# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 05 24_S176 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) kam, er dienet weiter hieher nicht. Moſen wollen wir halten für einen Lehrer, aber für unſern Geſetzlehrer wollen wir ihn nicht halten, es ſei denn, daß er gleich ſtimme mit dem neuen Teſta⸗ ment und mit dem natürlichen Geſetz. Man kann es auch bewähren aus dem dritten Gebot, daß Moſes die Heiden, noch die Chriſten nicht angehe. Denn Paulus und das neue Teſtament hebt den Sabbath auf; denn im neuen Teſtament liegt der Sabbath wieder nach der graden äußerlichen Weiſe, denn es iſt alle Tage Heiligtag u. ſ. w. Möchte nun einer ſagen, warum predigeſt du denn Moſen, ſo er uns nicht angehet? Antwort. Ich finde dreierlei in Moſen, die uns gar nütze ſein können. Zum erſten die Gebote, dem Volke Iſrael gegeben, die das äußerliche Weſen betref⸗ fen, laß ich fahren, ſie zwingen und dringen mich nicht, die Geſetze ſind todt und abe, ohne ſo fern ichs gern und willig annehmen will aus dem Moſe. Ich wollt wohl gern, daß die Herrn regierten nach Moſis Exempel, nicht daß mich Moſe ſollt zwingen, ſondern daß mir's frei wäre, ein ſolch Regiment zu führen, wie er regiert hat. Als mit dem Zehnten geben, das iſt ein recht fein Gebot. Item, daß niemand einen Acker ſollt verkaufen für ein ewig Erbgut. Dergleichen Gebote ſind noch viel mehr in Moſe, die man alle könnte zu einem feinen Regiment herausklauben und dadurch Land und Leute ordentlich und ehr⸗ barlich regieren. Wenn nun die Rolengeiſter kommen und ſprechen: Moſes hat es geboten: ſo laß du Moſen fahren und ſprich: ich frage nichts nach dem, das Moſes geboten hat. Ja, ſprechen ſie, Moſes hat geboten, man ſoll einen Gott ha⸗ ben, dem trauen und glauben, nicht bei ſeinem Namen ſchwören, Vater und Mutter ehren, nicht tödten, nicht ſtehlen, nicht ehebrechen u. ſ. w., ſoll man das nicht hallen? Sprich alſo: die Natur hat dieſe Geſetze auch; daß man Gott ſoll an— rufen, das zeigen die Heiden auch an. Denn es iſt nie kein Heide geweſen, er hat ſeine Abgötter an⸗ gerufen, wiewohl ſie gefehlt haben des rechten Gottes, wie auch St. Paulus anzeiget Röm. 2, 15.: ſie haben das Geſetz geſchrieben in ihrem Herzen. Und denſelben iſt es natürlich, Gott ehren, nicht ſtehlen, nicht ehebrechen u. ſ. w., und es iſt nicht neu, das Moſes gebeut. Alſo halt ich nun die Gebote, die Moſes gegeben hat, nicht darum, daß ſie Moſes geboten hat, ſondern daß ſie mir von Natur eingepflanzt ſind und Moſes allhie gleich mit der Natur übereinſtimmt. Zum andern finde ich in Moſe, welches ich aus der Natur nicht habe, das ſind nun die Verheißungen und Zuſagungen Gottes von Chriſto. Und das iſt das Beſte faſt in dem ganzen Moſe, welches nicht von Natur iſt in die Herzen geſchrieben, ſondern kommt vom Himmel herab, als daß Gott hat verheißen, daß ſein Sohn in's Fleiſch ſollt geboren werden, das verkündigt uns das Evan⸗ gelium. Als da Gott zur Schlange ſagt 1 Moſ. 3, 15.: Ich will Feindſchaft ſetzen zwiſchen dir und dem Weibe und zwiſchen deinem Saamen und ihrem Saamen; derſelbe ſoll dir den Kopf zertreten und du ſollſt ihn in die Ferſe ſtechen. Das iſt das erſte Evangelium von Chriſto, ge⸗ ſchehen auf Erden, daß er ſollte Sünde, Tod und Hölle überwinden und uns von der Schlangen Gewalt ſelig machen, daran Adam gläubte mit allen ſeinen Nachkömmlingen, davon er auch Chriſt und ſelig worden iſ von ſeinem Falle. Item. das andere Evangelium von Chriſto, da Gott zu Abraham ſprach: durch deinen Saamen