# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 05 24_S163 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Freilich hat aber ein Prediger auch zu beden⸗ ken, daß er von Gott zu einem „Haushalter über Gottes Geheimniſſe“ beſtellt iſt. 1 Cor. 4, 1. Ein Haushalter kann aber mit dem, was ihm anvertraut iſt, ohne ſchwere Verantwortung nicht nach Belieben ſchalten und walten; er hat ſich vielmehr nach der Inſtruction zu richten, die er für ſeine Amtsverwaltung erhalten hat. Eine ſolche, und zwar die gemeſſenſte Inſtruction für die rechte Verwaltung des heiligen Sacraments aber haben wir Prediger in der heiligen Schrift. Mit klaren Worten iſt uns darin vorgeſchrieben, wer zu demſelben zugelaſſen werden könne, wer nicht. Unter anderem ſagt Chriſtus: „Ihr ſollt das Heiligthum nicht den Hunden geben, und eure Perlen ſollt ihr nicht vor die Säue weifen, auf daß ſie dieſelbigen nicht zertreten mit ihren Füßen, und ſich wenden und euch zerreißen.“ Matth. 7, 6. Ferner ſagt Chriſtus: „Höret er die Gemeine nicht, ſo halte ihn als einen Heiden und Zöllner.“ Matth. 18, 17. Ferner ſchreibt St. Paulus: „So jemand iſt, der ſich läßt einen Bruder nennen, und iſt ein Hurer, oder ein Gei⸗ ziger, oder ein Abgöttiſcher, oder ein Läſterer, oder ein Trunkenbold, oder ein Räuber; mit dem⸗ ſelbigen ſollt ihr auch nicht eſſen. Thut von euch ſelbſt hinaus, wer da böſe iſt.“ 1 Cor. 5, 11. 13. Ferner ſchreibt derſelbe Apoſtel: „So aber jemand nicht gehorſam iſt unſerm Wort, den zeichnet an durch einen Brief, und habt nichts mit ihm zu ſchaffen, auf daß er ſchamroth werde.“ 2 Theſſ. 3, 14. Endlich ſchreibt Jo⸗ hannes in ſeinem zweiten Briefe: „So jemand zu euch kommt, und bringet dieſe Lehre nicht, den nehmet nicht zu Hauſe, und grüßet ihn auch nicht. Denn wer ihn grüßet, der machet ſich theilhaftig ſeiner böſen Werke.“ (V. 10. 11.; vergleiche: 2 Theſſ. 3, 6. Röm. 16, 17. 1 Tim. 6, 3—5. 2 Tim. 3, 1—5. Tit. 3, 10. 11. 2 Cor. 6, 14—18.) Hiernach ſollen Chriſten mit keinem offenbaren Sünder, mit keinem Verächter der chriſtlichen Gemeinde, mit keinem, der ſich nicht ſtrafen laſſen will, und mit keinem Ungläubigen oder Falſchgläubigen ſo umgehen, als ſtünden ſie mit ihm in glaubensbrüderlicher Gemeinſchaft. Hiermit hat denn ein jeder Prediger die gemeſſene Inſtruction, die ihm Gottes Wort über die Sa⸗ cramentsverwaltung gibt, denn es iſt offenbar, alle diejenigen, mit denen die Chriſten keine glau⸗ bensbrüderliche Gemeinſchaft halten und die ſie von ſich ausſchließen ſollen, ſollen auch nach Got⸗ tes Wort zu dem Genuſſe des Sacramentes nicht zugelaſſen werden, durch welches die allerinnigſte glaubensbrüderliche Gemeinſchaft ausgedrückt und geſtiftet wird. Was thun alſo die Prediger, welche alle ohne Unterſchied zulaſſen? Sie be⸗ . weiſen ſich als untreue, leichtfertige Haushalter über Gottes Geheimniſſe, ſie greifen Gott dem HErrn in ſein Amt und werfen ſich zu Herren über ſein heiliges Sacrament auf, deſſen Diener ſie allein ſind. Wehe ihnen, wenn ſie nicht in Zeiten in ſich gehen, immer und ewiglich! Es wird ein Tag kommen, da werden ſie es ſchrecklich büßen müſſen, daß ſie dem HErrn ſeine Güter umgebracht und ſie zu ihren unlauteren Zwecken 163³3 gemißbraucht haben. Da wird der HErr ſie vor ſich fordern und ihnen zurufen: „Wie höre ich das von dir? Thue Rechnung von deinem Haushalten; denn du kannſt hinfort nicht mehr Haushalter ſein.