# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1864_S64 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 64 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. Leute auf diesem Wege zusammenführen wollen, daß wir Alle unserer Sünden gedächten und von Herzen Buße thäten und uns einander vergäben, gleichwie wir der Vergebung Gottes uns bedürftig fühlen, und uns die Hand reichten auf Grund unsers gemeinsamen Glaubens an Christus. Ich meine, bleiben dann auch noch verschiedene Ansichten und machten dieselben sich geltend, ja blieben wir auch noch ohne Sacramentsgemeinschaft, so würde doch ein solches herzliches Vergeben Gott wohlgefallen durch Christus und die Bitterkeit, durch die wir uns versündigt haben, würde weichen müssen. Und da hoffe ich denn, würde der HErr weiter Segen geben durch JEsum Christum. Amen.“ Collegialismus. Warum Hengstenberg gegen Collegialismus und dessen practische Consequenzen eifert, deutet er selbst in seiner Ev. Kz. vom 21. Nov. v. J. an, wenn er schreibt: „Gegen das im Sinne einer von unten durch Wahlstufen aufsteigenden Repräsentation eingeleitete Unternehmen umzugestaltender Kirchenverfassung ist in diesen Blättern beharrlich als praktischer Haupteinwand der in weiter Verbreitung vorherrschende Zustand der Gemeinden geltend gemacht worden. Letzterer veranlaßt die Befürchtung, daß die unter dem Schirm und Schein eines Rechtsprincips sich durchsetzende Herrschaft der Majoritäten dem Bekenntnisse die allein ihm gebührende Stelle entziehen, und durch Untergrabung seines Ansehens die Kirche der Zerrüttung und Auflösung überliefern werde. Die aus solcher Voraussicht unmittelbar sich ergebenden Bedenken vermag unter den Verhältnissen der Gegenwart kein Mensch als grundlos zu erweisen. Sie werden deshalb unterstützt durch den Ernst des Wortes: Du sollst den HErrn, deinen Gott, nicht versuchen.“ Auch wir würden, unter gleiche Verhältnisse wie deutsche Theologen gestellt, jeden „practischen Haupteinwand“ gegen eine collegialistische Verfassungsumgestaltung erheben; aber wir fürchten, daß die practischen Momente, die hier nothwendig zur Frage kommen, einen nur zu ungebührlichen Einfluß auf Hrn. Prof. Hengstenberg's Verfassungstheorie ausgeübt haben. „Renan's Leben Jesu.“ In einem Referat über dieses französische Plagiat des Lebens Jesu von Strauß, welches Prof. Cassel in der Versammlung des kirchl. Central-Vereins in der Provinz Sachsen erstattete, sagt Referent: „als Arbeit eines Theologen stehe es trotz seines Flimmers unter dem Elaborat eines Examinanden, aber als sociales Pamphlet gegen die Kirche sei es ein Meisterstück, ein Meisterstück der alten Schlange, welche die Sprache des jungen Frankreichs rede. Das Hauptstichwort des Buches sei „Revolution.““ Die „Gartenlaube.“ Ueber dieses in Leipzig seit vielen Jahren erscheinende Journal lesen wir in der Ev. Kz. vom 28. Nov. v. J. u. A. Folgendes: „1858 ist die G. L. in 70,000, mit dem Jahre 1862 in 120,000 Exemplaren gedruckt worden, ja, nach der Breslauer Morgenzeitung soll die Zahl ihrer Abonnenten 135,000 betragen. Es ist volle Wahrheit, wenn sie von sich rühmt „das gelesenste Blatt der Erde,“ ein Weltblatt zu sein. Und doch muß gerade wegen des Kopfzahlerfolges schon derjenige, welcher das Schiller'sche Distichon „majestas populi“ nicht vergessen hat, von der ungeheuern Auflage auf den Mangel aller Originalität, auf einen mindestens mittelmäßigen Inhalt und auf ein keineswegs „anspruchsvolles Lesepublicum“ schließen. Die Thatsache selbst, daß die G. L. so sehr verbreitet ist, enthält übrigens nicht die Spur von etwas Unbegreiflichem oder Räthselhaftem. Das Blatt würde nicht erscheinen können, wenn unser Volk nicht bereits großen Theils corrumpirt wäre und weil man in der Zersetzung unseres entchristlichten Volkes verblendeter Weise nichts denn Fortschritt sieht, darum lädt man sich so gerne Lehrer auf, nach denen einem die Ohren jücken.“ Ein deutlicher Beweis, wir wollen nur sagen, der Gedankenlosigkeit und des Angestecktseins der gegenwärtigen Christen vom Geiste dieser Zeit ist es, daß das gottlose Blatt, die G. L., hie und da auch Einlaß in christliche Familien gefunden hat. Pistorius, bisher Glied des Breslauer Oberkirchencollegiums, ist einer Vocation zum Pastorat in Basedow bei Malchin im Großherzogthum Mecklenburg-Schwerin gefolgt. In einem öffentlichen „Abschiedswort“ protestirt er gegen die Insimulation, als sei sein jetziger Gang eine Flucht.