# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1863_S355 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Einige Bemerkungen über eine neue Apologie der Reformirten Kirche. 355 Randbemerkungen: Was vorerst das der Reformirten Kirche sonderlich vindicirte Confessoren- und Blutzeugenthum betrifft, so sind wir weit davon entfernt, allen Reformirten den Ruhm desselben abstreiten zu wollen. Wir thun das so wenig, wie der alte treue Lutheraner und Mitverfasser der Concordienformel, Nik. Selneccer, welcher in seiner Brevis responsio ad crimin. Danaei also schreibt: „Es sind auch wohl in den Verfolgungen, so in Frankreich, Niederland und anderswo entstanden, viel unschuldige Leute der Religion halben jämmerlich erwürgt und sind viel Märtyrer auch aus dem Haufen, die Sacramentirer sind, gefunden, mit denen auch ein steinern Herz billig Mitleiden haben muß.“**) Dennoch aber sollte ein Reformirter, wenn er sich darauf, daß hierdurch seine Kirche von Gott selbst als seine auserkorene gekennzeichnet worden sei, berufen will, der hier nöthigen Bescheidenheit und vorsichtigen Unterscheidung nicht vergessen. Erstlich sind nehmlich alle die Reformirten, welche darum blutig verfolgt worden sind, weil sie auf ihren specifisch Reformirten Irrthümern bestanden, von der Zahl der Märtyrer abzuziehen; nach dem bekannten unbestreitbaren Axiom: Non poena, sed causa facit martyrem, d. i. nicht die Marter, sondern die Ursache derselben (nehmlich die bekannte Wahrheit) macht zum Märtyrer. Zum andern, dürfen sich die Herrn Reformirten auch das nicht aus dem Gedächtniß schwinden lassen, wie, laut der Geschichte, viele ihrer Glaubensbrüder durch ihre fleischliche revolutionäre Bilderstürmerei die Wuth der antichristischen Bosheit muthwillig wider sich gereizt haben. Und endlich dürfen sie hierbei auch das nicht übersehen, daß Tausende ihrer sogenannten Märtyrer, namentlich in Frankreich, sich zu einer politischen Faction zusammengeschlossen und das Schwert wider ihre sie verfolgende Regierung ergriffen hatten. Vgl. Matth. 26, 51. 52. So bleiben denn als Märtyrer nur diejenigen übrig, welche lediglich um der Wahrheit willen ihr Blut vergossen haben, die auch die lutherische Kirche bekennt; daher diese Märtyrer von uns Lutheranern mit vollem Rechte als Blutzeugen der lutherischen und nicht der Reformirten Kirche, als solcher, angesehen werden. Auch Selneccer fährt darum in der oben angezogenen Stelle also fort: „Aber, lieber Gott! solche alle sind nicht wegen der Lehre vom h. Abendmahl, sondern darum, daß sie den päbstlichen Greuel nicht haben wollen anbeten, als Lutheraner getödtet worden. Darum ihnen auch Gott in ihren Nöthen gnädig beigestanden und sie freudig und getrost zu sich abgefordert, und ihnen ihre Schwachheit und Nebenwahn, darin sie des h. Abendmahls halber gesteckt und verführt gewesen, zugedeckt und damit Geduld getragen; wie der fromme Gott allezeit seiner Gläubigen Fehl und Mängel, die nicht muthwillig, aus Vorsatz oder Halsstarrigkeit vertheidigt werden, zum Besten wen⸗ **) So urtheilt ein Lutheraner, der selbst von einem Reformirten, dem berüchtigten Dr. Crell, erst abgesetzt und dann auch aus Stadt und Land vertrieben worden war und an dessen zurückgelassener Familie sodann dieser selbe Reformirte seinen glühenden Haß gegen ihn gekühlt hatte.