“ Luc. 16. ö Aber, werden nun vielleicht manche ſagen, was ſoll ein Prediger thun, damit er ſein Gewiſſen rette? Hierüber will ich nun noch ſchließlich un⸗ ſeren Luther reden laſſen. Derſelbe ſchreibt nem⸗ lich in ſeiner Schrift: „Chriſtliche Weiſe, zum Tiſche Gottes zu gehen“, vom Jahre 1523 alſo: „Hierin ſoll man eben die Weiſe oder Ordnung haben, die man bei der Taufe hält, nemlich, daß erſtlich dem Biſchof oder Pfarrherrn angezeigt werde, wer die ſind, ſo das Sacrament empfahen wollen, und ſie ſelbſt ſollen bitten, daß er ihnen das heilige Sacrament wollte reichen, auf daß er ihre Namen kenne, und was ſie für ein Leben führen, wiſſen möge. Darnach, ob ſie gleich darum bitten, ſoll er ſie doch nicht eher zulaſſen, ſie haben denn Antwort geben ihres Glaubens, und ſon⸗ derlich auf die Frage Bericht gethan: Ob ſie ver⸗ ſtehen, was das Sacrament ſei, was es nütze und gebe, und wozu ſie es wol⸗ len brauchen, nemlich, ob ſie die Worte vom Sacrament mit ihrer Auslegung auswendig ſagen können; und anzeigen, daß ſie darum zum Tiſch des HErrn gehen, daß ſie der Sünden halben, mit beſchwertem Gewiſſen oder Todesfurcht oder mit einer anderen Anfechtung des Fleiſches, der Welt oder des Teufels geplaget, hungern und dürſten nach dem Wort der Gnade und Seligkeit, vom HErrn ſelbſt zu empfahen durch das Amt des Dieners, auf daß ſie getröſtet und geſtärket wer⸗ den; wie denn Chriſtus ſolches aus unausſprech⸗ licher Liebe gegeben und eingeſetzt hat in dieſem Abendmahl, mit dieſen Worten: Nehmet hin und eſſet ꝛc. „Ich achte aber, daß genug ſei, daß der, ſo das Sacrament begehrt, einſt (einmal) im Jahr auf die Weiſe gefragt und erforſchet werde, ja es möchte derſelbe ſo verſtändig ſein, daß er nur ein⸗ mal ſein Leben über, oder gar nicht gefraget dürfte werden. Denn wir wollen mit dieſer Ordnung das verhüten, daß nicht zugleich Würdige und Unwürdige zum Tiſch des HErrn laufen; wie wir bisher unter dem Pabſtthum geſehen, da man an⸗ ders nichts geſucht hat, denn allein das Sacra⸗ ment zu empfahen. Vom Glauben aber, Troſt und rechten Brauch und Nutz des Sacraments iſt weder Rede noch Gedanken geweſt, ja ſie haben auch die Worte vom Sacrament, nemlich das Brod des Lebens, mit großem Fleiß verborgen; ja mit höchſter Unſinnigkeit damit umgegangen, daß die, ſo das Sacrament empfahen, ein Werk thäten, das von wegen eigener Würdigkeit gut wäre, nicht daß ſie den Glauben erhielten und ſtärkten durch Chriſti Güte. Wir aber wollen die, ſo obengemeldete Stücke nicht zu verantworten wiſſen, allerdings von der Gemeinſchaft dieſes Sacraments