# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1864_S151 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich-Zeitgeschichtliches. 151 die Kanzeln sich mit Männern füllen, die die Kenntnisse, die das Predigtamt voraussetzt, zu erwerben Gelegenheit hatten. Nein, rufen welche, solche studirte Prediger wollen wir nicht! Aber was wollen denn eigentlich solche Leute? Ich gedenke noch der Stunde, da in meinem Zimmer ein Prediger des Evangeliums, ein treuer und frommer Knecht Gottes, mit Thränen in den Augen und mit bewegter und gebeugter Seele zu mir sagte: Ach, in welchen Zeiten leben wir! Ihres Gleichen achten Viele nicht, studirte Prediger wollen sie nicht, was also wollen sie? Am Ende wissen's solche Splitterrichter selber nicht, und um ihretwillen leidet Gottes Werk bittere Noth.“ „The Lutheran Standard“ meldet in seiner Nummer vom 15. März, daß Herr Worley die Redaction niederlegt und dieselbe Herrn Pastor Loy übertragen hat und daß sie auch von letzterem angenommen worden ist. Es sind das sehr erfreuliche Nachrichten, denn das Blatt unter Herrn Worley's Redaction war nichts als ein Sammelsurium von allerhand Flicklappen aus den Sectenblättern; die editoriellen Aufsätze bewegten sich fast regelmäßig nur um den Geldpunct; kurz, das Blatt war eine wahre Unzierde der hiesigen, sich lutherisch nennenden Zeitungsliteratur. Wir zweifeln nicht daran, daß Herr Pastor Loy ein bedeutend besseres Blatt liefern werde. Das Blatt ist von jetzt an von Delaware, Ohio, zu beziehen. Eine neue Kirche. Zu den mancherlei bitteren Früchten, welche der innerhalb der Kirche entbrannte politische Parteifanatismus erzeugt hat, gehört auch die Etablirung einer neuen Kirche. Wenigstens ist dieselbe in Ohio bereits stark im Werke. Die neue Kirche soll zu einem Sammelplatz aller derjenigen dienen, welche wegen ihrer politischen Meinungen mit ihren bisherigen kirchlichen Gemeinschaften in Conflict gerathen sind. Da hiernach die neue Kirche allen politisch Proscribirten oder Malcontenten in irgend einer hiesigen Kirche oder Secte die Arme öffnet, so kann bei ihr natürlich von einem gemeinsamen Bekenntniß, als Basis der Glaubenseinheit, nicht die Rede sein. Sie sagt, ihre Regel für Lehre und Praxis solle allein die Bibel sein. Die Bewegung hat sich auch bereits ein Organ geschaffen, welches unter dem Titel Christian Witness unter der Redaction eines Methodistenpredigers Namens J. F. Given in Columbus, O., erscheint. Bei dem noch immer in den Kirchen lodernden Feuer des politischen Parteifanatismus dürfte diese seltsame Unionskirche wohl eine Zeitlang auf Proselyten rechnen können, mit dem Erlöschen jenes Feuers aber das dadurch hervor⸗ gerufene Gebäude auch bald wieder zusammensinken, wenn nicht etwa andere daraus sich entwickelnde Elemente die neue Gemeinschaft bei einem gewissen Leben erhalten. Kirche und Staat. Selbst der methodistische „Apologet“ schreibt in seiner Num⸗ mer vom 4. April, nachdem er die Conflicte der Kirche mit dem Staate in Deutschland be⸗ sprochen hat, also: „In vieler Hinsicht sind diese Erscheinungen lehrreich, denn sie machen uns mit der religiösen Erfahrung anderer Nationen bekannt, was insbesondere zu einer Zeit für uns wichtig ist, in welcher der Wunsch einer Veränderung der gegenwärtigen Verhältnisse zwischen Kirche und Staat auch in den Ver. Staaten, so wie einer deutlichen Erklärung über Religion in der Bundesverfassung sich kund gibt. .. So viel mögen wir indessen aus den Religionsbewegungen in Europa lernen, daß alle Religionsgemeinschaften dieses Landes sich aufs sorgfältigste hüten sollten, der Bundes⸗ regierung sowohl als derjenigen einzelner Staaten irgend ein Recht in die Hände zu geben, welches ihnen gestatten würde, das innere Leben der Gemeinden zu beeinflussen.“ Man sieht, der „Apologet“ ist bald ernüchtert worden. Kaum hat er darüber jubilirt, daß gegen Buch⸗ staben und Geist der von Regierung und Volk beschworenen Constitution ein methodistischer Bischof von einem hohen Beamten officiell autorisirt wurde, als Kirchenpatron vieler Ge⸗ meinden zu handeln, so widerräth er schon, die Constitution dahin zu ändern, daß ferner Aehn⸗ liches im Namen des Staates geschehen könne. So wird es noch in Betreff vieler andren Dinge gehen. Die Billigung vieler Gesetzesübertretungen aus Parteirücksichten wird sich schrecklich rächen und in die lauteste Verdammung umschlagen. Gott gebe, daß das nicht erst geschehe, wann es zu spät ist. Synode von Pennsylvanien. Nachdem Hr. Pastor Brobst in seiner Luth. Zeitschr. vom 2. April einen Abschnitt aus dem letzten Bericht der allgemeinen Synode von