# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1864_S118 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 118 Neue Litteratur. aufgegeben und unirte Praxis im Schwange gehen. Ich nenne zuerst die Abendmahls⸗Gemeinschaft als den significantesten Ausdruck unirter Praxis. Mit geringen Ausnahmen scheint mir die Sache in den lutherischen Landes⸗ kirchen so zu liegen, daß die Zulassung der Reformirten und Unirten zum Abendmahl als Regel gilt. Die Geistlichen, die sich daraus ein Gewissen machen, werden geduldet, aber man findet sie lästig. Es trägt für meine Be⸗ trachtung nichts aus, wenn Du dem gegenüber etwa geltend machen wolltest, daß, was bei Euch in charitativer Weise geschieht, bei uns ein Muß ist. Ich sage ja auch nicht, daß Ihr unirt seid, sondern nur, daß Ihr unirte Praxis habt. Ich nenne als weitere Bestätigung des eben Gesagten die Eisenacher Conferenzen und den Gustav⸗Adolf⸗Verein. Es ist wahr, bei Be⸗ sprechung der liturgischen Frage besann man sich in Eisenach auf eine Ver⸗ schiedenheit der Lutherischen, der Reformirten und Unirten, und schloß die gemeinsame Verhandlung aus. Doch war dies nur eine leise Regung des confessionellen Gewissens. Wurde doch die Frage über die Behandlung der Secten in pleno verhandelt. Wer wird zweifeln, daß dies ein unirter Act war? Es konnte doch nicht geschehen ohne Bewußtsein und Anerkennt⸗ niß eines gemeinsamen evangelischen Standpunktes. Und das eben ist die correct unirte Position. — Ich komme zum Gustav⸗Adolf⸗Verein. Er hat nun auch in Bayern Eingang gefunden. Ich brauche mit Bedacht diesen Ausdruck. Denn es hat dem Ober⸗Consistorium Mühe gekostet, seine Geist⸗ lichkeit dafür zu gewinnen. Ich weiß nicht, wie weit der Widerstand dagegen gebrochen ist. Aber das weiß ich, daß das confessionelle Bewußtsein mit Grund dem Vereine abgeneigt ist. Denn er ist mit Accent unirt. Schließt er ja gerade die aus, welche in der Art confessionell⸗lutherisch sind, daß sie mit den andern Kirchen nicht Abendmahlsgemeinschaft halten. So ist mir seine Ausbreitung in Bayern und besonders die energische Thätigkeit des Ober⸗ Consistoriums dafür ein sprechender Beweis, daß auch die bayerische Landes⸗ kirche das ausschließende lutherische Bewußtsein aufgegeben hat und in unirte Bahnen einlenkt. Habe ich nun nach alledem nicht ein klares Recht zu mei⸗ ner Behauptung, daß das confessionell⸗lutherische Bewußtsein auch in der Praxis als gebrochen erscheint? Mein lieber Freund, wenn ich auch in eine lutherische Landeskirche eingetreten wäre, ich wäre doch nicht ohne innere und äußere Conflicte mit der Union geblieben, wenn ich nicht mit der Unions⸗ gesinnung gekommen wäre. Denn dieser Union kann man nirgends entrinnen. Die Strömung der Kirche ist in allen Landen in diesem Sinne unirt. Das ausschließende Lutherthum, in fast allen Lehrpunkten zersetzt, sein Bewußt⸗ sein in praxi gebrochen, wird es ihr widerstehen können? Es kann und soll es nicht! Doch davon nächstens mehr! Neue Litteratur. „Theologisches Gutachten über das Corpus der Synodal⸗ beschlüsse der ev.⸗luth. Kirche in Preußen. Auf Aufforderung Eines Hochw.