# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 05 24_S179 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) lich im Geiſt ihr gegebene Einheit auch äußerlich darzuſtellen verſucht ward. Es fragt ſich nur, ob nicht die Löſung der der Kirche geſtellten Auf⸗ gabe gleich ihrer Lehr⸗ und Bekenntnißform ihr ſelbſt als einer unzerſtörbaren Gemeinſchaft der an Chriſtum Gläubigen aller Zeiten zu immer ausgebildeterem Bewußtſein mit Freiheit ſich ent⸗ wickle auf Grund des hinterlaſſenen geſchriebenen Worts, nachdem das unmittelbare Apoſtolat weg⸗ gefallen iſt. Schlug doch die biſchöfliche Synodal⸗ verfaſſung ins Pabſtthum, und nachdem ſie im 16. Jahrhundert dem Gang der Geſchichte zu⸗ folge reformirt, zum zweiten Mal in Cäſareo⸗ papie um, bis endlich, nachdem vielleicht die Herr⸗ ſchaft der Plebejer (nicht des heiligen Chriſten⸗ volks) den Sieg davongetragen hat, der HErr ſelbſt Seine Tenne fegen wird. An die Stelle apoſtoliſcher Entſcheidung in der Lehre tritt das Beſtreben, vermöge des der Kirche fort und fort milgetheilten Heiligen Geiſtes, den Inhalt des Bekenntniſſes in der Schrift aus ſeinen Gründen aufzufaſſen und darzuſtellen, um durch ſolche Dar⸗ ſtellung alles Fremdartige, das ſich eindrängt, von der Kirche auszuſcheiden; ebenſo verſtändigt ſie ſich über Prinzipien einer Verfaſſungsform, auf Bibellehre gegründet, und nur von der Idee aus des Eines Seins Aller durch Chriſtum und Sein Wort, in dem der Vater Seine Gedanken des Friedens reich und herrlich enthüllt, kann ein Kirchenverband dem göttlichen Vorbild gemäß⸗ kommen, das er nach außen bethätigen ſoll, ob⸗ ſchon er es nie erreicht, weil ein Sollen ohne Schranke nicht zu denken iſt; noch weniger aber darf ſolche Anſtalt etwa zur Kirche ſelbſt gemacht werden, die ein Ewiges, über Zeit und Raum und alle Schranke Erhabenes iſt, die Fülle des Leibes IEſu Chriſti, oder gar der Glaube apoſto⸗ liſcher Echtheit einer Gemeinde abhängen von Inſtitutionen, welche der HErr alſo der freien Entwicklung des Ganzen durch den Geiſt der Wahrheit überlaſſen hat. Wenn alte kanoniſche Kirchengeſetze, menſchliche, obwohl ehrwürdige Satzungen, auf welche doch jallein die biſchöfliche Succeſſion ſich gründet und von denen die Schrift nichts weiß, eine zur Se⸗ ligkeit nothwendige Verbindlichkeit gleich Gottes Geboten hätten: ſo widerſprechen thatſächlich ſich alle lateiniſchen und griechiſchen Kirchen, indem auch in England, Rom und im Morgenland viele in den allgemeinen Konzilien feſtgeſetzte, ja von den Apoſteln unmittelbar herrührende Ver⸗ vrdnungen längſt aufgehoben worden ſind. Und was für ein Begriff von der Kirche wäre es, wenn glaub⸗ und liebeleeren, an Pfründen ſtatt der Seelen ſich erſättigenden und ſtolzen Präla⸗ ten, die ihr der ſchärfſten Rechnung anheimfallen⸗ des Amt gemietheten Vicaren preisgeben, der Charakter wahrer („Kirchenfürſten“ oder) Hirten zu⸗, hingegen den tüchtigſten evangeliſchen Pre⸗ ö digenn, in denen das Bild des ſich opfernden Meiſters von Klarheit zu Klarheit ſpiegelt (2 Cor. 3,18.), abgeſprochen würde, wenn gleich wir da⸗ mit nicht das Amt an die Perſonen binden wol⸗ len? Was