# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1863_S352 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 352 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. Deputirten gesondert zu wählen hatten. Man hat ihnen mit einigem Bedenken entgegengesehen, theils weil wir noch immer einen guten Stamm Rationalisten und Unentschiedener haben, theils weil seit einem Jahre alles geschehen war, sie in eine bedrängte Lage zu bringen und sie dem öffentlichen Unwillen, Mißtrauen und Hohn preis zu geben. Zuletzt gab noch die Zeit. f. Nordd. den Gemeinden einen verständlichen Wink, daß sie die Geistlichen vor der Wahl zweckmäßig in Arbeit nehmen möchten. Dennoch sind wohl nur zwei Wahlen mißrathen. In dem kleinen Lande Hadeln mit 16 Predigern ist der ehemalige Präsident des Celler ‚Volkskirchentages,' der Pastor Pfaff gewählt, eine Wahl, die leicht hätte zweifelhaft gemacht werden können, wenn nicht ein Pastor ohne Noth ausgeblieben wäre. Wir finden unter den Gewählten Namen, die wir begehrt haben, und die wir gerade jetzt mit Freuden begrüßen. Pastor Ernst, gegen den von oben her starke Anstrengungen gemacht waren, ihn von der Synode fern zu halten, ist in Achim gewählt, da er in Hannover nicht durchzubringen war. Wir danken seinen Wählern, daß sie diese Kraft der Synode gerettet haben. Wir können uns in die Politik nicht finden, den Cellern freien Raum für ihre extremsten Leute zu lassen und ihnen dazu die Wege zu bahnen, dagegen die Geistlichen anzuhalten, vorsichtige, nachgiebige, wo möglich farblose Leute zu wählen. Endlich sind auch mehrere Consistorialen gewählt; sie werden etwa den vierten Theil der Vertretung der Geistlichen ausmachen. Das ist etwas viel, wenn wir bedenken, daß das Regiment ohnehin durch 16 Personen vertreten, daß also die Vertretung des Regimentes auf Kosten der Vertretung der Geistlichen gestärkt wird... Die zweite Bemerkung ist die, daß die Geistlichkeit allerdings in der großen Mehrzahl auf Seiten der Orthodoxie steht. In mehreren Wahlkreisen hatte man Versuche gemacht, Geistliche aus der Celler Freundschaft und Verwandtschaft zu wählen. Zwar scheint Baurschmidt kaum einen Gönner gefunden zu haben; dafür stellte man Supert. Thilo und den Stadtprediger Diestelmann auf. Sie sind jedoch in der entschiedenen Minderheit geblieben, wiewohl für den letzteren sogar ein Consistorialrath gestimmt hat. Dagegen sind Geistliche von festem kirchlichen Gepräge mit Mehrheit oder mit großer Mehrheit gewählt. Wie es also um die lutherische Kirche im Lande steht, wird man daraus sehen können. Nicht nur in der großen Mehrheit der Geistlichen, auch in den Gemeinden hat sie noch genug Wurzeln, die man ihr trotz der fleißigen Arbeit seit Jahresfrist nicht hat abgraben können. Wir gedenken dabei auch des Standes, den leider das Wahlgesetz unverdienter Weise um seine kirchliche Stellung gebracht hat, wiewohl er für den Dienst der Kirche von wesentlichstem Einfluß ist. Sollte es mit den Volksschullehrern überall stehen, wie z. B. im Herzogthum Bremen-Verden, so wäre es noch weniger zu begreifen, wie man sie als Laien mit den Gemeinden hat wählen lassen, wo ihre Stimme verloren war. Dieser Stand hat sich so sehr gehoben, daß er doch etwas mehr Berücksichtigung verdient. — Wir stehen somit an der Schwelle der Vorsynode, die, wie es heißt, nach Michaelis berufen werden soll, wenn Gott nicht inzwischen anderes Wetter gibt. Niemand wolle die Wichtigkeit ihrer Aufgabe verkennen. Sie soll über die Verfassung der Kirche entscheiden, und für künftige Zeiten den ersten Grund dazu legen. So gleichgültig ist aber die Verfassung der Kirche nicht, daß der Lebensnerv der Kirche davon unberührt bleiben könnte. Irgendwie muß die Lehre mit in Betracht kommen. Zwar hat man uns damit beruhigt, daß die Lehrfrage ganz von der Synode ausgeschlossen werden solle. Wenn das nur ginge! Allein das ist schon darum nicht möglich, weil die Verfassung nothwendig an der Lehre, besonders an der Lehre von der Kirche gemessen werden muß. Man kann der Kirche keinen Rock zuschneiden, ohne ihr das Maß zu nehmen. Es ist noch weniger möglich, weil die Synode über Katechismen, Gesangbücher und Liturgie entscheiden soll. Katechismen, Gesangbücher und Liturgie greifen aber tief in die Lehre hinein; folglich wird auch die Synode ein Verhältniß zur Lehre haben müssen."