# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 05 24_S170 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) digt zuſchreiben; und 3. eine Art abergläubiſcher Werktreiberei mit ihrem Glauben. Denn was ſie etwa noch großmüthiger Weiſe den heiligen Sacramenten an Werth und Weſen laſſen, das beruht bei ihnen nicht allein und ausſchließlich auf und in den Einſetzungsworten des allmäch— tigen Sohnes Gottes, ſondern ihr Glaube hilft es erſt zu dem machen, was es iſt. Philipp. Ich verſtehe dies Letztere nicht ganz, mache mir es doch an einem Beiſpiele anſchaulich. Martin. Nun ſiehſt du, Philipp; bei dem beiligen Abendmahl z. B. behaupten ſie ja ganz offenbarlich, und ſo auch die Methodiſten Art. 18. (nach dem 28. Artikel der 39 Artikel der biſchöf⸗ lichen Kirche Englands), daß nur die Gläubigen des Leibes und Blutes Chriſti geiſtlich theil⸗ haftig werden (d. h. daß ihr Glaube gen Himmel fahre, indeß ihr Mund die Zeichen des Brodes und Weines empfange, und ſich dort oben mit dem erhöheten Chriſtus vereine); wer aber keinen Glau⸗ ben habe, empfange nichts denn Brod und Wein. Hieraus ſiehſt du nun klar, daß bei den Refor⸗ mirten überhaupt der Glaube an Chriſtum und ſeinen Verſöhnungstod das heilige Sacrament des Altars machen hilft, ja vornehmlich machet, nicht aber die Worte des allmächtigen HErrn Chriſti: „das iſt mein Leib, das iſt mein Blut“. Der Unglaube aber an dieſe Worte des HErrn in ihrem einfachen und graden Sinne erzeugt, als eine gerechte Verblendung von Gott, den Aber⸗ glauben an die Wunderkraft ihres Glaubens. — Es kommt dies etwa ſo heraus, als wenn ich be⸗ hauptete, der an ſich dunkle Sonnenkörper bekomme erſt durch mein Auge die uns erleuchtende und erwärmende Glanzhülle, oder die Speiſe bekomme erſt durch meinen Magen ihre ſtärkende und er— nährende Kraft. Sonne und Speiſe haben aber durch Gottes Wort und Ordnung ihr Weſen und Wirken und mein Auge und Magen ſind nur die menſchlichen, wiewohl gleichfalls von Gott geord⸗ neten, Empfangsmittel; ſind nun dieſe beiden geſund durch Gottes Gnade, ſo werde ich recht ſehen und verdauen, ſind ſie krank durch Adams und meine Sünden, ſo werde ich ſchlecht ſehen und verdauen, woran aber natürlich Sonne und Speiſe unſchuldig ſind. Aehnlich hält es ſich nun im Geiſtlichen mit dem Glauben, der für die göttlichen Gnadenmittel des Evangeliums und der heiligen Sacramente, die uns geiſtlich erleuchten und nähren, das menſchliche Empfangsmittel für ihre geſegnete Aneignung iſt; aber daß wir recht ſehen und er— ſtarken zum ewigen Leben, daß dieſe geiſtlichen Liebesgaben unſeres Gottes und Heilandes das Weſen und die Kraft haben, uns geiſtlich zu er⸗ leuchten und zu nähren, da thut unſer Glaube nichts dazu, unſer Unglaube nichts davon, ſondern das ruhet weſentlich und ausſchließlich in den Worten der Einſetzung, des Befehls und der Ver⸗ heißung deſſen, durch den der Vater auch Himmel und Erde geſchaffen hat. Deshalb behalten ſie denn auch ihr Weſen und Wirken, ſelbſt wenn ungläubige Hörer des Wortes und Empfänger der heiligen Saeramente da ſind; die Predigt von Chriſto wird ihnen aber ein Geruch des Todes — 17⁰ — zum Tode und gereicht ihnen zum Fluche und durch das ungläubige Eſſen und Trinken eſſen und trinken ſie ſich ſelber das Gericht, darin, daß ſie nicht unterſcheiden den Leib des HErrn (1 Cor. 11, 29.). Wenn es aber dort bei jenen ſinnlichen Dingen nur kindiſch und albern erſchiene, falls ich behauptete, mein Auge hülfe der Sonne leuchten oder mein Magen der Speiſe ſtärken, ſo muß es hier bei dieſen geiſtlichen Dingen mit Recht jedem Unbefangenen als frevelhaft und vermeſſen er— ſcheinen, falls ich behauptete, mein Glaube hülfe das Weſen und Wirken des Evangeliums und Sacramentes bilden; denn durch den Willen und das Wort des HErrn ſind ſie, was ſie ſind, vor, ohne und über allem Glauben des Menſchen. — Zudem könnte es bei dem heiligen Abendmahl für den ſchwachgläubigen und angefochtenen Menſchen, zu deſſen Troſt es beſonders iſt, nichts Troſtloſeres geben, als wenn ſein gedrückter Glaube ſich gleich⸗ wohl zu Chriſto in den Himmel hinaufſchwingen müßte, um des Segens des Sacraments theil⸗ haftig zu werden. Wie viel tröſtlicher und herzſtärkender iſt es da, den HErrn vom Himmel beim Wort zu nehmen und ihn in ſeiner geheimnißreichen Allmacht und Liebe, die zu unſerer Schwachheit herniederſteigt, in und unter dem Brode und Weine demüthig und gläubig zu empfangen! Philipp. Jetzt iſt es mir klar, was du früher eine abergläubiſche Werktreiberei mit dem Glauben nannteſt; und