# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 05 24_S180 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) [21 Vernunft der Lichtfreunde) ſeine lebendig⸗ machende Kraft und harmoniſchen Begriff erhalte, wie ihm überhaupt die Kirche als göttliches Or⸗ gan (oder die Vernunft) ſein Anſehn erſt, ein göttliches Buch zu ſein, verleihe. In dieſen Wor⸗ ten iſt die kraſſe Lehre der Pſeudokirche Chriſti, die keine Braut, ſondern eine Hure iſt des antichriſti⸗ ſchen Reiches, nach den Grundzügen dargeſtellt; daher leiten ſich alle ihre andern Verfälſchungen der reinen evangeliſchen Lehre; dahin endet ſich mit nothwendiger Conſequenz auch nur ein leiſer Anfang der Annahme einer ſichtbaren Kirche, weil ſomit die Gabe des Heiligen Geiſtes ſtets mecha⸗ niſch an ſichtbare Perſönlichkeiten und ihre Amts⸗ ſucceſſion überhaupt gebunden ſein muß.“) Es iſt das Bollwerk, die feſten Thore der Hölle, womit Lucifer ſein Reich hier auf Erden vertheidigt; und voll banger Ahnung, aber auch den kräftigen Zug der Wahrheit des prophetiſchen Geiſtes ſpürend, ſchaut der Chriſt, wie faſt die gelehrteſte Kirchen⸗ theologie jetzt, wie früher, von dem Taumelkelch der Kreaturvergötterung dem größern Theile nach getrunken hat, die ſpekulatide Freigeiſterei aber nur der grobe Widerſchein derſelben und ihre Hefe iſt. Doch ſind ja die Waffen unſerer Ritterſchaft nicht fleiſchlich ſondern mächtig vor Gott zu ver⸗ ſtören die Befeſtigungen des Geiſtes der Finſter⸗ niß unter himmliſchem Engelsgewande, zu ver⸗ ſtören die Anſchläge und alle Höhe, die ſich erhebet wider das Erkenntniß Gottes. Wir fragen: Wer iſt der Fels, auf welchen Chriſtus erbauet hat die *) Daß Chriſtus eine ſichtbare Kirche gegründet habe, kann nichts Anders heißen als: Er hat um ſich geſammelt eine Schaar, der er Alles anvertraute, das Verſprechen ab⸗ legte, bei ihr zu ſein alle Tage bis an der Welt Ende, und ihr den Geiſt, der ſie in alle Wahrheit leite, verhieß. Alles kam nur darauf an, daß man bei dieſer ſichtbaren Gemein⸗ ſchaft war; wie ſie vie Lehre JEſu überlieferte und den Sinn des Heiligen Geiſtes in derſelben aus-ͤ legte, was ſie darnach ſetzte, einrichtete, gebot — und das thur ſie durch ihr fortgehendes Apoſtolat oder Amt ꝛc. ꝛe., war göttlich; denn die chriſtliche Wahrheit und dieſe ſicht⸗ bare Erſcheinung waren nicht von einander zu trennen. So hätte demnach das Heil der Menſchheif allein bei Menſchen geſtanden; wer konnte aber gewiß ſein, daß dieſe Menſchen nicht Alles mit unreinen Zuſätzen vermiſchten? Ganz an⸗ ders verhält es ſich mit der unſichtbaren Kirche. Dieſe ward durch den Glauben inwendig aufgebaut, und nur dem Glau⸗ ben alle Verheißung gegeben (und alle Stufen ver himm⸗ liſchen Hierarchie ſind dedingt durch ihn). Wer ſelig werden und im Bereich der Kirche ſein will, die hier ſtreitet, dort triumphirt, muß ſie nicht dei menſchlichen Auktoritäten ſuchen und an Zeit und Stätte binden wollen, „ſiehe, hier iſt Chriſtus und Sein Leib, oder da“ — wie ſoll er ausfin⸗ den, wer dazu gehöre, ſo daß er ſich durauf verlaſſen-könnte? ſondern er frage, wo zu dem Wort ganz ungetheilt ſich be⸗ kannt wird, das den Glauben in die