# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 05 24_S169 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Redigirt von C. F. W. Walther. Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. Jahrgang 4. St. Louis, Mo., den 27. Juni 1848. Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. Geſpräche zwiſchen zwei Lutheranern über den Methodismus. Zweites Geſpräch. Die Lehre und Weiſe der Methodiſten. (Fortſetzung.) Martin. Dies Vorgeben iſt ein alther— gebrachter Brauch ſolcher Glaubenspartheien, die grade in wichtigen Artikeln des Bekenntniſſes und der Heilslehre von dem alten evangeliſch⸗apoſto⸗ liſchen Kirchenglauben (der durch Gottes Gnade in den Bekenntnißſchriften unſrer Kirche wider Papismus und Schwarmgeiſter wieder ans Licht gekommen iſt) zur Rechten oder zur Linken ab⸗ weichen. Es iſt eben ein lockendes Aushängeſchild für neugierige Gäſte, und Köder, um Fiſche zu fangen. Doch, Freund Philipp, woher kommt dir ſolche Weisheit? Ich habe dich noch nie in ſolch' kirchlichem Eifer geſehen. Philipp. Das kommt ganz einfach daher, daß ich deinem Rathe gefolgt bin und den kleinen und großen Katechismus fleitzig vor mich ge⸗ nommen habe. Ich dummer hochmüthiger Geſell, der ich ehe⸗ dem war, dachte, dies ſei blos für die Schüler und Confirmanden; aber je treuer und ſorg⸗ fältiger ich neuerdings mich darüber gemacht habe, deſto mehr mache ich auch die Erfahrung Luthers, der da ſagt (in der Vorrede des großen Katechis⸗ mus), daß er den Katechismus fleißig treibe und müſſe gleichwohl ein Kind und Schüler des Kate⸗ chismi bleiben und bleibe es auch gerne. Martin. Wollte Gott, unſere lieben Lands⸗ leute und Glaubensgenoſſen hier zu Lande machten ts eben ſo, zumal die keine, oder keine gläubigen, oder keine kirchlich begründeten Prediger haben; da würden nicht die Schwarm⸗ und Flattergeiſter irgendwelcher Art beſondere Eroberungen unter ihnen machen, wenn ſie alſo blieben in dem, was ihnen ſchon über drei Jahrhunderte von den Bätern vertrauet iſt. Philipp. Wenn aber den Methodiſten, wie den Reformirten überhaupt, die Taufe nichts an⸗ ders als ein leeres Zeichen und Abbild der Wieder⸗ geburt iſt, ohne dieſe ſelbſt weſentlich und urſäch⸗ lich, als ein Gnadenmittel des Heiligen Geiſtes, zu wirken, was heißt es denn da in Artikel 16. „von den Sacramenten“, daß „Gott durch ſie auf eine unſichtbare Weiſe in uns wirke, und unſern Glauben an Ihn nicht nur belebe, ſondern auch ſtärke und befeſtige“? Denn ſo ſagteſt du vorhin, daß in jenem Büchlein die Methodiſten lehrten. Da ſie nun die Taufe für ein Sacrament halten, ſo ſcheinen ſie doch auch ihr eben dieſe Wirkſamkeit zuzuſchreiben, den Glauben zu beleben, zu ſtärken und zu befeſtigen. Martin. So ſcheint es allerdings; aber erſtens wirſt du wenig oder nichts ſelbſt von dieſer Wirkſamkeit in ihren mündlichen Predigten hören; zweitens iſt der Ausdruck über dieſe Wirkſamkeit der Taufe viel zu allgemein und unbeſtimmt und entſpricht keinem einzigen Schrift-Ausdrucke von der Wirkung der heiligen Taufe; denn z. B. auch jede beſondere Gebets⸗Erhörung, jede einzelne Errettung oder Bewahrung nach Leib und Seele iſt für die bereits Gläubigen eine Belebung und Stärkung des Glaubens; endlich aber — und das iſt die Hauptſache — ſetzt dieſer Ausdruck auf eine ungehörige Weiſe ſchon den Glauben, folglich auch das voraus, was er, als Hand und Mund der Seele, ergreift, nämlich die Vergebung der Sünden, das Anziehen Chriſti, kurz die Wieder⸗ geburt. Nach jenen Stellen aber, wie z. B. Ap. Geſch. 