# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 05 24_S166 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) alle Menſchen nach Adams Fall, ſo natürlich ge⸗ boren werden, in Sünden empfangen und geboren werden (Pſ. 51, 7.), d. i. daß ſie alle von Mutter⸗ leib an voller böſer Luſt und Neigung ſind“ (das iſt aber etwas mehr und anderes als bloße Nei⸗ gung zum Böſen haben) „und keine wahre Gottes⸗ furcht, keinen wahren Glauben an Gott von Natur haben können“ (durch dies letztere Wort wird aber auch ſchon die Möglichkeit als aus ſich ſelber abgeſchnitten), „daß auch dieſelbige angeborne Seuche und Erbſünde wahrhaftiglich Sünde ſei und verdamme alle die unter dem ewigen Zorn Gottes, ſo nicht durch die Taufe und Heiligen Geiſt wiederum neu geboren werden.“ „Hieneben werden verworfen die Pelagianer und andere, ſo die Erbſünde nicht für Sünde halten, damit ſie die Natur fromm machen durch natürliche Kräfte zu Schmach dem Leiden und Verdienſt Chriſti.“ Dieſe Verwerfung nun trifft freilich die Lehre der Methodiſten nicht völlig; denn Artikel 8. „vom freien Willen“ lehren ſie wieder, daß, ſeit Adams Fall, der Menſch aus bloßer Naturkraft und vermittelſt ſeiner eigenen Werke ſich nicht zum Glauben und zur Anrufung Gottes kehren und tüchtig machen könne; des⸗ gleichen heißt es Artikel 9. „von des Menſchen Rechtfertigung“: „wir werden für gerecht vor Gott angeſehen, einzig um des Verdienſtes un ſres HErrn und Heilandes IEſu Chriſti willen, durch den Glauben, nicht wegen unſerer eigenen Werke oder Verdienſte.“ Wiewohl nun alſo die Lehre der Methodiſten hierin mit Recht wider die Römiſche Kirche zeugt, ſo machet ſie ſich andererſeits doch einer Hin⸗ neigung zu dieſer verdächtig, da ſie auch wie dieſe die Erbſünde nicht eigentlich Sünde nennt, ſon⸗ dern nur Schuld, gleichſam als wenn ein Sohn wider ſeine Neigung mit dem Vermögen des Va⸗ ters auch deſſen Schulden übernehmen müſſe, die er nicht gemacht habe. Paulus aber ſagt (und zwar nicht von der in die äußere That ausbre⸗ chenden Sünde) Röm. 7, 7.: „die Sünde er⸗ kannte ich nicht, ohne durch das Geſetz. Denn ich wußte nichts von der Luſt, wo das Geſetz nicht hätte geſagt: laß dich nicht gelüſten!“ Vergl. Matth. 5, 28. 1 Joh. 3, 15. So beweiſet uns alſo Gott im 9. und 10. Ge⸗ bot, daß das Gelüſten des Herzens ſchon Sünde ſei. Philipp. Wie iſt denn ihre Lehre von der Taufe in jenem gedruckten Büchlein? In ihren mündlichen Predigten will mir gar nicht klar wer⸗ den, was ſie von ihr halten! Gewiß aber iſt, daß ſie ihrer nicht mit einem Worte zu gedenken pfle⸗ gen, wenn ſie die Wunderwirkungen der Bußbank rühnien oder die bußwilligen Seelen zu dieſer ein⸗ laden. Martin. Du nimmſt mir recht das Wort aus dem Munde. Denn eben wollte ich dir an⸗ führen, was in jenem Büchlein von der Taufe ſteht, nämlich Folgendes: „Die Taufe iſt nicht nur ein Zeichen des chriſt⸗ lichen Bekenniniſſes, wodurch ſich die Chriſten von den Ungetauften unterſcheiden, ſondern ſie iſt auch ein Zeichen der neuen oder Wiedergeburt. Die 166 Taufe der Kinder ſoll in der Kirche beibehalten werden.“ Philipp. Iſt das Alles, was über die Taufe geſagt iſt? Martin. Ja! in Art. 16. „von den Sa⸗ cramenten“ iſt nur im Allgemeinen geſagt, „daß Gott durch ſie auf eine unſichtbare Weiſe in uns wirke und unſern Glauben an ihn nicht nur be⸗ lebe, ſondern auch ſtärke und befeſtige“. Philipp. Was mag dann das wohl heißen, „daß die Taufe ein Zeichen der neuen oder Wieder⸗ geburt ſei“?ꝰ Martin. Keinesfalls etwas anderes, als daß ſie ein äußeres Abbild der Wiedergeburt ſei; aber nicht, daß ſie ein wirkſames Gnadenmittel für die Wiedergeburt ſei und in dem äußeren Zeichen des Waſſers auch das bezeichnete himmliſche Gut kraft des Wortes des Befehls und der Verheißung des HErrn JeEéſu Chriſti auch wirklich darreicht und mittheilt. Es iſt etwa ſo, wie z. B. durch die Fuß⸗ waſchung der HErr den Seinen die Demuth nur abbildete, aber nicht weſentlich darreichte. Dieſe Meinung wenigſtens von der Taufe, als einem bloßen Zeichen und Abbild einer ander⸗ weitig geſchehenden innern Reinigung, iſt die herrſchende Anſicht der reformirten Kirche in allen ihren Zweigen. Ein Zweig derſelben aber iſt die biſchöfliche Kirche Englands, zu der Wesley gehörte und von deren Lehre in den 39 Artikeln die Metho⸗ diſten, meines Wiſſens, nicht weſentlich ab⸗ weichen. Der Unterſchied zwiſchen beiden liegt mehr theils in den verſchiedenen Formen, Weiſen und Bräuchen des öffentlichen Gottesdienſtes, theils in den beſondern Anſtalten und Mitteln der Methodiſten zur „Wiederauflebung der wah⸗ ren Herzensreligion und Gottſeligkeit“. (S. den Erſten Abſchnitt: „von dem Urſprunge der biſchöf⸗ lichen Methodiſtenkirche.