# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1864_S60 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 60 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. das Leben betreffenden Puncten. Doch es gibt manche Dinge bei den Lutheranern der Missouri⸗Synode, welche tief zu beklagen sind, nehmlich ihre Bigotterie, ihre Exclusivität und ihr extremes Hochkirchenthum. Sie haben einen beklagenswerthen Irrthum begangen, indem sie, sich auf einen hyperlutherischen Grund stellend, ihre Kirchendiener und ihr Volk zum Glauben an alle scholastische Speculationen der symbolischen Bücher binden, anstatt allein die Augsb. Conf. und Luthers kleinen Katechismus, wie die General-Synode gethan hat, zu adoptiren. Sie predigen die großen Fundamentallehren des Christenthums, wie wir thun. Sie dringen auf Erfahrungs-Religion und ein heiliges Leben, wie wir thun. Sie stehen auf der großen Lehre von der Rechtfertigung durch den Glauben, wie Luther that und wie wir thun. Sie bitten um den Einfluß des h. Geistes als unentbehrlich in der Bekehrung und Heiligung der Seele, wie wir thun. Aber, uns ungleich, begehen sie trauriger Weise den Verstoß, daß sie menschliche Speculationen über Punkte, welche nicht durch die Inspiration geoffenbart sind, zu einem Theil des Kirchenglaubens machen. Sie irren, indem sie zu jenen Speculationen alle Lutheraner zu verbinden versuchen. Sie irren, indem sie es verweigern, mit der Christenheit dieses Landes zu sympathisiren, und namentlich, indem sie es verweigern, in eine innige kirchliche Gemeinschaft mit der Amerikanisch-Lutherischen Kirche und deren Generalsynode einzugehen. Es ist seltsam, daß christliche Leute, welche kommen, um in Amerika zu leben, die Hand Gottes in dem Typus des Christenthums nicht anerkennen können, welcher die Kirchen dieses Landes charakterisirt, und daß sie die Stimme der Vorsehung nicht hören können, welche sie in die Reihen der sacramentlichen Schaaren ruft, wie sie in diesem Land von dem großen Feldherrn angeführt werden. Unsere Missouri-Lutheraner sollten ihre Meinungen über jene nicht-wesentlichen Punkte gerade so behalten, wie wir die unsrigen behalten. Aber sie sollten Privatmeinungen sein. Sie sollten nicht darauf ausgehen, uns zu den ihrigen zu verpflichten. Und wir sollten unsere Privatvorstellungen ihnen nicht aufnöthigen. Wie wir es nicht zur Nothwendigkeit dazu machen, ein guter Lutheraner zu sein, daß man die Wiedergeburt durch die Taufe und die leibliche Gegenwart verwerfe; so sollten unsere Missouri-Brüder nicht verlangen, daß man, um ein gesunder Lutheraner zu sein, diese Speculationen glauben müsse. Da Christus und die Apostel nichts über diese Sache sagen (?!) und da die Augsb. Conf. nichts über den einen Punct sagt und nach der Meinung vieler unserer weisesten Männer selbst nichts von der leiblichen Gegenwart sagt (!), außer was einer geistlichen Deutung fähig ist und so ganz den einzigen anstößigen Zug darin beseitigt: so sollten wir und die Missourier übereinkommen, zusammen auf den großen Fundamentalwahrheiten unseres Lutherischen Systems zu stehen und die Kirche nicht mit peinlichen Disputationen über Dinge zu behelligen, welche die menschliche Vernunft nie in klares Licht setzen kann und die die Bibel nicht lehrt (?). Sie haben es in ihrer Gewalt, den beunruhigenden Streit zu enden. Und wenn sie es nur thun wollten, wenn sie nur ihre Pflicht in dieser Beziehung sehen und ihr entsprechen wollten, so würden sie der Luth. Kirche einen Anstoß nach der rechten Richtung hin geben, wie sie seit Luthers Tod nicht empfangen hat. Unsere Kirche würde auf einmal als eine vereinigte, harmonische, glorreiche Kirche schnell erstehen, um neben den einflußreichsten Kirchen des Landes Platz zu nehmen. Ihre Pflicht ist nach unserer Meinung einfach diese, ihre Anstrengungen aufzugeben, der Kirche Dinge aufzudringen, welche die Majorität nicht glauben kann, in Betreff solcher Puncte, welche nicht fundamental sind, und daß sie sich mit der americanischen Kirche in Betreff der großen fundamentalen Wahrheiten und Pflichten des Evangeliums vereinigen, über welche es unter den Orthodoxen und evangelischen Lutheranern keinen Streit gibt. Diesen Ausgang der Sache sollten alle gute Lutheraner flehen.“ — Wir haben hierauf nur dieses kurz zu erwidern: wäre es wirklich so, wie der Luth. Observer schreibt, daß die Lehrdifferenz, welche zwischen der Generalsynode und der Missouri-Synode stattfindet, Puncte beträfe, „welche nicht durch göttliche Eingebung geoffenbart sind,“ die darum allerdings nicht zu dem Fundamente des christlichen Glaubens gehören könnten, so müßte die Hand verdorren, die den Streit fortführen und die dargebotene Hand der Versöhnung und Vereinigung ausschlagen wollte. Aber heller, als die Mittagssonne, leuchten gerade jene Differenzlehren in Gottes heiligem Worte. So wenig wir nun das Wort Gottes selber aufgeben kön⸗