# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1864_S62 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 62 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. „Stiftung und Organisation der Kirche“ von J. E., worin es u. A. also heißt: „Diakonen, von der Gemeinde gewählt für Lebensdauer und von den Aeltesten geprüft und ordinirt; Aelteste, von den Aposteln oder ihren Nachfolgern (z. B. Titus und Timotheus) geordnet und mit Zustimmung des Volkes der Gemeinde vorgesetzt; und über den Aeltesten ein Bischof oder Aufseher mit der Verantwortlichkeit für das Ganze und dies war die Art und Weise, wie die inspirirten h. Apostel nach dem einstimmigen Zeugniß der unmittelbaren Schüler der Apostel die Kirche organisirten. Wären nicht polemische Interessen dazwischen getreten, nie hätte man an der in h. Schrift schon so deutlich markirten Einsetzung des Bischofs-Amtes als Fortsetzung oder Ersatz für das apostolische Amt gezweifelt. Christus ist der Grundfels des Tempelbaues. An ihn schließt sich die Grundlage an, welche nächst ihm das Ganze trägt und zusammenhält: Apostel und Propheten. Nächst ihnen hat Christus der Kirche zu ihrem Weiterbau gegeben: Evangelisten (Bischöfe), 2. Hirten und Lehrer (Aelteste) und Diakonen.“ Dieser Anschauung gemäß, hatte der Schreiber schon vorher bemerkt: „Das von Christo gestiftete Botschafter-Amt an Christi Statt, das die Versöhnung predigt, hat ununterbrochen“ (Schreiber des Artikels hat dieß selbst unterstrichen) „in regelmäßiger Reihenfolge fortzudauern.“ So haben wir denn hier das vollständige episcopalistische System. Herr Anstädt scheint hiernach bereits auf dem Sprunge zu sein, Hrn. Dr. Reynolds in die, wie oben angegeben, wohlorganisirte Episcopalkirche zu folgen. Apostateneifer. Der von der holländisch-reform. Kirche jüngst zum Pabstthum abgetretene Riedel bestätigt die vielfach gemachte Erfahrung, daß niemand frecher die antichristischen Lügen zur Schau trägt, als die, welche zum Papismus apostasirt haben. Genannter Riedel läßt jetzt fast ununterbrochen in Hrn. Oertels Kath. Kirchenzeitung, in der Baltimorer Kath. Volkszeitung und im Kath. Wahrheitsfreund seinen Geifer über das, was er Protestantismus nennt, in unaussprechlich losem und faden Gewäsche aus. Nur ein Beispiel anzuführen, und zwar noch eines der anständigsten, so schreibt er in dem Wahrheitsfreund vom 30. Dec.: „Der Unterricht durch das Lesen der Bibel oder der h. Schriften muß hiernach zwar höchst nützlich und nothwendig für die Lehrer der Kirche und die Hirten der Gemeinde Gottes sein, aber in Bezug auf die Heerde oder auf die einzelnen Glieder der Gemeinde des HErrn muß er als ein höchst subsidiarisches und überflüssiges Bekehrungsmittel oder gar Unterrichtsmittel angesehen werden. Für das gläubige Volk genügt es und soll es genügen, daß es diejenigen hört, zu denen der Heiland gesagt hat: Wer euch höret, der höret mich. Luk. 10, 16.“ (Als ob man nicht eben dann die Apostel hörte, wenn man ihre Schriften liest!) „Denn der Glaube kommt vom Hören, das Hören kommt von der Predigt und die Predigt kommt aus der Sendung; nichts aber kommt vom Lesen; vom Lesen kommt höchstens Widerspruch.“ Und so salbadert der verblendete Mensch fort. Die Columbuser Kirchenzeitung liest zu Anfange des neuen Jahres ihren Subscribenten folgende scharfe Moral, die hoffentlich ihre Wirkung thun wird: „Ihr Sammler aber von Neuen Unterschreibern, die Ihr in saurem Schweiß es so weit gebracht habt, daß wir von etwa vierzehn hundert Abonnenten zum Anfang bis auf beinah Ein Tausend gestiegen sind, bedürfet nun wohl der Ruhe. Schlafet also nur fort bis zu Ende des Jahrs, und lasset an Eurer müden Seite ein Plätzchen leer, daß sich die Kirchenzeitung auch nach ihrer Jahres-Arbeit noch neben Euch hinlegen und mit Euch sanft entschlafen könne. Denn, wenn es noch lange so fortgeht, so wird sie nichts mehr nöthig haben als nur noch Sarg und Grab. Wer kann nach Eurer mühevollen Arbeit Euch die Ruhe vergönnen, in die Ihr eingegangen und Eins nach dem Andern hineingezogen habt! Schlafet also ruhig fort, und laßt Euch nichts in Eurer Ruhe stören! Doch, im Ernst, Ihr lieben Brüder, wenn nicht Jeder sich ermannt und bald Etwas thut, so wird unser Blatt nach einer fünfjährigen Laufbahn ein Grabmal nöthig haben; der Teufel wird dazu lächeln und auf das Grabmal schreiben, zur ewigen Schande der Ohio-Synode: Hier liegen die Ueberreste der ausgehungerten Magd der Ev. Luth. Synode von Ohio; weil sie Ziegel brennen sollte ohne Stroh, und arbeiten mußte Jahr aus Jahr ein, ohne Essen, starb sie eines kläglichen Todes am 15ten Dec. A. D. 1865, im hohen Alter von 5 Jahren, weniger 16 Tage. — Dahin