# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1863_S358 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 358 Einige Bemerkungen über eine neue Apologie der Reformirten Kirche. „Mensch nicht aus Verdienst der Werke, sondern durch den Glauben um des allein geltenden Verdienstes Christi willen gerecht und selig wird. Aber gerade wegen dieser lutherischerseits stets wiederholten Schmähungen und wegen des irenischen Charakters unserer Reformirten Kirche haben wir sie, unsere liebe Mutter, von Grund des Herzens lieb, sind uns dabei auch lebendig bewußt, daß wir alle lutherischen Brüder und Schwestern, welche mit uns durch die Gnade unseres HErrn JEsu Christi selig werden wollen, von Herzen lieb haben, ob auch manche derselben unsere Bruderhand, wenn wir nicht auf die Concordienformel schwören, zurückweisen. Auf der andern Seite freilich halten wir fest, daß unsere Reformirte Kirche wegen ihrer besonderen Charismen eine sehr wichtige Mission vom HErrn hat und deswegen um den Preis der Aufgebung ihrer Eigenthümlichkeit und Charismen niemals eine Union mit der lutherischen Schwesterkirche eingehen kann, obwohl sie auch deren Eigenthümlichkeiten, sofern sie mit dem Worte Gottes in Einklang stehen und deren Charismen (z. B. ihr Liedersegen, ihre theologische Arbeit) wohl zu würdigen weiß.“ Randbemerkungen: Hier gibt Hr. K. wieder drei Gründe zum Besten, warum er nicht lutherisch, sondern Reformirt sein wolle. Sein erster ist, weil die Reformirte Kirche von „gar manchen lutherischen Stimmführern" bittere Schmähungen erfahren habe. Wir müssen gestehen, selbst wenn diese Beschuldigung wahr wäre, so gäbe sie doch einen recht wunderlichen Grund zum Anschluß an die Reformirte Kirche ab. Wo gibt es eine Partei, die über erfahrene Schmähungen nicht zu klagen haben sollte? — Hier kommt aber: obwohl wir nicht jedes wider die Reformirten in der Hitze des Streites ausgesprochene Wort rechtfertigen wollen, so müssen wir es doch durchaus in Abrede stellen, daß die Reformirte Kirche von Seiten der lutherischen Stimmführer von jeher ein Gegenstand „bitterer Schmähungen" gewesen sei. Es ist allerdings wahr, daß die lutherischen Theologen der Reformirten Kirche fort und fort viel Bitteres vorgehalten haben und noch vorhalten, es sind das aber ebenso wenig „bittere Schmähungen," wie die gegen Irrlehrer gerichteten Strafreden der Apostel und Propheten, sowie Christi selbst, des höchsten Musters aller Sanftmuth, als vielmehr bittere Wahrheiten. Diese Wahrheiten sind aber darum nicht so bitter gewesen, weil die Vorhaltung derselben aus einem bitteren Herzen hervorgegangen wäre, sondern weil Wahrheiten denen immer bitter schmecken, die ihnen nicht Gehör geben wollen. — Ein anderer Grund, den Hr. K. hier für seine Anhänglichkeit an seine Kirche nennt, ist, weil dieselbe nicht wieder geschmäht haben soll! Dies zu behaupten, ist in der That ein starkes Stück. Oder ist es etwa erst nöthig, hier das „Register" der unerhörten Schmähungen oder vielmehr offenbaren Lästerungen aufzurollen, womit die Herrn Reformirten, von einem Carlstadt, Zwingli, Calvin, Beza an bis in die neueste Zeit herein, die lutherische Kirche, deren heilige Lehren und deren Lehrer übergossen haben? Das gäbe wahrlich ein „langes Register!" Aber wer die Kirchengeschichte des 16. bis 19. Jahrhunderts incl. kennt, bedarf eines solchen Registers nicht, und wer dieselbe nicht kennt, dessen Ohren und Herzen wollen wir damit nicht martern. Von den großen Schaaren treuer lutherischer