# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1864_S128 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 128 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. Widerruf eines Chiliasten. Pastor W. Flörke hat in der theol. Zeitschrift von Dieckhoff und Kliefoth im November-December-Heft v. J. eine Erklärung einrücken lassen, worin es u. A. also heißt: „Ich habe eine positive Lehre vom Millennium zu geben versucht und sehe mich genöthigt, dieselbe, abgesehen natürlich von den Hülfsgedanken, hierdurch wieder zurückzunehmen. Der tragende Gedanke dieses Versuchs war der einer nothwendigen Realisirung des Gesetzes durch die Kirche, welchen Gedanken ich nicht nur für irrig, sondern auch für gefährlich halten muß. Ich muß es geradezu für gefährlich halten, bereits in diesem Aeon eine gesetzliche Vollkommenheit der Kirche anzunehmen, welche der des Herrn sich coordiniren und somit ein eigenes Stadium des Reiches Gottes für sich beanspruchen könnte. Das widerspricht meiner innigsten, langjährigen Grundanschauung“ (das will nicht viel sagen, besser würde klingen: dem klaren Worte Gottes), „und wie es daher eine Nothwendigkeit geworden, jene positive Lehre, welche somit nur die gänzliche Unklarheit setzen konnte, so deutlich als möglich (?) zurückzunehmen, so kann ich auch nur herzlich wünschen und bitten, daß die etwaigen Wirkungen meines kleinen Buchs von derselben Gnade aufgehalten und gehindert werden möchten, deren wir uns ja überall nur getrösten können, wenn wir an die Consequenzen unsers eignen Wesens denken.“ (Wir müssen gestehen, dieser Euphemismus für die Früchte unseres erbsündlichen Verderbens, für Blindheit und Sünde, gefällt uns in einem revocirenden Bußbekenntniß schlecht.) „Somit scheide ich aus der Reihe der Millennarier, wobei sich freilich von selbst versteht, daß ich von denjenigen exegetischen Resultaten nicht scheide, welche ich hinsichtlich der Disposition der Apokalypse im Gegensatz zu der Hoffmannschen Gruppentheologie gefunden zu haben meine, und darum auch nicht von dem Resultat, daß die tausend Jahre der Apokalypse noch in das Diesseits fallen und eben deswegen auch irgendwelchen Zeitverlauf erfordern. Das weiß ich laut der Schrift heute wie gestern, aber was der Verlauf in sich birgt und ob überall noch geschichtliche Entwicklung in demselben auch nur möglich sei, davon weiß ich nicht das Mindeste.“ So erfreulich einerseits diese Retractation ist, so würde sie uns doch besser gefallen, wenn sie einfältiger wäre und nichts, als die Lossagung von dem Irrthum enthielte. Past. Flörke muß jetzt mit Schrecken sehen, daß ihn seine chiliastischen Präsumtionen verleitet hatten, eine das Evangelium völlig aufhebende Kirchengestalt der Zukunft zu lehren; das sollte ihn daher auch davon überzeugen, nicht nur, welch ein gefährliches Seelengift die Chiliasterei ist, sondern auch wie wenig er Beruf hat, der Christenheit den Schlüssel der Apokalypse zu suchen, und daß es ihm zunächst gebühren dürfte, seine Hand in tiefster Demuth auf den Mund zu legen. Eine Verfälschung der Lehre des Wortes Gottes ist kein Scherz; sie verlangt wahre Buße. Pastor Hofmeier in Straupitz wurde voriges Jahr von der Oberbehörde der unirten Landeskirche Preußens schließlich darum seines Amtes entsetzt, weil er die Einführung des Gemeindekirchenrathes als ersten Grundsteines zur Bildung einer unirten Synode, die seine Gemeinde als nicht unirte nichts angehe, verweigerte und die Anerkennung seiner Gemeinde als einer nicht der Union beigetretenen lutherischen forderte. Derselbe hat in Alt-Rehe im Mecklenburgischen wieder eine Anstellung als Pfarrer gefunden. Lutheraner. Selbst Dr. Wangemann sagt im diesjährigen Vorwort seines Monatsblattes: „Der Name ‚lutherisch‘ bedeckt unter seinen Vertretern heutigen Tages viele Heterodoxien und innere Gegensätze, viel mehr als man meint. Wollte man aus der Zahl derer, die sich lutherisch nennen, aussondern in erster Linie die, welche auch Luthers Schriften nicht einmal gründlich studirt haben, in zweiter die, welche auch in allen Hauptpuncten auf dem lutherisch kirchlichen Bekenntniß nicht mehr wirklich stehen, so würde ein erstaunlich kleines Häuflein übrig bleiben. Und diese Schaar ist durch so viele Privatfehden miteinander geschwächt.“ Wir setzen noch hinzu, und wenn es viele gibt, die wohl mit Dr. Wangemann Luthers Schriften studirt haben, aber trotzdem mit demselben gerade in den gegenwärtigen brennenden Fragen Luther's Zeugniß als ein unbiblisches verwerfen, so wird das Häuflein noch immer kleiner. Preußisch-luth. Kirche. Pastor Brunn schreibt uns über den gegenwärtigen Stand derselben unter dem 22. Febr. u. A. Folgendes: „In unserem preuß. Kirchenstreit ist ein entscheidendes Ereigniß eingetreten. Huschke in Breslau hat seine Lehre in einer gelehrten ausführlichen Schrift dargelegt. Er hat darin nicht nur so ganz nackt und grob seinen Irrthum dargelegt und bis in seine Consequenzen durchgebildet, sondern tritt auch für denselben so keck mit dem Anspruch der Symbolmäßigkeit und Alleinberechtigung in der Kirche auf, daß nunmehr keine Unentschiedenheit in der Sache mehr möglich ist. Das steht uns Allen fest, daß es auf der nächsten Generalsynode (Herbst dieses Jahres) zu einer Entscheidung kommen muß. Huschke selbst dringt darauf, die alleinige symbolische Autorität seiner Lehre beanspruchend. Es gilt nun, ob auch in unserer deutschen luth. Kirche das reine luth. Bekenntniß noch eine Stätte findet, oder vielmehr ein falsches Lutherthum sich immer mehr zu Sieg und Herrschaft emporschwinge. Helfen Sie mit kämpfen und beten, daß der HErr seine theure Kirche nicht lasse ihres Leuchters beraubt werden.“