# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1864_S6 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 6 Einiges über die Lehre des Oberkirchencollegiums der ev.⸗luth. Kirche in Preußen ꝛc. sich hierbei immer dessen bewußt bleiben sollen, daß die Heuchler, Gottlosen, Häretiker mit den wahren Gläubigen nicht eine Kirche ausmachen, sondern denselben zufälliger Weise nur beigemischt sind, weil es der Zustand dieser Welt einmal so mit sich bringt, gleichwie die Spreu u. A. m. unter den Weizen gemengt ist, jedoch darum durchaus nicht mit demselben einen Weizen⸗Haufen bildet. (Vergleiche Quenstedtii syst. theol. IV. p. 488 sqq. Hollaz ex. th. IV. c. 1. qu. 27 fin.) In welchem Sinne diese 4. Thesis ihre Worte: „Obgleich nun die Kirche bloß ꝛc.—setzt, gibt der Thesensteller unverkennbar deutlich an in den „Verhandlungen der Commission ꝛc.“ zu Berlin 1861. S. 121; und die Folgerungen, die er daraus zieht, sind schwer und gefährlich. Er bemerkt daher auch selbst a. a. O., daß er diese seine Worte „als den Hauptpunkt angesehen wünsche, indem die These aus praktischem Interesse gestellt sei.“ Aber seine Anschauung ist nicht, wie er versichert, „durchaus die unserer symb. Bücher.“ Die Gläubigen sind Christi Glieder auf Erden nur, „in wiefern sie glauben, nach der unsichtbaren Seite hin.“ Christus ist das geistliche Haupt Seines geistlichen Leibes, alles Geistliche ist aber niemals sichtbar; Er ist freilich auch zugleich das Haupt d. i. der HErr aller Menschen, aller Kreatur nach dem Reich der Schöpfung; Er ist aber das Haupt über alles (Andere hinaus d. h. in einem ganz ausnehmenden Sinne*) Seiner Gläubigen als solcher, nicht insofern sie überhaupt Menschen sind; und die Gläubigen als solche sind nicht sichtbar, sondern nur als Menschen überhaupt. Keine andere Anschauung kennen die symb. Bücher, wie aus den weiter unten beigefügten Citaten erhellen wird. Die Gläubigen sind Christi Glieder allein nach ihrem neuen Menschen, soweit derselbe von dem ganzen Menschen das über's Grab hinaus Dauernde in sich zieht,**) niemals *) Daß dieses die Bedeutung der Worte „über Alles“ Eph. 1, 22. sei, lehrt das neuest. Sprachidiom, hier zugleich der klassische Sprachgebrauch. **) Was in dem innersten Grund des Herzens über die Natur hinaus entsteht, ist durch das Evangelium geschaffen, und nur, was von der Seele dieser neue Mensch oder Geist sich aneignet, wird Gott und dem ewigen Leben zugesprochen, das ihm Entgegengesetzte oder Fleisch dem Gericht überlassen; was durch Wirkung des göttlichen Gnadenworts in uns mitgetheilt wird, durchdringt den ganzen Menschen; auch insoweit zum geistlichen Tempel der Leib gedienet hat, soll er ein Gefäß dereinstiger Verklärung sein. Das Alles aber geht auf eine unsichtbare Weise vor sich. (Daher Hebr. 4, 12. 13. vgl. 1 Thess. 5, 23. Eph. 4, 22 f. Röm. 12, 2. 1 Petr. 4, 6.) Bei den Gottlosen, die nur die natürliche Seele ohne Geist haben (Jud. V. 19.), regiert diese den Leib, bei den Gläubigen durch sie der Geist; was hier von jenen beiden zurückbleibend in den letztern nicht aufgenommen worden ist, wird der Vernichtung preisgegeben, dort die geistlose Persönlichkeit einem ewigen Sterben. Es macht das unsichtbare Geistliche in den Menschen den Begriff allein von der Kirche aus, in welches also keine gesetzliche Seite fallen kann, weil es von dem tödtenden Buchstaben Mosis frei ist. Dieser waltet über die Seele von Natur, wie Christus über die neue Art, mit der das Gewissen im Einklang ist. Ganz richtig bemerkt Luther zu 1 Tim. 1, 9: „Also habe ich oben gesaget, daß Gottes Gesetz nicht abgethan sei, daß es nimmer sei, welches nicht möglich ist; sondern daß man es geistlich verstehe nach dem Gewissen. — Nimm ein Gleichniß: wenn ein Ding gehet, als es gehen soll, darf es Niemand treiben; wenn es thut, was man haben will, darf man nichts heißen, gebieten noch verbieten. Und müßte hier ein Narr sein, der sich unterstände, solches Alles zu gebieten. — Gesetz aber muß allein darauf gegeben werden, das nicht da ist, oder nicht gehet, wie es gehen soll ꝛc.“ Vgl. Konkordienformel S. 290. a. b.