aber die Zeugniſſe der Kirchenväter betrifft, die man für die biſchöfliche Succeſſion anführt; ſo geht aus einer gewiſſenhaften Ver⸗ gleichung der angeſehenſten unwiderſprechlich her⸗ vor, daß ſie hierbei im Grunde mehr auf die Doctrinalſucceſſion geſehen, d. h. eine Reihen⸗ folge im öffentlichen Amt des Worts, die eine ge⸗ naue Uebereinſtimmung der Lehrform mit der apoſtoliſchen vorausſetzt und erheiſcht. (Und was die alten chriſtlichen Zeugen unter Ueberlieferung oder Paradoſis, traditio, verſtanden, war nichts Anders, als der Grunbegriff des Glaubens und der Lehre [regula], wie ihn die lutheriſche Kirche vor 300 Jahren unter dem bibliſchen Namen Evangelium aufſtellte, hoch über jeder perſön⸗ lichen Folge des [Allen gemeinen] Lehramts ſtehend und allein entſcheidend, ſofern er auf dem Worte der Propheten und Apoſtel ruht. Begränzte, endliche Formen desſelben ſind eben die Symbole. So weit freilich damals die Pflanzung dieſes evangeliſchen Lehrinbegriffs von Ort zu Ort ſich erſtreckte, ſo weit faſt auch die biſchöfliche Ver⸗ faſſung; und nicht immer wurde bei beiden das Anſehen der Kirche von dem göttlichen Kanon ge⸗ hörig unterſchieden.) So billigt Irenäus adv. haer. III, 3. IV, 26. nur diejenige Succeſſion, durch welche der apoſtoliſche Glaube fortgepflanzt wird, und ſchreibt, man müſſe den Vorſtehern der Kirche gehorchen, welche neben der biſchöflichen Succeſſion auch das untrügliche Kennzeichen der Wahrheit von dem Vater empfangen hätten. Tertulian de praescript. 32. ſogar ſagt: Sollten auch die Ketzer ſich auf die biſchöfliche Succeſſion von den Apoſteln her berufen, ſo gewinnen ſie doch damit nichts, wofern ihre Lehre nicht mit der Apoſtel Lehre übereinſtimmt. Joh. Chryſo⸗ ſtomus hom. 6. in Matth. erklärt: Wo der wahre Glaube iſt, da iſt auch die Kirche; wo aber jener nicht iſt, da iſt auch dieſe nicht. Epiphanius haerées. 55.: Man muß nicht nach Succeſſion der Perſonen, ſondern der Lehre fragen. Und Auguſtinus de unitate eccl. 16. ſchlägt den Anglokatholiken und Römiſchen ins Angeſicht, wenn er ſpricht: Wir wollen uns we⸗ der auf die biſchöfliche Succeſſion, noch auf das Anſehn der Koncilien, noch auf die Menge der Wunder, noch auf die häufigen Erſcheinungen, ſondern allein auf die Schrift berufen, wenn wir die Kennzeichen der wahren Kirche angeben wollen; ſelbſt unſer Erlöſer hat ja Seine Jünger auf das geſchriebene Wort Gottes gewieſen. Der Kardinal Rob. Bellarmin, als ihm dieſe nam⸗ haften, obſchon keineswegs dem göttlichen Worte gleichzuſtellenden Auktoritäten von unſern Theo⸗ logen entgegen gehalten wurden, meinte ſelbſt de controvers. I, 2, 4, 8., daß zwar ohne Succeſ⸗ ſion der Biſchöfe keine Kirche ſei, nicht aber, daß nothwendig eine Kirche da ſein müſſe, wo eine Succeſſion iſt; womit er alſo eigentlich ſo viel wie nichts geantwortet hat; denn kann irgendwo Succeſſion ſein und doch keine (wahre) Kirche, ſo kommt es nicht zunächſt auf die Succeſſion an, ſondern auf die Lehre; und aus der Lehre der Schrift beweiſen wir, daß die Kirche ſelbſt gar kein ſichtbares Inſtitut Chriſti, alſo auch an kei⸗ nen hierarchiſchen Körper gebunden