“) Philipp. Aber was fangen denn die Me⸗ thodiſten mit den gewichtigen Beweisſtellen der heiligen Schrift an, die in ihrem einfachen gra— den Wortverſtande einmüthig bezeugen, daß die heilige Taufe kein bloß äußerliches Zeichen und Abbild der Wiedergeburt, ſondern ein wirkſames Gnadenmittel ſei, daß die Wiedergeburt weſent⸗ lich in Allen wirket, die nicht im böslichen Un⸗ glauben der Gnade des Heiligen Geiſtes wider⸗ ſtreben? Denn heißt es nicht Tit. 3, 5. aus⸗ drücklich: „Gott macht uns ſelig durch das Bad der Wiedergeburt“? Nennt ſie nicht der Apoſtel Paulus Epheſ. 5, 26. „das Waſſer⸗ bad im Wort, durch welches Chriſtus ſeine Gemeinde reinige“? Saget nicht derſelbe Apoſtel Gal. 3, 27.: „denn wie viele euer getauft ſind, die haben Chriſtum angezogen“? Und derſelbe HErr und Heiland, der durch das allmächtige Wort ſeines Befehls (Matth. 28, 19.) und ſeiner Verheißung (Marc. 16, 16.) die heilige Taufe eben zu dem machte, was ſie iſt — ſagte er nicht ſelbſt zu Nicodemus Joh. 3, 5.: „Wahrlich, wahr⸗ lich! ich ſage dir, es ſei denn, daß Jemand gebo⸗ ren werde aus dem Waſſer und Geiſt, ſo kann er nicht in das Reich Gottes kommen“? Und in dieſer letzten Stelle, gehöret da nicht das Wörtlein aus eben ſo ſehr zu Waſſer als zu Geiſt, alſo daß beide zuſammen ſind, welches aber nicht an⸗ ders geſchieht, denn durch das Wort des Befehls und der Verheißung des allmächtigen Sohnes Gottes, alſo daß der Heilige Geiſt durch das Wort im Waſſer die Wiedergeburt wirket? — Und ſagt nicht auch Petrus Ap. Geſch. 2, 38. zu denen, welchen ſeine Predigt durchs Herz ging und die da ſprachen: „Ihr Männer, lieben Brüder, was ſollen wir thun?“ ſagt er da nicht: „Thut Buße (ändert euren Sinn) und laſſe ſich ein jeglicher taufen auf den Namen IEſu Chriſti zur Ver⸗ gebung der Sünden, ſo werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geiſtes“? Muß da einer ſich nicht mit Gewalt eine gefärbte Brille aufſetzen, um nicht zu ſehen oder nicht ſehen zu wollen, daß eben nur durch die heilige Taufe, als das Waſ⸗ ſerbad im Worte und das vom HErrn JEſu Chriſto verordnete und deshalb weſentliche und wirkſame Gnadenmittel, dem, wenn auch noch ſo ſchwachgläubigen, Täufling die Vergebung der Sünde, die Gabe des Heiligen Geiſtes, das An⸗ ziehen Chriſti, der Tod des alten und das Auf⸗ leben des neuen Menſchen (Röm. 6, 3. 4.), furz die Wiedergeburt zukomme? Mich ärgert nur, daß die Methodiſten überall vorgeben, daß all ihre Lehre und Weiſe durchaus ſchriftgemäß ſei, indeß ſie z. B. hier in dieſem wichtigen Artikel geradezu ſchriftwidrig iſt. (Fortſetzung folgt.) — 7 — Methodismus. Der Apologet macht in No. 13. einige Mit⸗ theilungen über die Veränderung der Augsburgi⸗ ſchen Confeſſion, welche jedoch der Berichtigung“) bedürfen, da dieſelben nicht die reine geſchichtliche Wahrheit enthalten. Melanchthon hatte den zehnten Artikel dahin verändert: „daß im heiligen Abendmahl den Eſ⸗ ſenden mit Brod und Wein wahrhaftig darge⸗ ſtellt werde (exhibeantur) der Leib und das Blut Chriſti“; und die Worte „derhalben wird auch die Gegenlehre verworfen“ ausgelaſſen. Es zeigt ſich uns auf den erſten Blick, wie ſchwan⸗ kend, ungewiß und vieldeutig dieſe Faſſung iſt, während das urſprüngliche Bekenntniß die Wahr⸗ heit mit der größten Schärfe und Beſtimmtheit ausdrückt. Der Apologet geſteht nun zwar: „da die Confeſſion das Gemeingut der lutheriſchen Kirche war, ſo hatte Melanchthon allerdings kein Recht, dieſe Veränderung in eigener Vollmacht zu machen.“ Allein er giebt doch auch als Grund davon an: daß der friedliebende Melanch⸗ thon mit ſolchen Verbeſſerungen die Urſache zum Streit zwiſchen den Lutheranern und Refor⸗ mirten immer mehr aus dem Wege zu räumen ſuchte. Dagegen hat die wahre ev.⸗lutheriſche Kirche dieſes Verfahren Melanchthons ſtets mit dem größten Ernſte gemißbilligt. Es war leider ſünd⸗ liche Friedensliebe und Menſchengefälligkeit, *) Quellen: Ausführliche historia motuum, von Lö⸗ ſcher, und Handbuch der Kirchengeſchichte von Dr. Guerike.