# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1864_S101 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 101 Grundlegende Sätze über die Kirchenordnungs⸗ und Kirchenregimentsfrage. I. Durch den Glauben an JEsum Christum wird jeder Mensch frei: 1. vom Fluch und Zwang des göttlichen Ge⸗ setzes; 2. von der Herrschaft der Sünde und des Teufels; 3. von der Verbindlichkeit des mosaischen Ceremonial⸗ und bürgerlichen Gesetzes, und endlich 4. von der Schuldigkeit des Gehorsams gegen menschlich⸗kirchliche Gesetze und Ordnungen. Hierüber schreibt Brochmand: „Die christliche Freiheit ist die Befreiung von geistlicher Knechtschaft, die durch Christi Blut erworben worden ist, durch welche die an den eingebornen Sohn Gottes Gläubigen von dem Fluch des Gesetzes, von der Knechtschaft der Sünde, von dem Joch der mosa⸗ ischen Ceremonien und von der Last der menschlichen Traditionen vor Gott im Gewissen frei sind. .. Wir haben uns aber hier vorgenommen, nur von der christlichen Freiheit zu handeln, welche es mit den Traditionen der Men⸗ schen, oder mit den Mitteldingen zu thun hat. Mitteldinge werden zuweilen in einer weitern Bedeutung für jede Art von Mitteldingen, sowohl profanen als heiligen, genommen, welche, an sich betrachtet, weder gut noch böse sind. Im engern Sinne genommen aber, bezeichnet das Wort „Mitteldinge“ kirch⸗ liche Ceremonien, welche durch ein ausdrückliches Wort Gottes weder geboten noch verboten sind, aber theils um der Ordnung und der Anständigkeit, theils um der Erbauung willen auf eine rechtmäßige Weise und frei von der Kirche festgesetzt sind, die man, so lange die Meinung, daß sie ein Gottesdienst seien, die Einbildung eines Verdienstes, die absolute Nothwendigkeit und die Ver⸗ letzung der dem Nächsten schuldigen Liebe davon fern ist, unbedenklich gebrau⸗ chen kann.“*) Ferner Luther: „Das dritte Stück christlicher Freiheit betrifft menschliche Kirchenordnungen.“ Unterricht der Visitatoren, Walch X, 1956. Vergleiche Baieri Comp. theol. positivae Part. III. c. 14. §12. *) Libertas christiana est e servitute spirituali liberatio, sanguine Christi acquisita, qua in unigenitum Dei filium credentes a maledictione legis, a servitute peccati, a jugo ceremoniarum mosaicarum et ab onere traditionum humanarum coram Deo in conscientia liberi sunt. .. Nos autem hoc loco non nisi de libertate christiana agere instituimus, quae circa traditiones hominum seu res adiaphoras occupatur .. . Adiaphora aliquando lato et amplo significatu accipiuntur pro quibusvis rebus mediis, tam profanis, quam sacris, quae ex se æstimatae nec bonæ nec malae sunt. .. Strictius vero accepta adiaphororum vox significat ceremonias ecclesiasticas, verbo Dei expresso nec mandatas, nec prohibitas, sed partim ordinis et decori, partim vero ædificationis gratia legitimo modo et libere ab ecclesia institutas, quibus, quamdiu abest opinio cultus, meriti persuasio, abso- luta necessitas et caritatis proximo debitae violatio, tuto uti possumus. (System. universae th. Tom. II. fol. 520 sq.)