# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 05 24_S168 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchliche Nachricht. In Jefferſon County, Miſſouri, trat vor einigen Monaten eine Anzahl daſelbſt wohnender Luthe⸗ raner, welche ſich, größtentheils ohne es zu wiſſen, in die unirt⸗evangeliſche Kirche hatten verlocken laſſen, aus derſelben in die lutheriſche Kirche zu⸗ rück; ſie bildeten hierauf eine eigene Gemeinde evangeliſch-lutheriſchen Bekenntniſſes und beriefen den Candidaten des heiligen Predigtamtes, Herrn J. Michael Johannes, einen geweſenen Zög⸗ ling des Fort Wayner Predigerſeminars, zu ihrem Seelſorger. Derſelbe iſt bereits am letztvergan⸗ genen Sonntag Exaudi auf ſein und ſeiner Ge⸗ meinde Begehren in deren Mitte von dem Präſes der Synode von Miſſouri ꝛc. zu ſeinem Amte öffentlich und feierlich ordinirt worden. Möge der HErr der Kirche, unſer lieber HErr IEſus Chriſtus, das junge Gemeinlein unter ſeine be⸗ ſondere Fürſorge und Obhut nehmen und dasſelbe wachſen laſſen in Erkenntniß, Glauben und Liebe, den Lehrer mit viel Segen ſchmücken und ihn einen Sieg nach dem andern erhalten laſſen, daß man ſehen müſſe, der rechte Gott ſei noch in unſerem lutheriſchen Zion. Pſ. 84, 7. 8. Die Adreſſe des Paſtors iſt: Rev. J. M. Johannes, Sulphur Springs P. O., Jefferson County, Mo. (Eingeſandt.) Ueber Erziehung und Sittenlehre der Jeſuiten. (Schluß.) 2. Etwas aus der Jeſuitiſchen Sittenlehre. Der Jeſuitismus zeichnet ſich beſonders durch eine wahrhaft empörende Spitzfindigkeit bei Be⸗ urtheilung ſolcher Dinge aus, die in das Gebiet der chriſtlichen Sittenlehre ſchlagen. Selbſt der ſchon oben genannte katholiſche Theologe Joh. Ad. Möhler ſagt von dieſer Spitzfindigkeit, daß ſie vielfach vergiftend bis in das in—⸗ nerſte Mark des chriſtlichen Lebens wirke, und daß durch ſie religiöſe Tiefe, die ſtrenge heilige Sitte und eine ernſte Kirchenzucht untergehen müſſen. Derſelbe Theologe ſagt, das Streben der Jeſuiten gehe dahin, „die ganze Kirche auszuhöhlen und ſie aller Kraft und alles Lebens zu berauben“. — Wir wol⸗ len zum Belege dafür, daß auch in neueſter Zeit die Sittenlehre der Jeſuiten keine andere geworden iſt, als ſie damals war, da der berühmte Pascal ihre ganze Schändlichkeit der Welt unter die Augen ſtellte, einige Proben aus einem Buche des Biſchofs Bouvier von Mons geben, welches als Lehrbuch in den geiſtlichen Schulen in Frankreich eingeführt iſt und darin bereits in ſechster Auflage wirkt. S. 605 der 6ten Aufl.: „Die Fürſten ſind eigentlich an kein Staatsgeſetz gebunden, denn ſie könnten nur an Geſetze gebunden ſein, die von anderen als ihnen ſelbſt ausgegangen wären. Nun aber iſt das nicht möglich, da ſie in weltlichen Dingen keinen Oberen anerkennen und ihre eignen Geſetze für ſie keine verbindende Kraft haben kön⸗ nen, weil ſich Niemand ſelbſt verpflichtet. —Es ſteht feſt, daß der Thronräuber, der ſich mit Ge⸗ walt oder durch Liſt in Beſitz der Macht geſetzt hat, nach den Worten des Seythen bei Curtius ein großer Dieb iſt. Er hat kein Recht über das Volk, das er regieren will. Dennoch macht er Geſetze, ertheilt Befehle, legt Strafen auf. Was ſollen oder was dürfen da treue Unterthanen thun? Sie ſind gehalten, dem geſetzmäßigen Fürſten zu gehorchen, ſo lange er es fordert und für nützlich achtet, denn durch die bloße Thatſache 168⁸ der Uſurpation, d. i. des Thronraubes, ſind ſie nicht ihres Treuſchwures entbunden. Auf den Ruf des geſetzmäßigen Fürſten müſſen ſie die Waffen ergreifen gegen den Thronräuber, ihn be⸗ lagern, beſiegen, fortjagen. Noch mehr, ſie müſ⸗ ſen ihn wie einen Uebelthäter meuchlings ermor⸗ den, wenn der rechtmäßige Fürſt es ausdrücklich befiehlt.