# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1864_S109 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Grundlegende Sätze über die Kirchenordnungs⸗ und Kirchenregimentsfrage. 109 besserlich sei; wie St. Paulus spricht 1 Cor. 14, 40.: Lasset's Alles unter euch ehrlich und ordentlich zugehen; 1 Cor. 8, 1.: Das Wissen bläset auf, aber die Liebe bessert. Und wie er daselbst redet von denen, die das Erkennt⸗ niß des Glaubens und der Freiheit haben, und doch noch nicht wissen, wie sie das Erkenntniß haben sollen, weil sie desselbigen nicht zur Besserung des Volks, sondern zum Ruhm ihres Verstandes brauchen. Wo nun euer Volk sich daran ärgert, daß ihr so mancherlei uneinige Weise führet, und irre darüber wird, da hilft euch nicht, daß ihr wollet vorgeben: ja, das äußerliche Ding ist frei, ich will's an meinem Ort machen, wie mir's gefällt; sondern ihr seid schuldig, zuzusehen, was andern daran gelegen ist, und solche Freiheit des Glaubens vor Gott im Gewissen zu halten und doch daneben zu Dienst gefangen zu geben dem Nächsten zu gut und Besserung. Wie auch Röm. 15, 2. Paulus spricht: es stelle sich aber ein jeglicher unter uns also, daß er seinem Nächsten gefalle zum Guten, zur Besserung. Denn wir sollen nicht uns selbst gefällig fahren; sintemal auch Christus nicht ihm selbst gefällig gefahren hat, sondern uns Allen. Doch daneben muß ein Prediger gleichwohl wacker sein, und bei dem Volke anhalten und mit Fleiß unterrichten, daß sie solche einträchtige Weise nicht annehmen für nöthige Gebote, als müsse es also sein und Gott wolle es nicht anders haben; sondern daß man ihnen sage, wie es nur darum geschieht, daß sie daran gebessert und erhalten werden, damit die Einigkeit des christ⸗ lichen Volks auch durch solche äußerliche Dinge (die sonst an ihnen selbst nichts von Nöthen sind,) bestätiget werde. Denn weil der Ceremonien oder Weisen keine Noth ist zum Gewissen oder zur Seligkeit, und doch nütze und nöthig, äußerlich das Volk zu regieren, soll man sie auch nicht weiter treiben, noch annehmen lassen, denn daß sie dienen, Einigkeit und Friede zwischen den Leuten zu erhalten. Denn zwischen Gott und dem Menschen macht der Glaube Friede und Einigkeit.“ Vermahnung an alle Christen in Lifland. Walch X, 290 ff. — XIII. Das Nichthalten einer menschlichen Kirchen⸗ ordnung ist dem gläubigen Christen nie an sich Sünde; Sünde wird es allein, wenn dadurch das Gesetz der Liebe übertreten wird. Hierüber schreibt Luther: „Die Liebe ist Kaiserin über die Ceremonien, und Ceremonien sollen der Liebe, nicht aber die Liebe den Ceremonien weichen. Wie auch Christus den Sabbath unter das Gesetz der Liebe wirft: in welcher, spricht er, hanget das ganze Gesetz und die Propheten. Darum soll in bloßen Ceremonien die Liebe Richterin und Meisterin sein, aber nicht im Glauben, oder Verheißungen Gottes. Sondern der Glaube soll Herr sein über die Liebe, und ihm soll die Liebe weichen, und der Glaube nicht der Liebe weichen.“ Etliche Sprüche wider das Concilium Obstantiense. Erlang. 31, 400. Ferner Georg Mylius: „Bei den Evangelischen und Rechtgläu⸗ bigen hält man also: 1) daß es zwar in der Kirche eine gewisse Gewalt