# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 01 25_S41 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. Jahrgang 1. St. Louis, Mo., den 25. Januar 1845. No. 11. Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar fünf und zwanzig Cents für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 6¼ Cents verkauft. Lebensgeschichte Dr. Luthers. (Fortsetzung.) Mit Schande hatte Dr. Eck nach Beendigung der Leipziger Disputation abziehen müssen, denn Luthers kühnes Auftreten wider das Pabstthum, weit entfernt, demselben allgemeinen Haß zuzuziehen, erwarb Luthern vielmehr unter Hohen und Niedrigen, unter Gelehrten und Ungelehrten eine immer größere Anzahl der eifrigsten Anhänger und Kampfgenossen in der ganzen christlichen Welt. Von Rachsucht glühend, eilte daher Eck nach Rom; hier brachte er es dahin, daß der Pabst am 15ten Juni 1520 eine Bulle (Verordnung) ausgehen ließ, worin 41 Sätze aus Luthers Schriften verdammt, die Verbrennung seiner Schriften geboten und er, wenn er nicht binnen 60 Tagen widerrufe, verurtheilt wurde, als Ketzer mit dem Banne bestraft, nehmlich aus der Gemeinschaft der Kirche ausgeschlossen zu werden. Was dies Urtheil bei Luthern bewirkte, schreibt er selbst in dieser Zeit an einen Freund mit den Worten: „Ich bin nun viel muthiger, nachdem ich gewiß weiß, daß der Pabst als der Antichrist und des Satans Stuhl offenbarlich erfunden ist.“ Im Triumph führte Eck die Bannbulle in Deutschland umher, und setzte besonders in den kaiserlichen Erblanden die Verbrennung der Lutherischen Schriften durch, in vielen Gegenden jedoch, in Chursachsen besonders, ward er mit allgemeinem Spott empfangen. Luther aber schrieb jetzt die zwei berühmten Schriften: „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“ und „wider die Bulle des Antichrists,“ worin er die Irrthümer des Pabstthums immer klarer entdeckte und entschiedener bekämpfte; wie die falsche Lehre von den sieben Sacramenten, von der Transsubstantiation (Brodverwandlung im h. Abendmahle) und andere dergl. Weil Luther ferner sah, daß er gewaltsam und mit Unterdrückung der Wahrheit aus der römischen Kirche ausgestoßen wurde, beschloß er durch eine öffentliche Handlung vor aller Welt zu zeigen, was er von einem solchen Banne halte, und verbrannte am 10. November 1520 früh um 9 Uhr vor dem Elsterthore zu Wittenberg, von vielen Doctoren und Studenten begleitet, feierlich die zugesandte Bulle nebst dem ganzen päbstlichen Kirchenrecht. Luther warf dies beides selbst mit den Worten in die Flamme: „Weil du den Heiligen des HErrn betrübet hast, so betrübe und verzehre dich das ewige Feuer.“ In einer Schrift, welche Luther hierauf ausgehen ließ, legte er die Sache selbst der Welt dar, die ihn zu diesem Schritte bewogen hätte, und zeigte darin zugleich die gottlosen Sätze, welche das päbstliche Kirchenrecht enthalte. Darin heißt es nehmlich unter anderem: „Wenn der Pabst so böse wäre, daß er unzählige Menschen mit großen Haufen zum Teufel führte, so dürfte ihn dennoch niemand darum strafen.“ Luther wußte recht wohl, was er hiemit gewagt und welche ungeheure Macht er dadurch wider sich erregt hatte; mochten aber alle seine Freunde mit Zittern an den Ausgang dieser Sache denken, er selbst war täglich getroster und freudiger. Er schrieb daher an Staupitz: „Ich habe des Pabstes Bücher und Bulle verbrannt, erst zitternd und betend, aber nun bin ich darüber fröhlicher, als über irgend eine That meines ganzen Lebens, denn dieselben (Bücher) sind eine größere Pest, als ich je meinte.