“ — In den zehn Geboten ſteht: du ſollſt nicht tödten, und hier predigt ein Biſchof den Meuchelmord im Namen der Religion und Phi⸗ loſophie. —Hören wir, wie ein anderer Jeſuit die Lehre des Herrn Biſchofs vertheidigt: „Tödten iſt ein häßliches Wort, ich weiß es wohl; allein es iſt auch eine ſchöne Sache um die Logik (d. i. die Lehre vom folgerichtigen Denken)! Wohlan, die Frage wird hingeſtellt: Was ſoll ein unterdrücktes Volk thun? — Sich befreien. Wie? — Durch Mittel der Sanftmuth und Klugheit, wenn's möglich iſt, wo nicht, durch einen Aufſtand, der nur dann, wenn er keinen Grund hat, aufrühreriſch iſt, wie der Kanzler, der Verfaſſer der Nachfolge JIEſu, ſagt. Aber der Tyrann findet Mittel und Wege, die Entthronung zu vereiteln; er hat Pul⸗ vermagazine, Bomben, kurz, er hat Vorſichtsmaß⸗ regeln getroffen; ſoll das Volk die Hände in den Schooß legen und in ſchmachvoller Sorgloſigkeit wie todt verharren? Ein kühner Stoß würde ihm Freiheit und Leben geben; ſagt: Was iſt ein Volk, und was dagegen ein Menſch?“ („Die Jeſuiten“ von einem Einſiedler.) Nach dieſer Lehre muß der berüchtigte Königsmörder Ravail⸗ lac, welcher Heinrich IV. von Frankreich ermor⸗ dete, freigeſprochen werden, denn da er eine gute Abſicht bei ſeiner Schandthat hatte, iſt ſie kaum eine Sünde zu nennen. — Die Schrift des Ein⸗ ſiedlers genießt übrigens die beſondere Auszeich⸗ nung, daß ſie an allen Kirchenthüren in Frank⸗ reich angekündigt zu leſen war. Wir fügen noch einige Beiſpiele hinzu, in denen die Jeſuitiſche Sittenlehre nach Pascals Manier deutlich gemacht wird. Ein alter Landedelmann läßt ſich in der Beichte alſo vernehmen: Mein Vater! einer meiner Nach⸗ barn macht mir mein Pachtgut ſtreitig. Wir lie⸗ gen im Prozeß darüber. Er hat Unrecht, aber wird gewinnen, weil er eine falſche Urkunde bei⸗ bringen wird, deren Falſchheit ich zum Unglück nicht beweiſen kann. Die Familie würde ſich mit mir vergleichen, allein er beharrt auf ſeinem Kopfe. Sonach werde ich um mein Pachtgut kommen. liebhaber. Gebüſche treffen werde, eine Kugel durch den Kopf zu jagen. Was meinen Sie dazu? — Thun Sie das ja nicht! man würde Sie feſtnehmen, vor Gericht ſtellen und .. . — O, was das Ge⸗ richt anlangt, ſo iſt das meine Sache. Ich habe bei meiner Frage nur die religiöſe Seite im Auge, denn ich bin ein ſehr ängſtlicher Mann. — Und dieſes Pachtgut iſt etwas werth? — Ein Anſehn⸗ liches. — Sehr wohl. Iſt es Ihnen von Nö⸗ then, um leben zu können? — Das nicht, ich bin ſonſt ſehr reich. — Unter dieſen Umſtänden mag Ihr Gegner ſo ungerecht ſein, wie er will, es iſt zweifelhaft, ob ſich das, was Sie ihm anthun wollen, entſchuldigen laſſe. — Zweifelhaft, mein Vater? — Nicht anders, mein Sohn. Sie ver⸗ ſtehen doch Latein? „Dubium est, utrum Nun aber ſind er und ich große Jagd⸗ Ich habe Luſt, ihm, ſobald ich ihn im liceat occidere injustum aggressorem bono- rum temporalium magni momenti, quamvis ad vitam non necessariorum, si utiliter de- fendi nequeant“ (d. h. Es iſt zweifelhaft, ob es erlaubt iſt, jemanden zu tödten, welcher bedeutende, obgleich zum Lebensunterhalt nicht nothwendige Güter antaſtet, wenn ſie nicht