ſo befremdlich dieſer Aus⸗ druck mir damals war, ſo ſehe ich doch jetzt, daß du darin recht haſt. Durch ſolche Ueberſchätzung des Glaubens und ſolche Unterſchätzung des Gnadenmittels kann alſo, wie es ſcheint, der rechte geſunde Stand⸗ punkt des Evangeliums überhaupt verdunkelt und geſchmälert werden; denn es fehlt gleichſam nur ein Schritt, daß man den Glauben für ſich anſieht und darauf gar für etwas Verdienſtliches hält, die Gnade zu erwerben. ö Martin. Bravo, Philipp! ich ſehe, du machſt gute Fortſchritte in der geſunden Heilserkenntniß; ja der kleine Katechismus Luthers, ſogar ohne den großen, iſt ein trefflicher Lehrmeiſter, wenn das liebe Wort Gottes, die innere Erfahrung und das geſegnete Kreuz vorhanden ſind. Du haſt ganz recht, daß jene Verkennung und Geringſchätzung der heiligen Sacramente in ihrer rechten Stellung in der Heilsordnung die Reformirten und mit ihnen die Methodiſten gar leicht in dieſen feinen Katholizismus hineintreiben kann, dem Glauben ein mitwirkendes Verdienſt zur Bekehrung und zum Seligwerden zuzuſchreiben. Und daher kommt es denn auch, daß die herrſchende Predigt⸗ und Lehrweiſe der Methodiſten etwas Krankhaftes und Mangelhaftes hat: denn ſie treiben ſo gewaltſam auf die Gefühle der Buße und heben den Glau⸗ ben ſo übermäßig und vereinzelt hervor, daß darüber Gottes Weik und That, nämlich das Geſetz, die Urſache der Buße, und das Evangelium, die Ur⸗ ſache des Glaubens, gar ſehr in den Schatten zu ſtehen kommt. Und dieſes ſcheint mir eines der Hauptgebrechen ihrer Predigtweiſe zu ſein; denn daß ſie im Gro⸗ ßen und Ganzen die Buße zu Gott und den Glauben an unſern HErrn IEſum fleißig und eifrig treiben, wollen wir, der Wahrheit gemäß, ihnen nicht ableugnen und ſtellen ihre Predigten hoch über alle ungläubigen Moralpredigten und den bunten Flitterkram der Schönrednerei. Gleich⸗ wohl iſt und bleibt es ebenſo wahr, 1. daß ſie die göttliche Thatſache des Geſetzes und Evangeliums d. i. Gottes Heiligfein und Gerechtigkeit in ſeinem Geſetze und Gottes Gnade und Barmherzigkeit in ſeinem Evangelium und zwar Chriſtum, den durch und für uns Ge⸗ treuzigten, dort und hier, nach Geſchichte und Lehre, nicht fleißig genug auslegen, nicht ſorgfäl⸗ tig genug vor die Augen malen; und dieſe Predigtweiſe allein, zuſammt der rechten Lehre ö und Handhabung der heiligen Sacramente an ihrem Ort, vermag, unter Gottes Gnade, tief. gründlich und nachhaltig den rechten und geſun⸗ den Buß- und Glaubensſtand zu erzeugen und zu bewahren. 2. daß ſie es, um der ſchnelleren, wenn auch oberflächlichen, Wirkung willen, vorziehen, mit Geſetz und Evangelium einſeitig auf das Gefühl der Hörer einzudringen, um ſo eilig als möglich ſichtbare Bußſchmerzen und Glaubens⸗ freuden hervorzubringen. Sie vergeſſen hiebei des wichtigen Wortes Marc. 4, 28.: „Denn die Erde bringt von ihr ſelbſt zum Erſten das Gras, darnach die Aehren, darnach den vollen Waizen in den Aehren.“ Im Widerſpiel hiezu machen ſie es wie die Kinder, die heute wieder ausgraben, was ſie geſtern geſäet haben, um zu ſehen, ob und wie weit der Saame gewachſen ſei. Deshalb halten denn ihre Prediger ohne Zweifel Manches ſchon für Bekehrung, wo der Saame nur auf das Steinichte gefallen war und deshalb ſchnell auf— ging, weil kein tieferer Boden zum feſteren Wur⸗ zeln da war; d. h. wo ſie das Wort mit Freude annehmen, zur Zeit der Anfechtung aber abfallen. Ja! es bedarf nicht einmal der Trübſal und Ver⸗ folgung um des Wortes willen, um abzufallen; ſondern da eben die Hauptſache in der Aufregung der Gefühle beſteht und die klare und geſunde Heilserkenntniß ihnen große Nebenſache iſt, ſo iſt es eben kein Wunder, wenn von den Methodiſten gur Manche ab⸗ und ſolchen Secten zufallen, ö welche die Gefühle noch ſtärker aufreizen. Es iſt etwa ſo, wie wenn ein Menſch, der mehr auf das Gewürzige, als auf das Nahrhafte einer Speiſe ſieht und den Wohlgeſchmack der Zunge der ge⸗ ſunden Ernährung des ganzen Leibes vorzieht, vom Salz zu ſcharfem Pfeffer und Ingwer, oder ö vom ſchwachen Whiskey zum ſtärkern übergeht; denn die abgeſtumpfte Zunge bedarf immer ſchär⸗ ferer Reizmittel von Außen, um denſelben Reiz zu ſpüren. 3. daß die Methodiſten, ſtatt der rechten Lehrt und Handhabung der heiligen Sacramente, als der von dem HErrn Chriſto ſelbſt georoneten Gna⸗ den⸗ und Heilsmittel, auf mancherlei menſchliche ö und künſtliche Reizmittel und Methoden gerathen! ſind, von denen J. Wesley und Whitefield noch nichts wußten, und die ſie zum Theil ſchwerlich billigen würden. Auch bedurften dieſe Männer,