# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1864_S27 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 27 Wie ein amerikanischer Lutheraner vom amerikanischen Lu⸗ therthum urtheilt. Der „Lutheran and Missionary“ gibt in No. 6 dieses Jahrg. in einem Artikel: Die Annahme der Augsburgischen Confession als eines Glaubensbekenntnisses und die Ansprüche des amerikanischen Lutherthums, einen scharfen, aber treuen Abriß des amerikanischen Lutherthums. Zuerst weist er den amerika⸗ nischen Lutheranern nach, daß sie nicht die ganze Augsburgische Confession, sondern nur die ersten 21 Lehrartikel mit Uebergehen der letzten 7 Artikel von den Mißbräuchen, also nicht viel über den vierten Theil der Confession, als ihr Glaubensbekenntniß annehmen; daß sie ferner auch die Lehrartikel nur in so fern annehmen, als fundamentale Lehren darin sind; wie aber das Wort „fundamental“ zu verstehen sei, überlassen sie jedermann's willkürlichem Dafürhalten, nach welchem er dasjenige, was er verwerfen will, für außerwesentliche, menschliche Erläuterungen und gelehrte Distinctionen in der Confession erklärt. Der „Lu- theran“ weiset dies nach in Beispielen von der Dreieinigkeit, von der Erbsünde, von der Per⸗ son Christi, von der Rechtfertigung, vom Predigtamt und den Gnadenmitteln, vom neuen Gehorsam, von der Kirche, von der Gültigkeit der Gnadenmittel, welche sämmtlich nach jener beliebten Unterscheidung des Fundamentalen und Unwesentlichen aufs gröbste entstellt und verfälscht werden. Der „Lutheran“ geht noch weiter und zeigt, wie das amerikanische Lutherthum den Artikeln von der Taufe, dem heil. Abendmahl und der Beichte offen den Krieg erklärt und die Augsburgische Confession unumwunden des Irrthums beschuldigt, der zu verwerfen sei. Zuletzt bemerkt er, daß der antithetische Theil der Lehrartikel der Confes⸗ sion ganz beseitigt ist. Nach obigem Nachweis schließt der „Lutheran“ also: Können irgend welche Personen oder kann irgend welche Kirche behaupten, daß sie durch ein solches Unterschreiben eines solchen Documents einen glaubwürdigen Beweis ihres Rechtes gegeben habe, zu sagen: Wir nehmen die Augsburgische Confession an? Es ist nicht wahr, daß es in diesem unserm Lande ein Lutherthum gibt, welches, einer aufrichtigen Annahme der Con⸗ fession gegenüber, die man als Hyperlutherthum brandmarkt, den geringsten Anspruch hat, ehrlich zu sagen: wir nehmen die Augsburgische Confession an. Dieß von Herzen zu sagen, ist in den Augen derjenigen, welche vorgeben, es zu sagen, ein schweres Vergehen. Sie können denen, welche von unserer Kirche abgefallen sind, mehr als vergeben, sie können sie hoch erheben, aber die einfältige Treue gegen ihre Confession ist ihnen unerträglich. Mit ihrem Vorgeben, sie nähmen die Confession an, geben sie, wiewohl mit Widerstreben, zu, daß dies von allen, die sich Lutheraner nennen, geschehen sollte, während die Thatsachen überwältigend beweisen, daß sie dieselbe nicht annehmen. Ihre Handlungen werden also durch ihre eignen Werke verdammt. — Wir sind gespannt zu hören, wie Männer, die ein so wahres, entschie⸗ denes Wort gegen das amerikanische Lutherthum reden, ihre Handlungsweise mit ihren Worten in Einklang bringen werden. Bh. Abolitionismus und die Secten. Der Herausgeber des „Fröhlichen Botschafters,“ eines Organs der Verein. Br. in Christo, vom 10. Dec. v. J. antwortet den Gliedern seiner Secte, welche sich über seinen Abolitionismus beklagt hatten: „Wenn von unsern Brüdern welche sind, die früher nicht wußten, in was die Grundsätze unserer Kirche bestehen (hinsichtlich der Sclaverei), so ist es nur ein Beweis, daß ihnen die Augen zu einer sehr späten Stunde aufgegangen sind. Wer es auch sein mag, der da meint, wir als eine Gemeinschaft sollten nun, nachdem wir seit mehr als einem halben Jahrhundert gegen die american. Sclaverei gepredigt, für deren Ausrottung gebetet und alles Mögliche gethan, um diese Sünde aller Sünden bloszustellen, jetzt die Hände in den Schoß legen sollten, alle solche sind grob betrogen.“ Zwar sagt dieser eifrige Abolitionist, daß seine Secte „alles Mögliche“ wider die Sclaverei gethan habe, er scheint aber hierbei zu verges⸗ sen, daß sie dawider wenigstens keinen Cent ihres lieben Mammons geopfert, sondern diese Art der Emancipation bekanntlich einer Gesellschaft in einem südlichen Staate überlassen hat; wie denn überhaupt die eifrigsten abolitionistischen Menschenfreunde vor diesem, ihren Geldbeutel in Anspruch nehmenden Agitationsmittel fast durchgängig eine wunderbare Scheu geoffenbart haben, trotzdem daß sie die Sclaverei nach ihrer neuen Bibel für die „Sünde aller Sünden“ ansehen, vor der sie sich ohngefähr so entsetzen, wie ein Geizhals vor der Ver⸗ schwendung und wie ein Ignorant vor dem Gelehrtenstolz.