# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1864_S94 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 94 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. trieben worden; seine Gefühle wurden verletzt, sein Charakter schmählich angegriffen, während man dem Teufel ein Lachen bereitet hat über diesen bittern Kampf und Streit, der Kirchglieder verunziert und der Wohlfahrt der Kirche schadet. In diese Schlingen des Teufels ist manches unbedachte Gemeindeglied gerathen und hat unter dem Einfluß eines blinden Fanatismus der Sache Christi geschadet, seinen eigenen Frieden gestört, seinen christlichen Ruf befleckt und seine Brauchbarkeit in der Kirche und Gemeinde untergraben. . . . Es ist dies kein Phantasiegemälde. In allen Denominationen gibt es heutzutage gar manche Gemeinden, in denen sich ein solcher Stand der Dinge findet. Einigen partheigängerischen Menschen, deren Eifer für ihre politische Parthei ihren Verstand völlig geblendet und, wie zu fürchten steht, jedes religiöse Gefühl und jeden religiösen Grundsaß ausgemerzt hat, gelingt es, eine Spaltung in der Gemeinde Christi anzurichten, indem sie (unter dem Vorwand der Loyalität gegen die Union) bloße Partheipolitik hereinbringen und großes Unheil anrichten. Die Kirche, von welcher aller wahrer Conservatismus ausgehen sollte, ist selbst verstört und getheilt. Diese Verstimmung der Gefühle hat sich ausgebreitet, und ganze Nachbarschaften sind entzweit. Der vertrauliche Verkehr ist abgebrochen. Männer und Frauen leben in bitterem Haß; alle Arten von übler Nachrede, Schwätzerei und Verleumdung gehen im Schwange; die christliche Freundlichkeit und Liebe ist dahin, und die schlimmsten Leidenschaften des menschlichen Herzens brechen hervor. Manches Kirchenglied und mancher Kirchenvorstand ist seinem Pastor und seiner Kirche entfremdet, und durch den bitteren Partheigeist, dem man die Zügel gelassen, kömmt es sogar oft zu gerichtlichen Händeln.“ C. Politik in der Kirche. Auf dieses Thema müssen wir, leider! immer und immer wieder zurückkommen. Alle Bestrafungen, welche bis jetzt diejenigen erfahren haben, die das Amt des Evangeliums zu politischen Zwecken mißbrauchen, haben diesem in die Kirche einbrechenden Uebel bis dato nicht gesteuert; vielmehr frißt dieser Krebsschaden nur immer weiter um sich. Alles überbieten hierinnen die deutschen Methodisten. Nur ein Beispiel. Im „Apologeten“ vom 18. Januar findet sich ein „Programm der deutschen Predigerversammlung des Chicago-Districts,“ welche den 10. Mai d. J. in der Kirche auf der Sandridge bei Blue Island, Ill., ihren Anfang nehmen wird. In diesem Programm einer methodistischen Pastoralconferenz findet sich als sechstes Thema, über welches ein Rev. Fr. Schuler einen „schriftlichen Artikel“ einzureichen hat, folgendes: „Welches sind die Verdienste Abraham Lincoln's, die er sich erworben als Präsident der Vereinigten Staaten — gegen unsere Nation, die Welt und die Kirche? Und berechtigt dieses seine Wiedererwählung?“ — Es ist nicht ohne Nutzen, solche Sachen zu notiren. Eine spätere Zeit würde es sonst nicht glauben, daß es je so weit kommen könne. Es ist freilich wahr, daß in der methodistischen Secte das ihr einst eigenthümliche Feuer religiöser Begeisterung fast gänzlich verraucht ist, daher sie jetzt auf andere Mittel ihrer Verbreitung und Erhaltung denken muß; ob aber dem mehr und mehr erkaltenden religiösen Körper durch das Schüren der Flamme des politischen Parteieifers in seinen Eingeweiden wieder Lebenswärme werde zugeführt werden, ist eine andere Frage. Wir besorgen davon eine nur um so schnellere Verwesung. II. Ausland. Hannover. Am 14. Decbr. v. J. ist die Vorsynode hier durch den Cultusminister geschlossen worden. Der von der Regierung vorgelegte Entwurf einer Synodal- und Presbyterialordnung war einstimmig angenommen worden. Das Stader Sonntagsblatt führt folgende eben nicht erbauliche Scene aus den Verhandlungen der Vorsynode seinen Lesern vor: „Volkmar führt einige Verse aus dem Gesangbuche an, wie: „„Ich bin ein Scheusal ohne dich, mein Heiland ꝛc.““ oder das bekannte: „„Mit deinem Gnadenhammer klopf' an meine Herzenskammer — lieber Jesu, küsse mich ꝛc.““ An sich gut und von tiefem Sinne, seien doch diese Lieder der Art, um in der Schule, unter kleinen Knaben und Mädchen, Spott wach zu rufen, und das Erstaunen der Eltern zu erwecken, wenn die Kinder sie zu Hause hersagen und singen. Uhlhorn verwahrt sich dagegen, daß Lieder aus