# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1864_S143 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Grundtvig. 143 Vaterlandes zuschreibt, hat ihm alles deutsche Wesen verhaßt gemacht, daher sein unversöhnlicher Kampf gegen alles Ausländische. All sein Hoffen ist auf Dänemark gerichtet, es soll die Burg des freien protestantischen Christenthums werden, das „Palästina der Geschichte.“ Statt in seinem Kampfe wider den Unglauben einen Weg zu gehen mit Allen, die den Herrn lieb haben in jedem Volk und Lande, statt die große Solidarität aller (rechtgläubigen) Kirchen, die Gemeinsamkeit ihrer Krankheitszustände und die Identität der Heilmittel für alle anzuerkennen, will er das Heil auf dänisch nationalem Grunde allein erringen und verschmäht dazu nicht die Hülfe Solcher, die im tiefsten Lebensgrunde von ihm geschieden sind, ohne Zweifel sie nur als Werkzeuge benutzend und in der Hoffnung, endlich entweder auch sie zu gewinnen oder ihren Einfluß zu brechen. Das hat denn auch auf die Länge ihm Viele entfremdet, die anfangs ihm freudig zugestimmt hatten. Wie Jung Stilling sein erstes muthiges Auftreten beifällig begrüßte, so war auch Rudelbach längere Zeit hindurch genau mit ihm verbunden, mußte sich aber später von ihm trennen; und wenn noch jetzt der achtzigjährige Mann und seine festgeschlossene Partei mit Hülfe der liberalen Reichsstände auf die kirchliche Gesetzgebung den durchgreifendsten Einfluß übt, so sehen wir andrerseits seine Bestrebungen von der Mehrzahl der dänischen Geistlichen, an ihrer Spitze den ehrenwerthen Bischof Martensen, entschieden gemißbilligt. Ueber Grundtvig's äußeren Lebensgang vermögen wir wenig zu sagen. Was für persönliche Einwirkungen, was für Erfahrungen etwa seine Entwickelung mit bedingt haben, davon ist nicht viel bekannt geworden. Auch Hansen gibt nur einzelne Thatsachen. Bis 1810 hat er sich vorzugsweise der nordischen Geschichte und Literatur gewidmet; in diesem Jahre tritt er, als gereifter Mann, in seiner Dimiß- (Examen-) Predigt der Kirche entgegen mit der Klage und Frage: „Wie ist des Herrn Wort aus seinem Hause verschwunden?“ Gleich dieses erste öffentliche Wort ist ein Kampfruf gegen den Rationalismus. Dadurch, noch mehr durch seinen Streit mit Prof. Clausen, ward er eine mißliebige Person, mehrfach in Injurienprozesse verwickelt und vom Pfarramte fern gehalten. Erst nach achtjähriger Wartezeit dann und wann mit einer Caplanei betraut und immer wieder bald zur Disposition gestellt, wo er dann in conventikelartigen Kreisen eine stets wachsende Zahl von Anhängern um sich sammelte, erhielt er erst 1832, also als fast funfzigjähriger Mann, die Erlaubniß, in der Friedrichskirche als freier Prediger vor freien Zuhörern zu predigen, jedoch ohne das Recht, andere geistliche Handlungen zu verwalten. Von da an nimmt seine Partei größere Dimensionen an, seine Ideen verbreiten sich und werden besonders von Lindberg und Kirkegaard weiter entwickelt; seit 1840 gewinnen sie Einfluß auf den Reichstag, welchem er seitdem ununterbrochen als Mitglied angehört; die Revolution von 1848, der Kampf wider Deutschland, den er mit seinen Reden und Liedern mächtig fördert, macht ihn zum populärsten Mann, und wie viel man in den höchsten Regionen auf ihn gibt, das beweist seine Erhebung zur Bischofswürde im Jahre 1861.