# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1864_S90 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 90 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. bischofs von Cincinnati, worin derselbe berichtet, der Pabst habe auch an ihn ein Handschreiben ausgefertigt, um in ihn, den Erzbischof, zu dringen, daß er seine ganze Anstrengung im Interesse des Friedens aufbieten sollte. Er fährt fort: „Wir haben diesen geehrten Brief nicht erhalten, aber ihr seid unsere Zeugen, daß, während wir mit unserem ganzen Herzen und mit unserer ganzen Seele für Aufrechterhaltung der Union und Aufhebung der Sclaverei eintreten, gegen welche beide der oberste Hirte der Christenheit nicht ein Wort äußert, wir keine Gelegenheit versäumt haben, .. unsere geliebten Kinder zu ermahnen, daß sie mit unsern Gebeten um Frieden die ihrigen vereinen.“ Auch der berüchtigte Missionar Weninger findet es nöthig, sich wegen seiner Sympathien mit dem Norden zu vertheidigen. Wie der „Wahrheitsfreund“ in jener Nummer berichtet, hatte Weninger in seinem Missionsbericht über seine im Jahre 1862 in den Ver. Staaten von N. A. abgehaltenen Missionen, der in einem Tiroler Blatt am 10. Dec. 1863 erschien, u. A. Folgendes den Katholiken in Deutschland vorgelegt: „Der Krieg hat bewiesen, welch eine Macht in den Vereinigten Staaten sich aufgehäuft; wollte Gott — dieselbe stünde auch in seinen Diensten! Leider ist Letzteres nicht der Fall. — Die Führer des Nordens sind, was die immense Mehrzahl betrifft, leider! im eigentlichsten Sinne des Worts „Kinder der Welt,“ ohne Grundsätze und Gewissen; oder es sind Menschen, geleitet durch die verwerflichsten Principien, Feinde Gottes und der Wahrheit, deren Abgott zeitliches Interesse und das eigene Ich ist, dem sie mit kaltem Speculationsgeist Gut und Blut des Nächsten opfern, und die den Krieg hinausdehnen, um sich zu bereichern. Ich rede hier nicht von der Regierung, sondern von ihrer Partei. — Ich bemerkte bereits, daß die sclavenfeindliche Partei der sogenannten Republikaner, die jetzt am Ruder ist, vorzüglich aus den Puritanern der Neu-England-Staaten und den sogenannten Achtundvierziger-Einwanderern bestehe. Was diese im Schilde führen, davon machen sie auch kein Hehl. Es ist, wie ich in meinem letzten Bericht erwähnte, das Feldgeschrei nicht nur gegen die Sclaven, sondern auch gegen die Kirche. Aus diesem Umstande, daß Männer dieser Färbung die Principien des Rechts für den Augenblick vertheidigen, erklärt sich eine Thatsache, die den Europäern unerklärbar scheinen muß. Man wird nämlich in Europa deutlich genug wahrgenommen haben, daß die Mehrzahl der Katholiken im Norden — die niedere Geistlichkeit nicht ausgenommen — offenbar genug mit dem Süden zu sympathisiren scheine. Ich sage „scheine,“ denn in der That ist dem nicht so. — Was die politische und ethische Principienfrage betrifft, so ist das katholische Volk auch im Norden durchweg loyal und correct gestimmt. Das katholische Volk liebt in politischer Hinsicht die Union d. h. das Zusammenhalten der Vereinigten Staaten, ebensogut und noch mehr, als die republikanische Partei selbst. Es haßt das Sclavenwesen auch nicht minder als diese Partei; allein da es sieht, wie häufig Männer, die im Besitze der Gewalt stehen, diese nun mit größter Frechheit zu ihrem eigenen Privatinteresse verwenden, und daß es darauf abgesehen sei, daß der Arme mit seinem Blut die Sache ausfechte, die Andere muthwillig hervorgerufen, während der Wohlhabende sich von dem Kampf zurückzieht, sich bereichert und in die Faust lacht; und weil endlich die antichristliche Gesinnung so vieler dieser Führer nur zu deutlich an dem Tage liegt, so läßt sich die genannte scheinbare Sympathie bei so vielen nur oberflächlich denkenden Katholiken mit dem Süden leicht erklären. Man gibt nicht principiell zu, daß der Süden Recht habe, aber man wünscht den alten Stand der Dinge und verdammt den gegenwärtigen des Krieges, und scheint somit unloyal; doch im Grunde ist dem nicht so. .. Man würde aber gewaltig irren, wenn man meinte, daß Jeder, der es mit dem Norden hält, auch deshalb schon ein Parteimann sei und der Partei der Republikaner oder Abolitionisten angehören müsse, sowie diese Partei von den Neu-England-Staaten repräsentirt wird. Darin liegt ein ungeheuerer Abstand. Der nördlich gesinnte Bürger hat einzig die politische und ethische Rechtsfrage im Auge; der Parteimann hingegen eifert für Privatinteressen und fischt im Trüben aus Eigennutz und Fanatismus. Ich finde es um so nothwendiger, mich darüber deutlicher auszusprechen, weil ich aus europäischen Zeitungen bemerkte, daß man wohl wahrgenommen, daß ich auf der Seite des Nordens stehe. Das ist auch wahr. — Allein man würde sich sehr irren, wenn man daraus die Folgerung zöge, daß ich für Parteien sympathisire. Ich politisire eigentlich gar nicht, und wünsche durch das Gesagte nur über die Rechtsfrage selbst einiges