2, 38. Gal. 3, 27. Tit. 3, 5. Joh. 3, 5., die du früher namentlich anführteſt, werden dieſe Gnaden⸗ und Heilsgüter grade von der Wirkung der Taufe hergeleitet, die ſie den Einzeinen zu⸗ eignet, nachdem ſie Chriſtus für Alle erworben und verdient hat; mithin muß die Taufe, als das göttliche Darreichungsmittel der Gnade, doch früher da ſein, als der Glaube, das menſchliche Empfangsmittel derſelben, nicht aber umgekehrt, wie jene Worte der Methodiſten die göttliche Heilsordnung verkehren. Philipp. Aber woher haben denn die Me⸗ thodiſten den Glauben, d. i. eigentlich die Gnade Gottes und das Verdienſt Chriſti, welches der Glaube ergreift, da ſie dies durch die Taufe nicht haben wollen und dieſe das ſchon Vorhandene neu ſtärken und beleben ſoll? Was ſteht darüber in ihrer Lehre in jenem Büchlein? Martin. Nichts; kein einziger Artikel han⸗ relt von der Aneignung des Heils und von gött⸗ lichen Gnadenmitteln. Und das nannte ich eben früher den erſten Uebelſtand jener 12 Seitlein, daß mehrere wichtige Artikel der Heilslehre gänz⸗ lich fehlen. Und ſo iſt denn auch kein Wort über das Predigtamt vorhanden, und daß Gott allein durch das Evangelium und die heiligen Sacra⸗ mente den Heiligen Geiſt und den rechten Glau⸗ ben an Chriſtum ſchenke, wie dies unſere Augs⸗ burgiſche Confeſſion im fünften Artikel klärlich bezeugt. In ihrer mündlichen Verkündigung dagegen laſſen ſie es nicht daran fehlen, davon zu zeugen, daß der Glaube aus der Predigt komme; und daran haben ſie Recht; denn der Apoſtel bezeugt es ſelbſt Röm. 10, 17. Aber daran haben ſie Unrecht, und mit ihnen die Reformirten über⸗ haupt, daß ſie der Taufe nehmen, was der HErr ihr gegeben hat, wie wir früher geſehen haben, und dies Genommene gleichſam der Predigt ſchenken. Daher kommt es denn, daß ſie dieſe allein für ein weſentliches und wirkſames Gnadenmittel des Heiligen Geiſtes halten, das die Wiedergeburt und die Heiligung bewirke; Taufe und Abend⸗ mahl aber nur für äußerliche Abbilder und Zei⸗ chen, die als ſolche kein Heilsgut weſentlich dar⸗ reichten. Dieſe Zerreißung und Verſtörung der göttlichen Ordnung für die Zueignung des Heils in Chriſto hat eine eben ſo üble Wurzel, als ſie üble Früchte trägt. Jene iſt der Unglaube, daß in und mit dem Waſſer, Brod und Wein kraft des Verheißungswortes des allmächtigen HErrn JEſu Chriſti das verheißene himmliſche Gut, No. 22. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. ö ö d. i. kurz geſagt, Chriſtus, der für uns Gekreuzigte und Auferſtandene, ſammt Allem, was er iſt und hat, weſentlich und wahrhaftig dargereicht und empfangen werde. Die üblen Früchte aber ſind 1. eine Ueberſchätzung der Predigt, wiewohl ſie der Verkündigung und Verheißung des HErrn ſelber bei der Einſetzung der heiligen Sacramente keinen Glauben ſchenken; 2. eine Unterſchätzung dieſer letzteren, indem ſie ihre Wirkungen der Pre⸗ ö ö