# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1864_S138 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 138 Der Bund der Schwesterkirchen. sein kann die Vaterschaft der anderen. Da hört die Freundschaft auf und die Verwandtschaft. Da heißt es vielmehr: Ich hasse, Herr, die dich hassen, und sitze nicht, da die Spötter sitzen. Das ist Liebe gegen die Spötter und Hassenden. Er aber, der unirte Schlußmacher, will uns die Verwandtschaft auch durch Vorhaltung des beiderseitigen Nutzens süß machen. Schwestern lieben sich ja auch darum, weil sie einander dienen. Und besonders hat die jüngere Schwester viel Dienst von der älteren, erstgebornen zu erwarten. Darum ist es ziemlich für die jüngere, auf der älteren Stimme und Rath wohl zu achten, und ihr mit einer gewissen Ehrerbietung gehorsamlich entgegen zu kommen. So ists ja wohl. Dennoch sagt der Schluß in selbstverleugnender Liebe zuerst: „die päbstliche Kirche kann der lutherischen nicht entbehren,“ und darnach erst: „die lutherische der päbstlichen nicht.“ — In der That ists um Mitternacht unten im finstern Thale etwas licht auf den Wegen und Stegen (wiewohl man noch links und rechts anstößt), weil neben dem Thal oben auf dem Berg eine feste Burg ist, darin helle Lichter brennen. Aber brauchen die oben die Lichter von unten, oder die unten die Lichter von oben? Die luth. Kirche existirt von Gottes Gnaden, und nicht von der päbstlichen Heiligkeit Gnaden. Wärs anders, so hätte die Schwert- und Feuerpraxis zu Rom Wittenberg längst zerstoßen und zermalmt, und die jetzige Liebes-, Friedens- und Sanftmuthspraxis wäre nicht erforderlich gewesen. Doch was thut nicht ein liebender Vater, um seinen verlornen Sohn zu gewinnen? Bis in den Staub kann er sich demüthigen, um sein Verlangen zu stillen. Aber die Verwandtschaft ist noch nicht zu Ende. Es gibt noch mehr Schwestern. Die müssen auch heran. Die Fraubasen-, Vetter- und Gevatterschaft muß eine allgemeine werden. Erst dann kann sie als ein Mirakel der neuesten Zeit, die doch auch etwas Großes leisten muß, angestaunt werden. Darum heißt es weiter: „Und beide haben wieder noch je eine Schwester hinter sich: die griechische und die reformirte, auf die sie nach Gottes Vorsehung angewiesen sind.“ — Das heißt: Gott will, daß du Lutheraner, besonders du Stocklutheraner, du missourischer Lutheraner, nicht blos gegen die römisch-kathol. Kirche eine gebührliche Achtung beweisest, sondern auch gegen die griechisch-katholische; und nicht blos gegen diese beiden, sondern auch gegen die reformirte. Sie sind alle deine Schwestern. Und du sollst Etwas von ihnen lernen; und eben das, was dir selber fehlt, sollst du von ihnen lernen. Darin bist du auf sie angewiesen. Dazu ist ja überhaupt die Armuth hier und der Reichthum dort geordnet, daß man zu einander komme. Das erzeugt Handelschaft. Und Handelschaft macht Brüderschaft. Jede Schwester hat ihr eigen Pfund empfangen. Damit sollen sie wuchern. Und die andern sollen damit auch bei dir und an dir wuchern. Stelle dich nicht ferner so spröde gegen diesen Handel. Erkenne deiner Schwestern Beruf. Vereitle ihn nicht durch dein Zanken und Schelten gegen sie. Sie mögen zu Zeiten wider des Vaters Willen Giftschwämme essen statt des Weizenbrodes, und in wohlmeinender Liebe gegen dich dir auch die Schwämme