Herzen, wie die Sonne ihre Strahlen auf die Erde, gibt; es muß ihm ein Wort der göttlichen Gnadt ſein, gleichviel von wem er's hört oder empfängt; den Stempel göttlicher Untrüglichkeit verleiht ihm nur ein Schriftkanon desſelben Heiligen Geiſtes. Freilich die Kirche Chriſti offenbart ſich in der Welt, aber doch nicht ſie eigenilich, ſondern nur die große Anzahl (innerhalb der Kirche, ſo weit Wort und Sacrament reichen, unter welcher ſie verborgen iſt), mehr oder weni⸗ ger reiner Theilkirchen von den verſchiedenſten Graden, mit einzeluen abgeſchloſſenen Bekenntniſſeu, deren etliche unter des gönlichen Geiſtes Walten den Glauben, der den Heili⸗ gen einmal beigelegt iſt, und die Stellung des Lehrbegriffs gegen entſtandene Hareſien im Lauf der Zeiten zu immer klarerer und tieferer Erkenntniß der Kirche im Ganzen durch die Gegenſatze in der Welt hindurch, Eph. 4, 12. f., 1 Kor. 13, 9., ſtudweiſe exprimiren oder ausſprechen — in wel⸗ chem Haufen der Kirche Wort und Sacrament, auch von Wölfen gehandhabt, als Wirkungen ihres Daſeins, ohne eine beſondere Gnade der Ordination, zu ſinden ſind. Im uneigentlichen Sinn kann ein ſichtbarer Haufen und beſondere Kirche eine wahre genannt werden, wenn ſie reine Verwaltung der Gnadenminel hat, was der Begriff des Sichtbaren allein umfaßt. (Tie Kirche, Ein Leib mit Chriſto, d. i. als Allgemeines, dadurch die Differenz des Zu⸗ falligen negirt wird, erzeugt das Trine, ihrr eigene Sub⸗ ſanz, die einzelnen Glaubigen. Der befruchtende Saame iſt das Wort.) 4 Gemeinde? (Denn Petrus war nur ein Mann des Felſens, nicht er ſelbſt, ſonſt hätte ihn der HErr Petra benennen müſſen.) Es iſt der un⸗ ſichtbare Fels des Heils und der Stärke, der ewiglich beſteht, von dem die Schrift ſo oft zeuget; und Alle, welche zu dieſem lebendigen Stein durch den Glauben gekommen ſind, bezeich⸗ net jener Apoſtel als ein zu erbauendes geiſt⸗ liches Haus, als ein auserwähltes Geſchlecht und heiliges Prieſterthum, zu opfern geiſtliche Opfer (I, 2, 4. ff., Joh. 6, 29.), und dieſer überſinnliche Tempel, fügt St. Paulus hinzu, ſei erbauet auf den Grund der Apoſtel und Propheten, in einander gefüget durch den Eck⸗ ſtein, Chriſtum, als den Grundſtein, der ſich ſelbſt gelegt hat, und ſolcher feſte Grund Gottes habe dieſes Siegel, daß der HErr die Seinen kenne an dem Pfande des. Heiligen Geiſtes, der in ihre Herzen gegeben iſt. Epheſ. 2, 20. (2 Timoth. 2, 19.) 1, 13. f. Wo ſteht nun in der Schrift ein Wort von einer ſichtbaren Kirche, der der Heilige Geiſt verheißen ſei? Die Kirche ſoll geiſtlich, ewig ſein, alles ſichtbare aber iſt zeitlich. (2 Kor. 4, 18.) Die Kirche ſoll keinen Flecken oder Runzel oder des etwas haben, ſondern heilig ſein und unſträflich durch die Taufe, die Chriſti Verdienſt im Glauben, der wahrhaftig nicht geſehen werden kann, mittheilt, Ein Leib und Ein Geiſt, Ein HErr, Ein Glaube, Epheſ. 