# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1864_S28 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 28 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. Die Deutsch⸗Ref. Kirchen in den V. St. Zur Charakteristik derselben dürfte dienen, was ein Correspondent des Ref. „Evangelisten“ in der Nro. vom 5. Dec. v. J. von einem gewissen Dr. Harbach schreibt. Dort heißt es nehmlich u. A. wie folgt: Dr. Harbach ist nun gewählt theologischer Professor in Mercersburg zu werden und da Dr. Schaff nach Deutschland reist, so wird ihm und Dr. Nevin die gänzliche Leitung jener für unsere Kirche so wichtigen Lehranstalt anheim fallen. Diese Nachricht hat Unterzeichneten sehr schmerzlich berührt, besonders da ich Dr. H. als einen früheren Studiengenossen genau kenne. Dr. Harbach war als Student jederzeit streng moralisch, liebenswürdig im Um⸗ gang, hatte viel Humor, bewies auch vielen Geschmack an Musik und Poesie, der er einen großen Theil seiner Zeit widmete. Als Student war er hinsichtlich seiner Studien ziemlich unregelmäßig, so daß er in keiner theologischen Disciplin sich auszeichnete. An Bet⸗ und Erbauungsstunden betheiligte er sich fast nie. Als bei einer Erweckung in Mercersburg, wo ein vorsichtiger Gebrauch von der Angstbank gemacht wurde, Dr. Nevin dagegen auf⸗ trat und wie man sagt, das Kind sammt dem Bade ausschüttete, war Student Harbach der einzige Student, der von vorne herein Dr. Nevin völlig beipflichtete. Dem Calvinismus war er auch nie hold; kurz, seine ganze praktische und theologische Stellung war der Art, daß wir nicht daraus wahrnehmen konnten, ob er es mit persönlichem Seelenheile, seinem eige⸗ nen sowohl als anderen, würde genau nehmen. Die Seite der persönlichen Heilsaneignung trat bei ihm nie in den Vordergrund. Man erwartete im Allgemeinen nie viel von ihm für das Wohl der Kirche. Dennoch hat er sich einen bedeutenden Namen in der Kirche erwor⸗ ben und wurde neulich zum Professor gewählt. Um die Kirche aus dem geistlichen Tode, in welchen sie leider versunken war, zu erretten, wurde von manchem Fremdartigen, Schwär⸗ mischen Gebrauch gemacht. Um dem vermeintlichen oder wirklichen Extrem der Unkirchlich⸗ keit entgegen zu arbeiten, verfiel die Mercersburger Schule ins entgegengesetzte Extrem, näm⸗ lich dem der Hochkirchlichkeit. Die Ideen, die in dieser Richtung von Mercersburg aus⸗ gingen, und die Mercersburg alle sonstwo gelernt hatte, (denn das römische, puseitische und königlich preußische Hochkirchenthum sind alle älter) popularisirte Dr. Harbach und suchte sie auch praktisch in Anwendung zu bringen, wodurch freilich seine Gemeinde in Lancaster nahe an den Rand des Verderbens kam. So wurde er einer der ältesten und ersten practischen Vor⸗ kämpfer des Hochkirchenthums. Da er eine ehrliche Natur ist, ging er dabei ehrlicher, offner und rücksichtsloser zu Werke, als andere dieser Richtung, deren Hauptstärke in Intriguen liegt. Dieses mußte ihm bei seiner Parthei Achtung und Ansehen sichern. Vor mehreren Jahren traf ich Dr. Harbach bei der General⸗Synode in Akron, O. Dort ergötzte er meh⸗ rere seiner Gesinnungsgenossen in Ohio durch eine eigenthümliche Predigt, worin er offen und frei seine und seiner Parthei Ansichten vom religiösen Leben aussprach. Er geißelte mit bitterem Hohne und Witze die Ansicht einer plötzlichen und schnellen Veränderung, zeigte die organische allmählige Entwicklung alles Lebens an vielen Beispielen der Natur, und diesen allgemeinen Naturgesetzen müsse auch das christliche Leben sich beugen. Das Wesen der Sünde, die Macht des Verderbens und des Satans und die unmittelbare Wirksamkeit des heiligen Geistes wurde ignorirt. In einer Privatdiscussion wärmt er die alte römische Ein⸗ wendung gegen die göttliche Authorität der heiligen Schrift in Glaubenssachen auf, wor⸗ nach die Schrift der Kirche untergeordnet sei. Als die Frage wegen Errichtung eines Mis⸗ sionshauses aufkam, war Dr. Harbach einer der bittersten Gegner desselben. Natürlich machte er sich dadurch bei den Hochkirchlichen unserer eigenen Kirche sehr beliebt, und nun soll er für diese seine treuen Dienste anständig belohnt werden. Das bischen Ehre gönnen wir ihm von Herzen, aber der Kirche hätten wir gern die Schmach erspart, aber es ist einmal Grundgesetz im Reiche Gottes, daß neben dem Weizen das Unkraut muß zeitig werden. Dr. Harbach wird seine Irrthümer frei und offen auspacken; in dieser Beziehung muß er der Wahrheit zuletzt wesentliche Dienste thun und ist uns viel lieber auf dem Professorstuhl als manche Allerweltsfreunde, die bei den Hochkirchlichen hochkirchlich sind, bei gläubigen, ächt reformirten Christen aber ihre Zustimmung geben zu unsern biblischen Grundsätzen von Kirche, Sacramenten, Buße, Bekehrung und Glaube an Jesum Christum.“