“ Dieser Gottesmuth sollte sich nun auch bald erproben. Denn als im folgenden Jahre 1521 ein Reichstag zu Worms gehalten werden sollte, erhielt Luther einen kaiserlichen Befehl, darauf zu erscheinen, mit der Zusicherung eines sichern Geleites hin und zurück. Auf die Anfrage seines Churfürsten, ob er sich stellen werde, antwortete Luther: „Ich bin in demüthigem Gehorsam bereit .. auf nächstkünftigen Reichstag zu Worms . für zu kommen und mit Hülfe des Allmächtigen mich dermaßen zu erzeigen und zu verantworten, daß männiglich in der Wahrheit erfahren soll, daß ich bisher nichts aus freveligem, unbedächtigem, ungeordnetem Willen und um zeitlicher weltlicher Ehr und Nutzung willen, sondern alles, das ich geschrieben und gelehrt habe, meinem Gewissen, Eid und Pflicht nach, als ein armer Lehrer der h. Schrift, Gott zu Lob, zu Heil und Seligkeit gemeiner Christenheit, der ganzen deutschen Nation zu gut, zu Ausrottung der fährlichen Mißbräuche und Aberglaubens, und zu einer Ledigung der ganzen h. Christenheit aus so vieler unendlicher .. Beschwerung und Gotteslästerung, fürgewandt und gethan habe,“ und an Spalatin schrieb er, er werde nach Worms kommen, und wenn er auch krank sich solle dahin tragen lassen; denn wenn der Kaiser ihn rufe, rufe ihn Gott; Gott sei die Sache befohlen; es lebe und regiere der noch, der die drei Männer im feurigen Ofen erhalten, und wolle Er ihn nicht erhalten, so sei es ein Geringes um seinen Tod; man könne nicht wissen, ob aus seinem Leben oder aus seinem Tode dem gemeinen Besten oder der Sache des Evangeliums mehr Nutzen erwachsen werde. „Hier habt ihr meinen Rath und Meinung — fährt er fort — versehet euch zu mir alles, nur nicht, daß ich fliehen oder widerrufen werde. Fliehen will ich nicht, widerrufen aber viel weniger, so wahr mich mein HErr JEsus stärket. Denn ich kann keines ohne Gefahr der Gottseligkeit und Vieler Seligkeit thun.“ Freunde stellten Luthern die große Gefahr beweglich vor, der er entgegen ging, und erinnerten ihn an Hussens Feuertod, aber er antwortete ihnen: „Wenn auch seine Feinde gleich ein Feuer machten, das zwischen Wittenberg und Worms bis an den Himmel reiche, so wolle er doch im Namen des HErrn erscheinen, und dem Behemoth in sein Maul zwischen die großen Zähne treten, und Christum bekennen und denselbigen walten lassen.“ „Ich gedenke nicht zu fliehen — schrieb er an Spalatin — noch das Wort in Gefahr stehen zu lassen, sondern es bekennen bis in Tod, so ferne mir Christus gnädig ist und beistehet.“ So getrost und freudig trat er, von Justus Jonas und anderen begleitet, seine Reise an und predigte unterwegs an mehreren Orten unter großem Zulauf des Volkes; und obgleich ihn der Satan am Weiterziehen durch mehr als eine Krankheit zu hindern suchte, obgleich seine vornehmsten Feinde, welche sein persönliches Erscheinen fürchteten, sich alle Mühe gaben, ihn auf schreckende und schmeichlerische Weise von Worms entfernt zu halten, so blieb doch der theure Glaubensheld fest auf seinem Entschlusse. „Christus lebt — schrieb er von Frankfurt aus — derohalben wollen wir hinein in Worms, zu Trotz allen höllischen Pforten und denen, die in der Luft herrschen.“ Noch zu Oppenheim empfing er ein ängstliches Schreiben von Spalatin, der ihn dringend ermahnen ließ, nicht nach Worms zu kommen, da die Feinde schon ausgesprengt hatten, Luther sei schon mit allen seinen Anhängern vom Kaiser verdammt. „Und wenn so viel Teufel zu Worms wären — war seine Antwort — als Ziegel auf den Dächern; doch wollt ich hinein.“ So zog Dr. Luther am 16. April auf einem offenen Wagen, in seine Mönchskutte gekleidet, unter dem Vorritt des kaiserlichen Herolds in Worms ein und mehr als 2000 Menschen geleiteten ihn in sein Quartier, wo ihn sogleich