ſollen gejegnet werden alle Völker auf Erden. Jiem, im fünften Buche ſpricht Moſes zum Volke Iſrael: Einen Propheten wie mich wird der HErr dein Gott dir erwecken aus dir und aus demen Brüdern, dem ſollt ihr gehorchen. Der Sprüche 176 ſind viel im Alten Teſtament, daran ſich die gläu⸗ bigen Juden gehalten haben. Man muß mit der Schrift ſäuberlich handeln und fahren. Das Wort iſt in mancherlei Weiſe geſchehen von An⸗ fang; man muß nicht allein anſehen, ob es Got⸗ tes Wort ſei, ob es Gott geredet habe, ſondern vielmehr, zu wem es geredet ſei, ob es dich treffe oder einen andern. Da ſcheidet ſich's nun, wie Sommer und Winter. Es iſt zweierlei Wort in der Schrift, eins gehet mich nicht an, trifft mich auch nicht; das andere trifft mich und auf das⸗ ſelbe, das mich angehet, mag ich's kühnlich wagen und mich darauf, als auf einen ſtarken Fels, ver⸗ laſſen; trifft es mich nicht, ſo ſoll ich ſtill ſtehen. Den Moſen und ſein Volk laß bei einander, es iſt mit ihnen aus, es gehet mich nicht an; ich höre das Wort, das mich betrifft. Wir haben das Evangelium, Chriſtus ſpricht: Gehet hin und predigt das Evangelium, nicht allein den Juden, ſondern allen Heiden, ja allen Creaturen. Mir iſt geſagt: wer da glaubet und getauft wird, der wird ſelig. Die Worte treffen mich auch, denn ich bin auch eine von allen Creaturen. Alſo glaube ich dem Worte, es gehe mich auch an, darum wage ich's auf das Wort und ſollte es hunderttauſend Hälſe koſten. Den Unterſchied ſollen wohl merken, faſſen und zu Herzen nehmen die Prediger, ſo andre Leute wollen lehren, ja alle Chriſten. Denn es iſt die Macht ganz und gar daran gelegen. Und wo wirs anders werden ver⸗ ſtehn, ſo machen wir Secten und Rotten. Zum dritten leſen wir Moſen wegen der ſchönen Exem⸗ pel des Glaubens, der Liebe und ves Kreuzes in den lieben, heiliaen Väiern; daran wir ſollen lernen Gott vertrauen und ihn lieben. Her⸗ wiederum ſehen wir auch die Exempel des Un⸗ glaubens, der Gottloſen und des Zornes Gottes, wie Goit nicht ſchenket den Ungläubigen ihren Unglauben, wie er geſtraft hat Kain, Iſmael, Eſau, die ganze Welt mit der Sündfluth, Sodom und Gommorrah u. ſ. w. Darum ſoll man Moſen nicht unier die Bank ſtecken und alſo wird das Alte Teſtament recht verſtanden, ſo man die ſchönen Sprüche von Chriſto aus den Propheten behält, und die ſchönen Erempel wohl faſſet und merket und ſo wir die Geſetze nach unſerm Wohl⸗ gefallen brauchen und dieſelben uns nütze machen. Lieben Brüder, ſo ein Menſch etwa von einem Fehl übereilet würde, ſo helfet ihm wieder zu⸗ recht mit ſanftmüthigem Geiſte, die ihr geiſtlich ſeid; und ſiehe auf dich ſelbſt, daß du nicht auch verſucht werdeſt.“ Gal. 6, 1. Wie viel findet man im Leben, das gegen dieſen Spruch anſtößt! Gleichwie einſt die Novatianer keinen Gefallenen mehr in die Kirche aufnehmen wollten; ſo entlaſſen heut zu Tage Viele auch treubewährte Freunde aus Liebe und Hoffnung, ſo wie ſie von einem Fehl oder einer Sünde über⸗ eilt worden ſind. Was iſt gerade unter den an⸗ geſehenſten „Chriſten“ gewehnlicher, als Aus— ſprüche wie dieſe: „Der und der kann kein Chriſt ſein, denn er hat das und das gethan. Wie könnte er ſo reden, wenn er ein Chriſt wäre? Es iſt nichts mit ihm, denn er war da und da⸗ auch dabei. Seitdem ich das und das von ihm gehört habe, mag ich ihn nicht mehr. Ich mag nichts mehr mit ihm zu thun haben, denn das und das hat mir an ihm gar nicht gefallen“ ꝛc. ꝛc. Und dieſer ſcharfe, ſtrenge Richterſinn geht oft ſo weit, daß er auf keine Beſſerung hofft, da die Liebe doch alles hofft Ja nicht bloß hofft man nicht mehr, ſondern, wenn offenbare Zeichen der Beſſerung zu neuer Liebe und neuem Vertrauen einladen, glaubt man doch nicht, ſondern man ſetzt etwas ins Mißtrauen. Faſt ſieht es da ſo aus, als ſollte nicht geſchrieben ſtehen: „Wer geſtohlen hat, der ſtehle nicht mehr“; ſondern: „Wer geſündigt hat, iſt verloren.