# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1864_S104 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 104 Grundlegende Sätze über die Kirchenordnungs⸗ und Kirchenregimentsfrage. VI. Auch dadurch, daß Christen zu einer Gemeinde zusammentreten, bekommt die Majorität ihrer Glieder oder der Pfarrer keine göttliche Gewalt, der Mino⸗ rität oder einem einzelnen Gliede Etwas vorzu⸗ schreiben, was nicht schon Gott vorgeschrieben hat. Hierüber schreibt Calov: „In der kirchlichen Amtsverwaltung gibt es zwar Stufen rücksichtlich der Ordnung, nicht aber rücksichtlich einer Gerichts⸗ barkeit; worin sich jedoch im A. und N. Testamente ein Unterschied findet. Denn dort gab es eine gewisse kirchliche Gerichtsbarkeit, z. B. Aarons über die Priester und Leviten und Thürhüter; aber daß im N. Testamente es eine kirchliche Gerichtsbarkeit gebe, welche göttlichen Rechts sei, geben wir nicht zu, außer die allgemeine, daß Alles ordentlich und ehrlich in der Kirche hergehe. Nach einem menschlichen und positiven Rechte jedoch übt der Herr des Terri⸗ toriums eine Gerichtsbarkeit aus, entweder allein durch Consistorien, oder auch durch Superintendenten, dergleichen vielleicht in Kreta Titus war, oder auf welche andere Weise dies beliebt werden mag, wenn nur die Schicklichkeit der Ordnung nicht verletzt wird.“*) Ferner Carpzov: „Es ist darauf zu achten, wenn die Augsb. Consession den Bischöfen an dieser Stelle das Recht, Ceremonien zu ordnen bewilligt, daß dieses geschehe 1) nach Beschaf⸗ fenheit jener Zeit, wo ihnen dasselbe aus menschlichem Rechte auch zukam, wie sie in dem Abschnitt: „„daß aber die Bischöfe sonst Gewalt und Gerichts⸗ zwang haben““ erinnert hatte; 2) daß damit dem Rechte der ganzen Kirche nichts benommen werde, wie dies die Augsb. Conf. zugleich nicht undeutlich anzeigt.“**) VII. Auch die ganze Kirche auf Erden hat keine Gewalt, einem Christen oder mehreren ein dieselben verbindendes Gesetz zu geben. Hierüber schreibt Luther: „Wir wissen, daß in der Christenheit also gethan ist, daß alle Kirchen gleich sind, und nicht mehr denn eine einige Kirche *) Gradus in officio sacro sunt ordinis quidem, non vero jurisdictionis respectu; in quo tamen differentia deprehenditur in Veteri et Novo Testamento. Nam ibi fuerat jurisdictio quaedam ecclesiastica, v. g. Aaronis in sacerdotes et levitas et janitores, sed in N. T. ecclesiasticam, quae juris divini sit, nullam admittimus, nisi generalem, ut omnia ordine et decenter fiant in ecclesia. Jure tamen humano et positivo dominus territorii sive per consistoria sola, sive etiam per superinten- dentes, qualis forte in Creta Titus fuerat, jurisdictionem exercet, aut quacunque alia ratione libuerit, modo ordinis decentia non violetur. Syst. Locc. th. Tom. VIII, p. 288. **) Advertendum est, quando episcopis hoc in loco Augustana Conf. concedit jus ordinandi ceremonias, id fieri 1) pro istius temporis ratione, ubi ex jure humano ipsis id quoque competebat, prout § ‚Si quam habent' p. 40. memoraverat. 2) Totius ecclesiae juri nihil inde detrahi, prout non obscure istud simul A. C. indicat. — Isagog. in libb. symb. p. 750.