# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1864_S142 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 142 Grundtvig. Im vorigen Jahre erschien folgende Schrift: Wesen und Bedeutung des Grundtvigianismus in der dänischen Kirche. Von Christian Hansen. Nach seinem Tode herausgegeben von Prof. Dr. K. Wieseler. Kiel, 1863. Aus dieser Schrift gibt die Hengstenbergische Evang. Kirchenzeitung vom 2. und 5. Dec. v. J. einige Auszüge, aus denen wir für unsere Leser Folgendes mittheilen: Unverkennbar hat Nicolai Frederik Severin Grundtvig durch seinen vulkanischen Geist auf die Bewegungen in der dänischen Kirche im Vergleich mit seinem Zeitgenossen Tegner nach entgegengesetzter Seite hin eingewirkt, ja man darf wohl sagen, daß sie ohne ihn den sie auszeichnenden stürmischen Charakter nicht angenommen haben würde. Im Allgemeinen muß man sagen, alle Forderungen, welche der extremste kirchliche Rationalismus bei uns als seine letzten Ziele hinstellt, die scheinen dort schon durchgesetzt zu sein oder auf dem besten Wege, es zu werden. Unbegrenzte Religionsfreiheit wie für die Laien so auch für die Geistlichen, für letztere besonders völlige Ungebundenheit durch Bekenntniß und Agende, dem entsprechend aber auch die Befugniß der Laien, sich ihren Seelsorger frei zu wählen, dazu Entscheidung der kirchlichen Angelegenheiten durch eine prinzipiell und zum großen Theile wohl auch faktisch religionslose Volksvertretung — das sind Grundsätze, von deren Durchführung wir gewohnt sind, den sichern Untergang der Kirche zu erwarten. In der dänischen Kirche fehlt nicht mehr viel an ihrer völligen Durchführung. 1855 ist der Kirchspielverband gesetzlich gelöst, jedem Mitgliede einer Gemeinde ist die Freiheit gegeben, sich, wenn er es wünscht, in kirchlicher Hinsicht an einen andern als den Kirchspielsgeistlichen anzuschließen, ebenso unbeschränkt aber auch zu demselben zurückzukehren; er hat nur dem Probst jedesmal Anzeige zu machen, dem Kirchenbuchführer die nöthigen Mittheilungen zugehen zu lassen und die auf seinem Besitze ruhenden Abgaben an die berechtigte Stelle zu leisten. Und durch Verordnung des Cultusministeriums vom 2. October 1862 ist endlich auch die letzte Consequenz dieses Gesetzes gezogen, indem jedem Prediger gestattet wird, in fremden Kirchen zu taufen, zu trauen, das Abendmahl zu verwalten, auf fremden Kirchhöfen Leichenreden zu halten! Und der Mann, der bei diesen Neuerungen einen vorwaltenden Einfluß geübt, der sie, wenn nicht herbeigeführt, doch durch die Macht seines Geistes und vermittelst der ihm anhangenden Partei vorzüglich hat durchführen helfen, der sich dabei mit den radikalen Stimmführern des Unglaubens fast identificirt, ist er etwa selbst ein indifferentistisches, glaubensloses Kind der modernen Weltansicht? Nichts weniger als das! Es war Grundtvig. Grundtvig ist ein Feind der Deutschen, er hat ihnen viel Uebels zugefügt, in Schleswig zumal hat er deutsche Sprache und Nationalität hart gekränkt. Das darf uns nicht zu ungerechtem Urtheil über ihn verleiten. Die ungläubige Kathederweisheit Deutschlands, der er die Zerrüttung der Kirche seines