# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1864_S107 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Grundlegende Sätze über die Kirchenordnungs⸗ und Kirchenregimentsfrage. 107 durch das Edict keiner Obrigkeit absolut nothwendig und an sich gut werden. Denn indifferente Dinge unterscheiden sich durch dieses Merkmal von den nothwendigen, daß diese an sich gut sind und von keinem ohne Gefahr der Seligkeit und schwere Gewissensverletzung unterlassen werden können, jene aber an sich weder gut noch böse sind und darum unterlassen werden können, wenn nicht entweder die Wohlanständigkeit, oder die Gefahr des Aergernisses, oder der Befehl der Obrigkeit ein anderes räth. Darum, wer da sagt, daß indifferente Dinge durch das Edict der Obrigkeit absolut nothwendig werden, der schreibt menschlichen Edicten eine solche Wirksamkeit zu, daß sie die Natur der Dinge selbst verändern können und die beständi⸗ gen Naturgesetze, von welchen Gott gewollt hat, daß sie unerschüttert bestehen, entkräften; was abgeschmackt ist. Den andern Grund bietet uns die christ⸗ liche Freiheit dar, als welche nicht zuläßt, daß indifferente Dinge in noth⸗ wendige ausarten. Wir berufen uns auf diese Aussprüche der göttlichen Schriften: 1 Cor. 7, 27.: Werdet nicht der Menschen Knechte; Gal. 5, 1.: Lasset euch nicht in das knechtische Joch fangen; Col. 2, 20.: Ihr seid gestorben mit Christo, was laßt ihr euch denn fangen mit Satzungen der Menschen?“*) XI. Ein Christ ist nach der Liebe aller Menschen Knecht, sonderlich aber seiner Brüder. Hierüber schreibt Luther: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge; ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann unterthan.“ Sermon von der Freiheit eines Christenmenschen. Walch XIX, 1207. Derselbe: „Nach dem äußerlichen Wesen hat ein jeglicher Macht, um Liebe und Dienst willen, wenn es dem Nächsten hülfe und dienstlich wäre, allerlei zu halten. Denn die Liebe ist eite⸗ *) Hoc proprie venit et vocatur in controversiam: an ceremoniae seu consti- tutiones ecclesiasticae tanquam necessariae observandae sint, non quidem sub necessitate ordinis et decori, sed sub necessitate simplici et absoluta, ita ut cere- moniae seu actus in se indifferentes, ubi praescribuntur ab ecclesia, evadant abso- lute necessarii et in se boni? Bellarminus ajentem sententiam defendit, cui oppo- nimus duo argumenta. Prius argumentum desumimus ex ipsa natura rerum indif- ferentium, quippe quae tales sunt, ut nullius magistratus edicto evadant absolute necessariae et in se bonae. Hoc namque discerniculo interstinguuntur res indiffe- rentes a necessariis, quod hae in se bonae sint nec possint a quoquam intermitti sine periculo salutis ac gravi laesione conscientiae, illae vero in se nec bonae nec malae sint, ac eapropter omitti possint, nisi alias suadeat aut decorum, aut scan- dali periculum, aut magistratus jussio. Quocirca qui dixerit, res indifferentes evadere edicto magistratus absolute necessarias, is tantam tribuit efficaciam edictis humanis, ut ipsam rerum naturam immutare possint ac constantes naturae leges, quas Deus perstare voluit illabefactas, infringere; quod absurdum est. Posterius argumentum subministrat nobis libertas christiana, quippe quae non permittit, ut res indifferentes in necessarias degenerent. Urgemus haec divina- rum scripturarum dicta: 1 Cor. 7, 27.: Nolite fieri servi hominum. Gal. 5, 1.: Nolite jugo servitutis subjici. Col. 2, 20.: Mortui estis cum Christo, quid ergo decretis hominum tenemini? Syst. univ. th. Tom. 2. fol. 524.