mit Nutzen ver⸗ theidigt werden können). So ſpricht ſich Pater Moullet nach Liguori und allen unſern angeſehenſten Lehrern aus. — Allerdings, aber da ſteht ja noch etwas: „Sententia affirmans videtur probabilior (die Meinung, welche da⸗ für iſt, ſcheint wahrſcheinlicher)“. Ich habe eine ſo hohe Achtung vor Ihren Vätern, daß ich ohne Weiteres ihrer Meinung folge, die Sie für die wahrſcheinlichere halten. Auch ſcheint mir der Grund, aus dem Sie dieſelbe der anderen vor⸗ ziehen, wirklich ſchlagend zu ſein; Sie ſagen näm⸗ lich, „die Liebe fordere nicht, daß Jemand, um das Leben des Nächſten zu erhalten, einen an⸗ ſehnlichen Theil ſeines Vermögens opfere“. Ich danke Ihnen, mein Vater; ehe die Woche um iſt, wird der Nachbar ſeinen Schuß, ich mein Pachtgut haben, und zwar ohne Sünde! — Es treten zwei Leute auf, deren Fall ein und. derſelbe iſt: der Eine iſt ein Bedienter, der Andere ein Schneider; jener beſtiehlt ſeinen Herrn, dieſer ſeine Kunden. Man befragt ſie nach Anleitung des „Handbuches“. Jener ſagt: mein Lohn iſt zu gering für die Dienſte, die man von mir for⸗ dert: dieſer: ich bekomme zu wenig Macherlohn. — Verlangt mehr. — Nein, mein Herr würde mich fortſchicken, und für das Geld, das er mir gibt, einen Kammerdiener finden, der ſich ſchadlos halten würde, wie ich. — Gerade ſo iſt es mit mir auch, ſetzt der Schneider hinzu. Meine Kun⸗ den würden abſpringen, um meinen Zunftgenoſ⸗ ſen ſich zuzuwenden, die ebenſo wie ich, oder noch mehr ſtehlen, und ich werde mit meiner Familie Hungers ſterben. — Wenn die Sachen ſo ſtehen, ſo ſprechen euch angeſehene Theologen von der Sünde frei und erlaſſen euch die Wiedererſtat⸗ tung, denn ihr Grundſatz iſt dieſer: „Der Dieb⸗ ſtahl iſt entſchuldbar, wenn er in einer heimlichen Ausgleichung beſteht, vermöge welcher der Gläu⸗ biger von den Gütern ſeines Schuldners gerade ſo viel auf die Seite bringt, als er zu fordern hat.“ Gerade ſoviel, darauf kommt es an; wenn ihr mehr nehmt, ſündigt ihr. Wer urtheilt über das rechte Maß? der Bediente und der Schneider. Zwar ſind ſie Richter und Parthei in Einer Per⸗ ſon, aber das thut nichts: beide gehören ja zur Erzbrüderſchaft oder zum Vereine für Ausbreitung des Glaubens, ſind alſo ehrenwerthe, frommie Leute. Wir haben jetzt weiter nichts hinzuzuſetzen, als daß wir von den uns zu Gebote ſtehenden Proben jeſuitiſcher Sittenlehre die allerglimpflich⸗ ſten ausgeſucht haben, weil wir die übrigen zu anſtößig fanden, um ſie öffentlich mitzutheilen. Wir hoffen aber dennech, unſeren Leſern jedes Gelüſten' nach den Jeſuiten, und wenn ſie noch tauſendmal unſchuldiger ſchienen und von allen katholiſchen Zeitungen zugleich geprieſen würden, einigermaßen verdorben zu haben. A. Wolter. Bei H. Ludwig & Co. in New YRork zu haben: Luthers Leben von Meurer, in Muslin ge⸗ bunden, das Exemplar zu $2.00. Agenten er⸗ halten auf 10 Exemplare ein 11tes gratis. Neue Adreſſe. Rev. F. Lochner, ö Collinsville P. O., Madison Co., IIls. Die Deutſche Evangeliſch⸗Lutheriſche Synode von Mifſouri, Ohio u. a. St. hält ihre nächſten Sitzungen in St. Louis, Mo., vom zweiten Mittwoch nach Pfingſten an, am 21. Juni bis 1. Juli. Die eintreffenden Brüder wollen die Wohnung des Ortspfarrers erfragen bei Herrn L. Pechmann, Deutſche Glas⸗ und Porzellan-Waaren-Handlung, No. 22 Main⸗ ſtraße, in der Nähe des Alten Marktes. Gedruckt bei Arthur Olshauſen, Herausgeber des Anzeiger des Weſtens. —