“ Was würden dieſe feinen und ehrbaren Chriſten von David für eine Hoffnung gefaßt haben, da er des Mordes und Ehebruchs; von Petrus, da er in Antiochien offenbarer Heuchelei ſchuldig geworden; von den Apoſteln Paulus und Barnabas, da ſie miteinander über Marcus zankten, — — ach, von ſo vielen, vielen Chriſten, deren Lebenslauf nicht dem ſtillen, einförmigen Gang eines Wieſenbachs, ſondern dem Gebirgsbach gleicht, der unter Hin⸗ derniſſen und Toſen dem Ziele zugeht? — — Ja. ; ja, lieber Leſer! Laß michs nur ſagen! Dieſe vornehmen Chriſten glauben oft nicht an Bekeh⸗ rung eines Sünders, deſſen grobe Sünden vor; der Leute Augen lagen! Sie ſehen einen Augu⸗ ſtinus, noch wenn er Biſchof geworden iſt, um ſeines früheren Lebens willen mit Mißtrauen an, und können Achtung und Ehrerbietung vor keinem faſſen, der nach großen Sünden zur Heiligung hindurch drang! — — Und dies Benehmen nen⸗ nen ſie dann chriſtliche Klugheit — und wer ſie nicht hat, wer dem Sünder nachgeht und ihn zuj⸗ rechtweiſ't, den nennen ſie, wenn es ihm nicht ge⸗ lingt, die Seele zu retten, einen unerfahrnen Menſchen, des Mißlingen ſie ja voraus gewußt und geſagt hätten, — ja ſie nennen ihn, wenn er längeren Athems dem Verlornen nachläuft, der Zöllner und Sünder Geſellen. Sie würden die Kleider wiſchen, wenn ſie neben Magdalenen ſitzen müßten, auch nachdem ſie die köſtliche Narde himm⸗ liſcher Liebe Chriſto IEſu geopfert hat. Ach laſſet mich, ihr Heiligen! Ihr ſeid ja doch ſelbſt nur gleißende Gräber! Ihr ſeid es und wiſ⸗ ſet es nicht! Oder wiſſet ihr's und thut dennoch ſo? Dann ſeid ihr nicht bloß Heuchler, ſondern auch Schüler des hochmüthigen Geiſtes, der im tiefſten Bewußtſein ſein Verderben trägt — und andern feind iſt, die weniger böſe wie er ſind, aber eben doch nicht er. Gib uns, Du Sünderfreund, geduldige Liebe zu den Sündern! Hilf uns, HErr, die Nachrede der feinen Chriſten tragen, welche die glänzende Gerechtigkeit des eigenen Lebens höher achten, als die Barmherzigkeit Gottes in Chriſto IEſu! Ach lieber HErr, verzeih uns die täglichen Sün⸗ den und lehr uns mit Deiner Kirche die Worte beten: „Reinige Deine Chriſtenheit von ihren Sünden und — Laſtern.“ (Löhe.) — ————— Erhalten aà) für die Kirche in Palmyra: $4.00 von der Gemeinde des Hrn. P. Brohm in New York. $5.85 von der Gemeinde des Hrn. P. Saupert in Evansville, Ind. b) für die Miſſion am Fluſſe Cass in Mich.: $3.86¼ von der lutheriſchen Gemeinde in Horſe Prai⸗ rie, Ill. Durch Hrn. P. Richmann: $3.19 von der Dreieinigkeits⸗Gemeinde in Fairfield Co,, Ohio. $1.49 von der St. Jacobus⸗Gemeinde daſelbſt. 352.29 von der Petri⸗Gemeinde in Hocking Co., Ohio. 31 Cts. von der Johannis-Gemeinde daſelbſt. c) für die Synodal-Miſſions-Caſſe: $1.00 von Hrn. P. Lehmann in Cape Girardeau. Bezahlt. ö Den 4. Jahrg. Die HH. D. Groß, G. Heilbronn, Ja- kob Kiefer, Jakob Letz, Rud. Ohm, C. Reinhold, H. Rin⸗ ker, P. Röbbelen 2 Ex.), J. Mich. Vehe, Prof. Winkler. Die 2. Hälfte des 4. Jahrg. Hr. Mich. Merz. Den 5. Jahrg. Hr. Prof. Winkler; Heinr. Gerken bis No. 19. Gedruckt bei Arthur Olshauſen, Herausgeber des Anzeiger des Weſtens.