# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1864_S9 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Einiges über die Lehre des Oberkirchencollegiums der ev.⸗luth. Kirche in Preußen ꝛc. 9 griff der päpstlichen von der Kirche übergegangen. Nach diesem ist die eigentliche Kirche die Versammlung von Lehrern und Hörern, die, auf den Namen des dreieinigen Gottes getauft, einstimmig die ganze Lehre Christi und der Apostel bekennt und der rechtmäßigen Verwaltung der Sakramente sich erfreut. (Bossuet's, Bisch. v. Meaux, collat. c. Claud. vgl. hierzu Buddei institutt. dogm., p. 1208 sq.) Ist Christus das Haupt der Kirche als einer sichtbaren Versammlung, so daß er auch als Haupt der auf der Apostel Stuhle sitzenden Pharisäer ꝛc. mit gelten muß: so hat Er — das folgt unwidersprechlich — ursprünglich eine solche Versammlung von Lehrern und Hörern gestiftet, wie sie die Papisten bestimmen. Ist aber dieses der Fall, so hat sich allerdings Christus, mit Wort, Sakrament und andern Gaben mehr, nothwendiger Weise dieser sichtbaren Kirche geschenkt — während wir Lutheraner, Christum allein und ausschließlich als das unsichtbare Haupt Seiner unsichtbaren Gläubigen bekennend, Seine Gnadengegenwart in ihrem Mittel lediglich an das in Seinem Namen durch Wort und Sakrament Versammeltsein derselben binden, die einzeln für Menschen nicht herauszufinden sind; nur um dieser willen und durch sie bleibt Christus mit Wort und Sakrament in Gnaden gegenwärtig; ohne ihren Glauben zu finden, würden die letztern zurückgenommen werden; durch jene ist es nur möglich, daß Wort und Sak. von Heuchlern und Gottlosen, deren Haupt aber Satan ist, gehandhabt werden, denn ohne Glauben würde Wort und Sakrament gar nicht auf Erden sein; Christus schenkt sich mit allen seinen Gaben nur den Gläubigen. (1 Kor. 3, 21—23.) Vgl. Luther „von Conciliis und Kirchen:“ „Gottes Wort kann nicht ohne Gottes Volk sein, wiederum Gottes Volk kann nicht ohne Gottes Wort sein. Wer wollte es sonst predigen oder predigen hören, wo kein Volk Gottes da wäre? und was könnte oder wollte Gottes Volk glauben, wo Gottes Wort nicht da wäre?“ Alles, was eine sichtbare Versammlung der Kirche im Handeln des Worts und der Sakramente thut, thut sie nur „auf Heißen,“ wie Luther sich ausdrückt, d. h. durch Wirkung, durch die unsichtbare bewegende Macht der einzeln nicht erkennbaren Gläubigen. —*) Darum soll denn auch diese unsichtbare Kirche allein aus sich heraus in der Freiheit, damit sie Christus befreit hat, die äußere Gestaltung setzen und ordnen, damit nicht das aus dem frischen Hauch und Wehen des Geistes stammende innere Leben in Werken des Gesetzes erstarre. Die handelnde Kirche soll nicht ein durch geistigen Zwang hervorgebrachtes und äußerlich zusammengehaltenes Ganze sein, sondern ein freier Organismus, (dem nur Mechanismus gegenüber steht), welcher in lebendiger geistlicher Einheit durch Ineinanderwirken sich bethätigt. Halten wir dieses nicht fest, so wird das geistliche Wesen der *) Melanchthon nennt in seinen locc. theol. ed. Detzer. p. 283 sq. diese keineswegs eine stumme Kirche, sondern er warnt mit Recht, daß wir uns sie nirgendwo anders denken, als unter dem sichtbaren Haufen, wo des Evangeliums Stimme gehört wird, denn sonst vermag ich allerdings gar nicht zu erkennen, daß sie gesprochen habe. Es ist die unsichtbare Kirche, welche ich im Bekenntniß des heil. christlichen Glaubens, im rechten Banne u. dgl. höre; die äußere Versammlung ist nur das medium. (Verhandlungen S. 70. Mehr darüber weiter unten.)