5, 26. ff., 4, 4. f. — am ſichtbaren Haufen aber ſehen wir nichts als Schwachheit des Fleiſches oder Rotten. (Wie die Kirche zugleich ganz ideell und doch im tiefſten Sinne reell iſt, unter der Decke der Erſcheinung liegt und nie in die Sinne fällt, und doch auf der Wahrheit ſelbſt, auf dem feſten, tiefen Grunde der Wirklichkeit ihr ideales Ge⸗ bäude errrichtet — das iſt es, was Wenige faſſen, was die Anſichten Vieler, die ſie hinter oder außer der Erſcheinung ſtatt in und mit derſel⸗ ben ſetzen, ſo ſchielend macht. Die bloße Welt vergeht mit ihrer Luſt, ſie hat für die Kirche, die in ihr ſich ausführt, nur die vorübergehende Eriſtenz [Zufälligkeit! eines zu verbrauchenden Materials; wer aber den Willen Gottes thut, der bleibet in Ewigkeit d. h. hat das wahre Leben — das Weſen, nicht das, was an ihm nur ſcheint. Im Gebrauch der Gnadenmittel erſcheint die Kirche; ihr Endzweck iſt, erfüllt zu ſein mit aller Gottesfülle, doch iſt noch nicht erſchienen das Vollkommene, 1 Joh. 3, 2., 1 Kor. 13, 10., Eph. 3, 19., vgl. 21. 1, 23., weßhalb unſere Bekenner auf das Deutlichſte ſich verwahren, daß ſie keine platoniſche Republik [ideam omnibus numeris absolutam] träumen, Apol. confess. Aug. p. 148. ed. Rechenb.)*) Wo ſteht ein Wort, *) Die Kirche in ihrer Wahrheit kann hier niemals ſicht⸗ bar werden, ſo wenig wie der neue Menſch, der nach dem Ueberſinnlichen greift und an dem Evangelio ſich weidet; alle Werke der Gläubigen, die ſich nach unten kehren und dadurch der Prozeß des Glaubens ſich in dieſer Welt vollen⸗ det, Jak. 2, 22., ſind, ſo lange ſie auf Erden ſind, doch nur Erſcheinungen des inwendigen: Glaubens, der eben nicht ge⸗ ſehen, ſondern als Grund derſelben wieder nur durch ſich erkannr werden kann. Derſelbe Glaube, der die Kirche glaubt ohne Werk, darin er nicht betrogen wird, weil Gott es ſagt, iſt in der Liebe thätig, nach welcher er, alſo mit Werk, dem Nächſten glaubt, was der von ſich kund thut, ob⸗ gleich er hier gar ſehr getäuſcht werden kann. Die Werke guter und Geſetzeschriſten können ganz dieſelben ſein; ein wilder und ein edler Apfelbaum können ganz und gar ſich ähnlich ſehen, die innere Beſchaffenheit (das Subjeft ihrer Entwicklung, das Prinzip ihrer Verwirklichung) ſind es, die ſie ſo weit von einander ſcheiden; und dieſe Grund⸗ lage iſt bei dem Wiedergebornen die von oben in ſein Herz ausgegoſſene d. i. geglaubte Liebe Gottes gegen ihn, die Gabe, dit er bloß und allein empfängt (denn Gott bedarf ja ſeiner, wie die vollen Brüſte einer Mutter ihres Kindes), die, wenn ſie in wirkliche Beziehung zu ihm ge⸗ treten iſt und ſich ihm mitgetheilt hat, als ein Keim des Göttlichen im Menſchen ſich zur Fähigkeit entwickelt, Gott wieder zu lieben und Gott zurückzugeben, was Got⸗ tes iſt, näͤmlich Seine Liebe, deren rechten Urbildes er durch den Glauben ſich bewußt geworden iſt — und nach daß Chriſtus die mündliche Rede der Apoſtel zum Grund gelegt habe, worauf die Kirche ſammt der Schrift gebauet ſei, da unter den Propheten auch nur ihre ſchriftlichen Denkmale verſtanden werden können (vgl. 2 Timoth. 3, 16.)