ſein könne. Kommt Alles auf die Lehre an, wenn ich wiſſen will, wo die wahre Kirche ſei; ſo hat vielmehr damit die Kirche, die als ſichtbare der Katholi⸗ cität im eigentlichen Sinn ſich rühmt, ſich auch das Verdammungsurtheil geſprochen: Die rö⸗ miſche erkennt die engliſche und griechiſche nicht als wahre Kirchen an, obgleich ſie die Succeſſion haben, um ihrer Ketzereien willen — wie nun, wenn der Kardinal Cäſar Baronius annal. eccl. X. a. 1412. n. 8. die römiſchen Biſchöfe ſelbſt zum Theil deswegen Pſeudopontifere nennt, oder die Trennungen in dergleichen Kirchen, jene Schisma's, Alles auf's Höchſte verdunkeln? (Die ununterbrochene Dauer und Erhaltung einer Gemeinde apoſtoliſcher Lehrfolge, die ſich mit dem Pabſtthum als Kirchenabtheilung nie vermengt, hat der würtembergiſche Gottesgelehrte D. Ge. Konr. Rieger im Salzbund Gottes ꝛc. zum herrlichen Zeugniß der göttlichen Wahrheit folgendermaßen nachgewieſen: Die lutheriſchen ſalzburger Märtyrer und Emigranten des vorigen Jahrhunderts ſind Ueberbleibſel geweſen der tief verborgenen ſogenannten Thalkirche, Nachkommen der bei der Reformation zum Evangelio ſich be⸗ kennenden Einwohner dieſes Landes; deren Vä⸗ ter ſtammten wiederum ab von den aus Böhmen in das Salzburgiſche eingewanderten Huſſiten; dieſe ſind offenbar Sprößlinge der durch die treff⸗ lichen griechiſchen Biſchöfe Cyrillus und Metho⸗ dius, Miſſionsarbeiter gleich denen der frühern Zeit, von der Bulgarei aus über die Donau nach Mähren und Böhmen verpflanzten chriſtlichen Kirche um die Mitte des 9. Jahrhunderts, in welcher unter einer heiligen Zucht die Geſtalt und Eigenſchaften eines Chriſtenvolks durch das ganze Mittelalter hindurch am kenutlichſten beibehalten wurden. Was will doch die engliſche Kirche viel Rühmens machen gegen ſolche Succeſſion, die, wenn es nütze wäre nach dem Geiſt, Einſender dieſes, ſelbſt von ſalzburgiſchem Geblüt, als eine weit beſſere Krone ſeinen Stammgenoſſen anprei⸗ ſen könnte, als eine vom Thier des Abgrunds verunreinigte und mit dem Blut der Zeugen JEſu befleckte Urkirche eccelesia matrix apostolica] zu ſein!) Mit Allem, was drum und dran hängt, läuft die pſeudokatholiſche Meinung von der Nothwen⸗ digkeit einer biſchöflichen Folge, wie wir ſchon mehrmals angedeutet haben, auf den Kardinal⸗ irrthum des falſchen Katholizismus hinaus, man behaupte nun von vorn herein die Unfehlbarkeit der kirchlichen Ueberlieferung, oder ſtelle ſie wenig⸗ ſtens als Dolmetſcherin des Heiligen Geiſtes in der Schrift derſelben zur Seite — auf den Kar⸗ dinalirrthum, meine ich, daß die ewige Weisheit, um zu ſorgen dafür, daß die Heilswahrheiten ſtets richtig aufgefaßt und mit Einer Auslegung und Einem Sinne bis an das Ende der Zeiten wieder⸗ holt würden, einem ſogenannten apoſtoliſchen Lehr⸗ körper, einer ununterbrochen ſich fortſetzenden Reihe von Vätern der Kirche, welche dieſelbe als ſicht⸗ bare Gemeinde ſichtbarlich vertreten, ein münd⸗ liches Wort Gottes oder die chriſtlichen Ideen durch den Geiſt Chriſti hinterlaſſen habe, dadurch der todte Buchſtabe der prophetiſchen und apoſto⸗ liſchen Schriften (gleichwie durch die allgemeine