# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1863_S366 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 366 Bericht der sechsten ord. Synodalversammlung der norweg.⸗evang.⸗luth. Kirche. mäß brauchen und in Wahrheit ihn als eine Gottesgabe betrachten, wenn er uns auch durch Menschen geschenkt ist. Die Sünde, die wir damit begehen würden, daß wir den Sonntag mißbrauchten, könnte mit der verglichen werden, daß wir keine Kirche bauen wollten. Denn es ist uns von Gott weder befohlen, zum Gebrauch göttlichen Worts gerade diese Zeit, den Sonntag, zu wählen, noch uns eine solche Stätte, eine Kirche, zu verschaffen; aber es ist ja klar, daß wir beides, sowohl Zeit als Stätte, dazu haben müssen, und da ist es sündiger Eigenwille, wenn wir uns darüber nicht mit unseren Mitchristen vereinigen wollen, sondern wie die Sabbatharier einen andern Tag nehmen, als die ganze Kirche gewählt hat, oder nicht ein solches Haus zum Gottesdienst beschaffen wollen, wie es alle anderen für dienlich und passend finden. Aber die Begriffe sind über diesen Punkt oft sehr verwirrt; auf der einen Seite wollen oft manche der Gemeinde eine solche Autorität beilegen, daß man Leute ausstoßen und damit als Heiden erklären und der Güter der Kirche berauben soll, weil da eine oder die andere Ordnung ist, welche sie nicht verstehen und deßhalb nicht daran Theil nehmen wollen; auf der andern Seite wollen andere das Recht haben, sich keiner Gemeindeordnung zu unterwerfen und die Verpflichtung nicht anzuerkennen, die uns hierin um Friedens und Liebe willen obliegt. Ferner wurde erwähnt, wie Leute oft aus falscher Furcht, der Sonntag möchte abgeschafft oder seine Bedeutung abgeschwächt werden, wollen, daß man ihn lieber eine göttliche Ordnung nennen und somit auf eigenem, selbsterwählten Weg mit Gottes Namen zu dem Ende lügen und trügen solle, um die Menschen zu einer eingebildeten strengeren Frömmigkeit zu bringen. Es ist übrigens mit dieser Furcht, wie mit der ähnlichen, die in den Tagen der Reformation manche fühlten, daß die Lehre von der Rechtfertigung allein durch den Glauben, ohne die Werke, die Menschen in ihren Sünden sicher machen dürfte. So wirkte diese Predigt bei manchen; war dies aber Schuld der Reformation, welche nicht versäumte, von der Frucht des Glaubens in guten Werken zu reden? Nein, sondern jene, welche die Nothwendigkeit guter Werke zur Seligkeit lehrten, jene führten die Menschen mit dieser Lüge nicht zur Seligkeit, sondern führten sie von ihr ab. Dasselbe Geschrei ertönt nun auch gegen uns, daß wir Ursache geben würden, den Sonntag zu entheiligen; aber wie die Papisten mit ihrer Werklehre, so führen auch die Lehrer, welche den Sonntag zu einem göttlichen Gebot machen wollen, die Menschen nur zur Abgötterei. Manche Menschen sind durch die falsche Lehre vom Sonntag in den kläglichsten Aberglauben gefallen: die besten meinen, das dritte Gebot erfüllt zu haben, wenn sie am Sonntag in die Kirche gehen oder eine Predigt lesen und sonst in der Woche gar kein Wort Gottes brauchen; andere thun nicht einmal so viel, aber machen sich ein großes Gewissen aus der Arbeit am Sonntag; so meinen sie, das dritte Gebot damit erfüllt zu haben, daß sie am Sonntag müßig gehen, oder schlafen, oder das unnützeste Zeug vornehmen; ja es gibt manche, die sich z. B. ganz schreklich fürchten,