# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1864_S91 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich-Zeitgeschichtliches. 91 Licht zu verbreiten, damit man in der Ferne den Stand der Dinge richtiger beurtheile und Privatäußerungen, die nun von Amerika nach Europa gelangen, sicherer würdige. Im Falle keine Einmischung auswärtiger Mächte eintritt, wird auch der Norden höchstwahrscheinlich als Sieger aus dem Kampfe hervortreten, und dann heißt es allerdings gewaltig beten, auf daß die Machthaber den Triumph des Rechtes nicht zur Unterdrückung der Wahrheit der Religion mißbrauchen und eine diabolische Freiheit oder, besser zu sagen, eine diabolische Sclaverei proclamiren, nachdem sie die Neger emancipirt. Das sicherste Mittel gegen dieses Unglück wäre, wenn alle Katholiken sich als loyale Bürger während des Kampfes bewiesen und von politischen Umtrieben sich so ferne als möglich hielten. — Leider ist dem nicht so, und dies ist sehr zu beklagen. Ich wollte die ungeheuere Verantwortung wahrlich nicht auf mich nehmen, das nur obenhin denkende Volk durch Scheingründe der Religion gegen die Regierung zu fanatisiren.“ Die Luth. Kirchenzeitung von Columbus. Deren Klagen haben wir im letzten Hefte mitgetheilt; wir theilen daher nun auch mit, daß sie in ihrer Nummer vom 1. Febr. Thatbeweise bringt für die gute Wirkung ihrer Klagen. Wir thun dies nicht mit Neid. Je entschiedener sich die „Kirchenzeitung“ auf das Fundament der reinen alten lutherischen Wahrheit stellt, um so herzlichere Freude bereitet es uns, zu hören, daß sie sich verbreitet. Gerade unsere „Eroberungsgelüste“ sind dieser unserer Freude Ursache. Die rationalistische St. Paulus-Gemeinde in Cincinnati verbreitet in ihrer Sonntagsschule die Kinderblätter der Methodisten und Baptisten, nicht aber die ihrer eigenen Tendenz, weil diese keine Bilder haben und nicht so wohlfeil sind. So meldet der „Evangelist“. Wir finden das ganz in der Ordnung. Politik in der Predigt. In einem an den „Observer“ von einem Republikaner gerichteten und von ersterem in der Nummer vom 5. Febr. auszüglich mitgetheilten Briefe heißt es u. A.: „Ein Landprediger in meiner Nachbarschaft, welcher über den Gebrauch, Zeitungen am Sonntage zu lesen, klagte, erhielt von einem Gemeindegliede zur Antwort, so lange der Prediger seine Sonntagsvorträge zur allgemeinen Erbauung seiner Zuhörer mit der „New York Tribune“ anfülle, sehe er kein Unrecht darin, sein eigenes tägliches New Yorker Blatt an den Sonntagen zu seiner Privaterbauung zu lesen.“ Ein Zeichen der Zeit in America ist, was die Katholische Kirchenzeitung von New York über die Theilnahme berichtet, welche der Tod des kath. Erzbischofs von New York John Hughes' von Seiten selbst der Municipalbeamten, als solcher, erfahren hat. Es heißt in dem Bericht: „Auch unser Mayor Herr Günther und die beiden Zweige des Stadtraths wetteiferten, dem verblichenen Prälaten den so wohl verdienten Tribut der letzten Ehre zu zollen. Es wurden Beschlüsse gefaßt, daß die Stadtväter mit den üblichen Insignien der Trauer sich an der Leichenfeierlichkeit betheiligen, ferner, daß die Flaggen auf City Hall und andern öffentlichen Gebäuden an diesem Tage auf Halbmast gesenkt und auch die Gerichtssäle geschlossen werden.“ Fast scheint es, als ob man in New York den abgelebten Erzbischof für einen Würdenträger der hiesigen Staatskirche angesehen habe. Die Einsendung im Kirchenboten von J. E., deren wir im vorigen Hefte gedachten, ist auch von der Kath. Kirchenz. als ein Ausdruck von Sympathie mit dem römischen Kirchensystem begrüßt worden. In der Nummer vom 14. Jan. dieser Kirchenz. heißt es u. A. von jenem J. E.: „Er hat Grundsätze aufgestellt, aus lutherischen (?) Celebritäten, wie Stahl, Rudelbach, Sartorius und Lechler, erhärtet und aus der heil. Schrift erwiesen (!), welche, consequent durchgeführt, ihn nothwendig zur römisch⸗kath. Kirche führen müssen. J. E. also, ein lutherischer Pastor, im directesten Widerspruch mit Luther und den symbolischen Büchern der Lutheraner, gibt folgende Puncte zu. . . . Und so wird dem geehrten Correspondenten im luth. Kirchenboten nichts übrig bleiben, als entweder die Folgen seiner Sätze männlich auf sich zu nehmen und aus seiner idealen evangelisch⸗katholischen in die reale römisch⸗kath. Kirche überzutreten; oder, wenn ihm dies zu gewagt scheint, wird er seinen ganzen Artikel widerrufen müssen; oder endlich, sollte ihm auch das zu viel Selbstverleugnung kosten, wird er auf alle Ansprüche logischen Denkens Verzicht leisten müssen.“