn dieſelbe hätte Chriſtus IEſus mit ſeinem Blute aus der Gewalt des hölliſchen Geiſtes erkauft, ſie wäre alſo nicht ſeine, ſondern gehöre zum Himmel und nicht zur Hölle. Er wandte ſich zu mir mit einem grauſamen Geſichte und fragte, ob ich ein Menſch wäre? Ich ſagte: „Ja.“ Er wiederum: „So gehe, oder ich will dich zerreißen, wie man einen jungen Bock zerreißt.“ Ich antwortete ihm: „Du wirſt von dem hölliſchen Mörder getrieben. So will ich nun ſehen, ob derſelbe mächtiger iſt, als der König Himmels und der Erden, das iſt mein liebſter JEſus; der iſt in mir und ich in ihm.“ Darauf faßte er mich bei beiden Schultern und wollte mich übern Haufen werfen. Ich aber er⸗ wiſchte ihn bei dem Halstuch und zog ihn rück⸗ wärts über, daß er platt auf die Erde zu ſitzen kam. Er erſchrack darüber und ſagte: Nun habe ich meinen Meiſter gefunden!“ Ich antwortete: „Schreib' es nicht meiner Kraft, ſondern der Güte deines HErrn IEſu zu, der dich herzlich liebt und nicht will, daß deine Seele verloren werde.“ Hierauf ſtand er auf von der Erde und fragte, ob es mög⸗ lich wäre, daß ein Menſch könnte ſelig werden, der ſich mit einem erſchrecklichen Eide an eine Jungfrau verbunden, ihr dasſelbe mit ſeinem eigenen Blut verſchrieben, aber nicht gehalten, worüber dieſelbe den Tod genommen, und ſtünde deren Geiſt ihm alle Nacht vor ſeinen Augen und ängſtigte ſeine Seele? Hierauf antwortete ich ihm, daß ich ſolche heimliche Verknüpfung nicht billigen könnte; noch ärger wäre es gethan, daß er ſich ſo hoch verbunden hätte, und noch böſer, daß er ſeine Zuſage nicht hätte gehalten; das wäre aber das allerböſeſte, daß er ſich von dem Satan ſo ließe ſchrecken, durch deſſen Geſpenſt; das wäre nur eine Teufelslarve, die müßte er für nichts achten; wo er ſich dafür künftig würde fürchten, ſo würde er Gott ſeine Ehre ſiehlen, und dem Satan dieſelbe geben; er ſollte und müßte Gott über alles fürchten, lieben und vertrauen, Tag und Nacht dem gerechten Gott ſeine Sünde mit Bußthränen abbitten und alsdann ſeine Zuflucht zu den offenen Wunden IEſu Chriſti nehmen, ſo müßte dieſes hölliſche Geſpenſt wohl verſchwinden. Er hielt mir das Gegentheil und wollte aus der heiligen Schrift beweiſen, daß er eine Sünde wi⸗ der den Heiligen Geiſt hätte begangen und die könnte ihin nicht vergeben werden. Ich widerlegte ihm dasſelbe, ſo viel mir möglich zu ihun war; aber er war ſo geſchwind, ſeine Meinung aus der heiligen Schrift zu behaupten, daß ich keinen Weg mit ihm konnte kommen. Ich merkte aber die Argliſtigkeit des Satans, daß er viele Worte einflickte, die nicht in heiliger Schrift zu finden waren; derowegen ſchlug ich die heilige Bibel auf und ſahe alle Worte nach, die er anführte. Da wollte er nicht weiter reden, ſondern brach heraus mit folgenden Worten: „Mein lieber Freund, es