# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1864_S136 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 136 Der Bund der Schwesterkirchen. dürfen doch wohl nicht ohne Ruthenschläge davon kommen, besonders wenn sie so großen Gemeinsinn zur Schau tragen, und eben dadurch, daß sie das Band der Liebe um Alles schlingen, was Odem hat, wenn auch nicht gerade christlichen, alle wahre Liebe vollends zu verschlingen drohen. Es könnte wohl auch hier in Amerika doch der eine oder andere warm werden, wenn so warme Liebe ihn anhaucht, und am Ende es vergessen, daß die Hölle auch warm ist, und daß sich der Teufel gerne, besonders heut zu Tag, in einen warmen Engel des Lichts verkleidet. Auch mögen wir an diesem sauberen Schluß aufs Neue lernen, wie viel dummes Salz feilgeboten wird, das doch nicht salzen kann, und deshalb um so mehr das ächte Salz unsrer theuren luth. Kirche schätzen und kaufen. Ich will doch lieber im Meeressturm auf dem kahlen Felsen meiner keuschen luth. Kirche mein Leben sicher erretten, als auf dem durchlöcherten Schiff einer Afterkirche in dem Bette einer schöngeschmückten Hure unter ihren Schmeicheleien und Liebkosungen jämmerlich ersäuft werden. Also so weit ist man schon drüben überm Meere in der Gevatterschaft mit der kathol. Kirche gekommen, daß man in einem hochgeachteten evangel. Kirchenblatte solche Sätze in die Welt hinausschreiben darf: „Zur kathol. Kirche gehört auch die evangelische; oder man kann auch umgekehrt sagen: zur evangel. gehört auch die katholische. Die römisch⸗kathol. Kirche ist eine Schwester der wittenbergisch-kathol. Kirche; die päbstliche kann der lutherischen nicht entbehren, und die lutherische der päbstlichen nicht.“ Das hängt aneinander. Zuerst süß, dann etwas sauer, dann ganz sauer und gallenbitter. Zuerst schönes Gewand am Leibe, dann etwas schmutziges, dann Fetzen, und unten guckt der Pferdefuß heraus. Der letzte Satz gibt Klarheit. Er macht die Allerwelts-Union fix und fertig. Und nicht blos das. Er liefert auch die luth. Kirche der päbstlichen als Beute aus mit Haut und Haaren. Die Lutheraner müssen den Pabst haben. Sonst fehlts. Es fehlt dem Kranken der Arzt, dem Schiff der Steuermann, der Verfassung die Spitze. Denn Eine Heerde muß werden unter Einem Hirten, welcher Niemand anders sein kann, als der Pabst. Das fordern die Historien; wenn auch nicht die der Bibel. Der erste Satz: „zur kathol. Kirche gehört auch die evangelische,“ läßt sich noch hören. Notabene, wenn man ihn recht versteht. Da faßt man dann „Katholisch“ im guten Sinn, und denkt dabei an alle Leute an allen Orten, die sich an Christi Evangelium und Gnade als den einzigen Nothanker halten. So gehört freilich zur kath. Kirche auch die evangelische, sofern diese noch am Wort und Werk der Gnade in Christo mit Herz und Mund festhält, und nicht auf dem Weg zu den Hohenpriestern ist, um Christum und sein Wort um dreißig Silbergroschen zu verrathen. Der Verfasser des Schlusses gehört somit nicht zu dieser evangel. Kirche. Er sagt: es hat bis jetzt Niemand Ursach, seine Kirche zu wechseln. Das heißt zu deutsch: es soll bei Leibe keinem römisch⸗kathol. Christen einfallen, ein Glied der luth. Kirche zu werden. Warum nicht? Hört! „Es würde doch immer nur dar⸗