# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1864_S54 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 54 Wie und warum Herr Dr. Seyffarth so zornig ist? erforscht. Was alle Gelehrten Deutschlands, ja alle Universitäten Europa's nicht sehen konnten, das sah der Hr. Dr. Stohlmann zu New York, und er erklärte Seyffarth für den größten jetzt lebenden Gelehrten, den unvergleichlichen Kenner der Koptischen Sprache, den unerreichbaren Forscher in der Sternkunde, den tiefsten Ergründer der ägyptischen Sprache und Geheimnisse, den wahren Columbus der Chronologie. Jede Nr. des „Luth. Herold“ war ein schmetternder Trompetenstoß zu Seyffarth's Ehren. Es entstand eine ordentliche Bewegung der Gemüther. Hier, hier in Amerika endlich erkannte die erstaunte Welt, was sie an dem ägyptischen Professor hatte. Wie merkwürdig, einer deutschen Gemeinde mit ihrem Pfarrer war es gegeben, die Perle aus dem Staube hervorzuziehen! Prof. Seyffarth hielt Vorlesungen über Vorlesungen vor der Gemeinde, und die Gemeinde war ein dankbares Auditorium. Man staunte, man erkannte, man faßte, man begriff, was alle europäischen Gelehrten nicht erkannten und begriffen, nämlich, daß Prof. Seyffarth, wie schon gesagt, der größte Gelehrte des 19. Jahrhunderts sei. Denn wer von allen diesen Zuhörern verstand Aegyptisch, Koptisch und Astronomie? Keiner von Allen! Mußte denn nun nicht Prof. Seyffarth der Gelehrteste aller Gelehrten sein? So fühlte sich denn der lange Verkannte glücklich und zufrieden. Von New York ging der Triumphzug nach Columbus, wo Beide, der neu entdeckte große Aegypter und der Entdecker desselben, mit der Doctor⸗Würde gekrönt wurden. Von da bewegte sich der Zug nach St. Louis, aber leider, leider wollte bei den Missouriern das Triumphiren so nicht recht fortgehen. Zwar wurde derselbe sehr freundlich und zuvorkommend empfangen, man freute sich auch seiner Hülfe am College, da er daselbst in einigen untergeordneten Gegenständen Unterricht ertheilte. Aber seine chronologischen und ägyptischen Sachen hörte man doch nur ruhig und mehr als ein Curiosum an. Die Ekstase fehlte. Es wurden sogar einige Zweifel laut, doch schonte man seiner als eines guten, alten Mannes. Ja man suchte ihm so viel wie möglich das Sein in der Synode lieblich und für seine Gefühle angenehm zu machen. Wo sich nur die Gelegenheit darbot, bei Synoden und Conferenzen, veranlaßte man die Gemeinden, um ägyptische Vorlesungen zu bitten, denn man merkte es ja wohl, daß er es recht gern that, und zufriedene, ja zuweilen bewundernde Auditorien, besonders beim Landvolke, kamen ja auch zu Stande. Allein so rechte Schneide hatte es doch nicht. Verglichen mit dem begeisterten, enthusiastischen New York, war zumal St. Louis ein nüchterner, unangenehmer Aufenthaltsort. Man wußte offenbar einen solchen Gelehrten nicht zu schätzen. Fing doch New York gleich an zu brennen, da der Professor kaum die Stadt mit seinem Fuße betrat: war er nun nicht berechtigt zu hoffen, daß St. Louis bei seinem längeren Aufenthalte daselbst wenigstens in lichterlohen Flammen aufgehen müßte? Statt dessen glomm es nur, und selbst das Glimmen wurde von Tage zu Tage schwächer. War das zu ertragen? Nein, das war nicht zu ertragen! Der Doctor fühlte sich tief gekränkt, er sah sich getäuscht, seinen Werth verkannt, der Thermometer seiner Liebe und Anhänglichkeit sank immer tiefer und tiefer, bis auf den Gefrier⸗