ausgeſchloſſen und abgeſondert ha— ben, als die, ſo des hochzeitlichen Kleides man⸗ geln. — „Darnach, ſo der Pfarrherr oder Biſchof ſiehet, daß ſie dies alles verſtehen, ſoll er auch darauf Acht haben, ob ſie mit ihrem Leben und Sit⸗ ten ſolchen ihren Glauben und Verſtand bewei⸗ ſen — denn auch der Satan das alles verſtehet, davon auch reden kann, — das iſt, ſo er ſiehet einen Hurer, Ehebrecher, Trunkenbold, Spieler, Wucherer, Afterreder, oder ſonſt mit anderem öf⸗ fentlichen Laſter berüchtiget, den ſoll er allerdings vom Abendmahl ausſchließen, er beweiſe denn mit kündlichem Anzeigen, daß er ſein Leben geändert und gebeſſert hat. Den andern aber, die zuweilen fallen und wiederkeh⸗ ren, und ihnen leid iſt, daß ſie gefallen ſind, ſoll man nicht allein das Sacrament nicht verſagen, ſondern wiſſen ſoll man, daß es eben um derſelben willen vornehmlich eingeſetzt iſt, daß ſie dadurch erquicket und geſtärket werden. Denn wir fehlen alle mannigfaltiglich, Jac. 3, 2., und trägt billig einer des andern Laſt, weil einer dem andern be⸗ ſchwerlich iſt, Gal. 6, 2. Denn ich rede hier von den Verächtern, die unverſchämt ohne Furcht ſün⸗ digen, und rühmen doch nichtsdeſtoweniger große Stücke vom Evangelio. „Von der heimlichen (Privat⸗) Beichte vor der Communion halte ich noch, wie ich bisher geleh⸗ ret habe, nemlich, daß ſie weder noth iſt, noch ge⸗ fordert ſoll werden, doch nütze und mit nichten zu verachten.“ (Siehe Luthers Werke. Hall. A. X, 276⁴—67.) Dasſelbe übrigens, was hier Luther privatim ausſpricht, finden wir auch in unſeren öffentlichen Bekenntnißſchriften. So heißt es z. B. im 25. Artikel der Augsburgiſchen Confeſſion: „Dieſe Gewohnheit wird bei uns gehalten, das Sacra⸗ ment nicht zu reichen denen, ſo nicht zuvor ver⸗ hört und abſolvirt ſind.“ Ferner in der Apolo⸗ gie im 15. Artikel: „Bei uns braucht das Volk des heiligen Sacraments willig, ungedrungen alle Sonntage, welche man erſt verhöret, ob ſie in chriſtlicher Lehre unterrichtet ſeien, im Vater unſer, im Glauben, in zehen Geboten et⸗ was wiſſen oder verſtehen.“ Geſpräche zwiſchen zwei Lutheranern über den Methodismus. Irſtes Geſpräch. Der Hauptſitz der Krankheit. (Schluß.) Er gebraucht nun eben das Wort Gottes auf jene gefühlige und genießliche Weiſe, und ſo z. B. legt er bei Hörung oder Leſung von Geſetzeswor⸗ ten einen großen Werth auf die beſondern Rüh⸗ rungen und Erſchütterungen, die er dabei innerlich erfährt, und trachtet gern danach, jene erſten mäch⸗ tigen Bußgefühle wieder zu erleben, von denen er den Anfang ſeiner Bekehrung herleitet; denn in der ſtärkeren oder ſchwächeren Bußempfindung, nicht aber in dem ſtärkeren oder ſchwächeren Be⸗ reuen und Bekennen ſeiner Sünde findet er den größeren oder geringeren Grad ſeiner Buße. Höchſtens ſind es nun hiebei jene ernſtern, vom Heiligen Geiſt beſonders geleiteten Seelen, die jene obige Prüfungstafel für Herz und Wandel auch im Geſetz finden und jene ſelbige heilſame Frucht für ihr ganzes inneres und äußeres Leben