# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1863_S379 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 379 Sünde sei;‘ und daß es ‚ein grausamer und absurder Vorwurf war, die Tausende unserer christlichen Brüder, welche Sclaven halten, als Sünder wider das göttliche Gesetz anzuklagen, da sie nichts thaten, als was das Wort Gottes erlaubte, unter der Constitution und den bestehenden Gesetzen ihres Landes.‘ ‚Ich weiß,‘ sagt er, ‚daß die Lehre der heiligen allgemeinen Kirche klar und einstimmig für die Gesetzmäßigkeit der Sclaverei während 1800 Jahren war.‘ Bischof Potter von Pennsylvanien und 75 Episkopalprediger seiner Diöcese haben sich gedrungen gefühlt, einen die Ansichten des Bischofs Hopkins ‚mit Indignation mißbilligenden‘ Protest zu veröffentlichen, als ‚eines Dieners Jesu Christi unwürdige,‘ und als eine ‚Anstrengung, durch biblische Grundsätze die Staaten, welche sich in Rebellion gegen die Regierung befinden, in dem Versuche zu unterstützen, durch Gewalt der Waffen eine Tyrannei im Namen einer Republik zu errichten, deren Eckstein die ewige Knechtschaft des Africaners sein solle.‘ Bischof Hopkins veröffentlicht einen Brief an Bischof Potter zur Antwort, datirt den 5. Oct., und kündigt darin dem Bischof von Pa. an, daß er in wenigen Monaten ein Buch veröffentlichen und darin beweisen werde, durch die unverwerflichsten Autoritäten, daß es Sclaven und Sclavenhalter in der Kirche von Anfang an gegeben habe, daß Sclaverei für verträglich mit dem christlichen Principe gehalten wurde von den Vätern und Concilien, und von allen protestantischen Theologen und Schriftauslegern bis zu Ende des letzten Jahrhunderts und daß diese Thatsache unter allen Kirchen und Secten in der ganzen Welt eine allgemeine war.‘“ — So wahr nun ist, was Bischof Hopkins schreibt, so scheint er doch nicht bedacht zu haben, daß wir jetzt in dem Zeitalter des „Fortschritts“ leben, in welchem die humanistische Philanthropie das veraltete Christenthum längst überholt hat. Welche Thorheit daher, sich jetzt noch auf die alte Bibel zu berufen, nachdem es längst laut ausgesprochen worden ist, daß die alte Bibel und der alte Gott abgeschafft, und eine neue Antisclaverei⸗Bibel und ein neuer Antisclaverei⸗Gott eingeführt werden müsse! Und — im Ernste zu reden — ist es uns immer lieber, man sagt sich von der Bibel um der neuen Religion und Weltanschauung willen los, als daß man in die alte Bibel die neue Religion und Weltanschauung hineinregistrirt. Denn daß dann dennoch eine Anzahl Seelen übrig bleiben werden, welche Sicherheitshalber bei der alten Bibel bleiben, trotz alles Hohnes und Spottes einer fortgeschrittenen „Christenheit,“ das dürfte wohl keinem wahren Christen, der Matth. 16, 18. 28, 20. 24, 35. 1 Cor. 1, 19. 20. kennt, zweifelhaft sein. Politisch⸗kirchlicher Synkretismus. Folgendes lesen wir im „Evangelisten“ vom 24. Oct.: Bei der letzten Staatswahl in Ohio betheiligten sich die Prediger eifriger als je zuvor. An einigen Orten wurden die Stimmkasten von ihnen mit Gebet eröffnet. Sehr viele predigten an dem der Wahl vorhergehenden Sonntag Abend über die Bedeutung dieser Wahl vom christlichen Standpunkt aus. Der „Observer“ und die Missouri⸗Synode. Im „Observer“ vom 9. Oct. findet sich ein Aufsatz über die deutsche Kirche in America. Darin wird denn auch die Missouri⸗Synode nicht nur in der diesem Blatte eigenthümlichen Weise als ein Ausbund von Intoleranz charakterisirt, sondern es heißt auch darin u. A.: „Die Evangelische Union des Westens bildet ein heilsames Gegengewicht gegen die altlutherische Richtung der Missouri⸗Synode.“ Man sieht hieraus, die vor 18 Jahren von den Hauptvertretern der Generalsynode in einem nach Deutschland abgesendeten öffentlichen Schreiben officiell abgegebene Erklärung, daß die Kirche der Generalsynode ohngefähr das in America sei was die unirte Kirche Preußens in Deutschland ist, wird von der großen „Observer“⸗Parthei in dem genannten Körper noch festgehalten, während von den Gliedern desselben, die damit nicht einverstanden sind und lutherischen Charakter beanspruchen, nicht dagegen eingeschritten wird. So sollte man sich denn auch nicht wundern und aufhören von Intoleranz zu reden, wenn wir, die wir lutherisch sein wollen, von einer solchen Generalsynode nichts wissen wollen. Der „Observer“ geht in seiner Toleranz und Weitherzigkeit so weit, daß er in seiner Nummer vom 9. Oct. den Uebertritt Dr. Reynolds‘ von der luth. zur Episcopalkirche zu rechtfertigen sucht, indem er u. A. schreibt: „Unsere Kirche erkennt das Recht und unter gewissen Umständen die Angemessenheit (propriety) eines Uebertrittes von einer protestan-