? Frei⸗ lich die ausgeſandte und durch mitfolgende Zei⸗ chen bekräftigte Predigt des Evangeliums in aller Welt war das Mittel, wodurch die Kirche! ſich ſammelte, und ihr erſt wurden die heiligen Schriften darnach anvertraut; dieſe aber zeugen für ſich ſelbſt oder richtiger Gott in ihnen,! deſſen Kraft das Evangelium iſt, obſchon wir der Kirche (Altes und Neues Teſtaments) ihre Be. wahrung und geſchichtliche Beglaubigung, die aber an ſich keine göttliche Gewißheit gibt, ver⸗ danken; ſoll das Wort, was die Kirche, als die Macht des allgemeinen Bewußtſeins dem Indi⸗ viduum gegenüber, nach dem Rechte einer menſch⸗ lichen Auktorität über die Perſönlichkeit, ſchon durch der Eltern Mund an der Wiege zu uns redet, als ungetrübte ſeligmachende Wahrheit von uns erkannt werden, ſo muß eine allen Zweifel überwindende göttliche Schrift der Apoſtel und! Propheten vorhanden ſein. Eine jegliche Ueber⸗ lieferung wird, je weiter ſie kommt, verändert und entſtellt; eine äußerlich und innerlich ſich dofu⸗ mentirende Schrift bringt alle Verfälſchung ſelbſt an das Licht. Wie, von fremder Treue und Glauben ſollte Chriſtus das Heil der mit Seinem Blut erkauften Menſchenkinder abhängig gemacht haben, nicht aber von der eignen Ueberzeugung im Gewiſſen aus einem geſchriebenen, feſtbeſtehen⸗ den Worte, darin der Heilige Geiſt ohne immer von neuem vermittelnde Organe zu uns ſpricht, von dem Zeugniß der Wahrheit, des Geiſtes, des ewigen Lebens, das wir ſelbſt an der Quelle ſchöpfen können, wo es noththut bei der Irrthums⸗ fähigkeit menſchlicher Lehrer? Vgl. Joh. 1. Ep. 5,5 13., Ev. 4, 42., Ap. Geſch. 17, 11. (Das wichtige Exempel der ſchriftforſchenden Bervenſer.) — Uebrigens iſt alle Tradition, ſofern ſie einen in der Schrift nicht gegebenen Inhalt hat, von der wahren Kirche Gottes, von der als unter dem Pabſtthum verborgen wir die Schrift und Summe des Glaubens aus der Schrift in einiger Be⸗ kenntnißform empfangen haben, längſt gerichtet. So beſtehet nun in der Freiheit, damit euch Chriſtus befreiet hat, und laſſet euch nicht wiede— um in das knechtiſche Joch fangen. Vergeblich dienen ſie mir, ſpricht der HErr, dieweil ſie lehren ſolche Lehre, die nichts denn Menſchengebote ſind. Verflucht iſt der Glaube, der da Göttliches glaubt, als ſeien es menſchliche Dinge! Dieweil du haſt behalten das Wort meiner Geduld — das gilt allein —: will ich auch dich behalten vor der Stunde der Verſuchung, die kommen wird über der ganzen Welt Kreis, zu verſuchen, die da woh⸗ nen auf Erden. Siehe, ich komme bald. Halte, was du haſt, daß Niemand deine Krone nehme. Wenn die Stützen des irdiſchen Wohlſtandes wer— den zertrümmert werden, wenn die Fugen der Bürgerwelt auseinander reißen und die gemeine Ordnung der Dinge brechen und zu Grunde gehen wird, wenn die Weltreiche fallen und der Schmuck und die prächtigen Titel in Staaten J und Kirchen wohlfeil werden, wenn der Glaube 3 und die Liebe im Preiſe ſteigen und die Menſchen verſchmachten vor Furcht und Warten der Dinge, 1 die kommen ſollen auf Erden; ſprechen der Geiſt und mit aufgehobenem Haupte durch ihn die Braut: Komm! — Ja komm, HErr JEſu, Amen. deren höchſtem Ziele, dem ausgewachſenen Alter der Fülle IEſu Chriſti, Sein Leib, die ganze Kirche, ſich durch Ihn dewegt, wo ſir dann offenbar mit Chriſto und Ihm gleich in Seiner Herrlichkeit, wenn Er dem Vater Sein Reich überantworten wird, zum ewigen Schauen Gottes, wit Er Alles iſt in Allen, ſich verklärt. 1 Joh. Cap. 1, Eph. 4, 13. (orig.), 1 Kor. 13, 8. ff., 15, 24.