# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1863_S346 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 346 Ueber den eigentlichen Krebsschaden der deutschen Kirche. Welche große, unverdiente, göttliche Gnade ist es, daß wir in unserer lieben Missouri-Synode einig in der Lehre sind! Uns stützt kein Stecken weltlicher Obrigkeit, uns hilft kein Krummstab bischöflicher Verfassung, uns hält kein „generalsynodalistischer" lutherischer Lügenname zusammen, sondern die eine Lehre, der eine Glaube, das eine Bekenntniß, das hat uns in die wirkliche, wahre Einigkeit, in die Einigkeit des Geistes geführt und in derselben erhalten. Durch den Chiliasmus, der sich bei uns eindrängen und Bürgerrecht oder doch wenigstens Duldung beanspruchen wollte, suchte der Teufel unsre Lehr-Einigkeit zu zersprengen. Gott Lob, daß wir den Feind erkannten und unerbittlich von uns hinausschafften. Wenn auch der Kampf dadurch um so härter, und dem Herzen weher war, weil alte und innige Liebesverhältnisse zerrissen werden mußten, so galt es doch unser Leben, unsern einzigen Schatz und Kleinod, die eine, reine Lehre. Wären wir gewichen, wir wären ein elender unionistischer Haufen, eine „lutherische Generalsynode" geworden. Wie wenig haben doch einige deutsche, gelehrte Herrn, die über unser entschiedenes Handeln gegen den Chiliasmus die Nase rümpften, von dem Wesen der christlichen Einigkeit begriffen, sie meinen wahrscheinlich für unsere wissenschaftlichen, fortgeschrittenen Zeiten passe das ernste Wort des Apostels Paulus nicht mehr: „laßt nicht Spaltungen unter euch sein, sondern haltet fest an einander in einem Sinn und in einerlei Meinung." Nun, wo es mit der kirchlichen Einigkeit hingeht, wenn man das Wort Gottes, und wäre es nur eine einzige solche Stelle, leichtfertig behandelt und nichts achtet, das zeigen ja die landeskirchlichen und „separirt-lutherischen" Verhältnisse zur Genüge. Wir wollen nicht nur eine Schrift und einerlei Bekenntniß, sondern auch einen Sinn und einerlei Meinung haben. Das klingt zwar ganz entsetzlich in den Ohren der „gebildeten wissenschaftlichen Welt," aber wir können es nicht helfen, wir haben nun einmal mehr Respekt vor einem kleinen Worte der heil. Schrift, als vor der ganzen großen, berühmten, wissenschaftlichen Welt; und wir wissen es gewiß und sehen es vor Augen, daß der unbedingte Gehorsam unter Gottes Wort zum Frieden, und das Abweichen, auch das wissenschaftlichste, zum Verderben führt. — Und woher ist es gekommen, daß wir, die wir doch aus sehr verschiedenen Ländern Deutschlands, mit sehr verschieden gestaltet theologischer Ausbildung, mit allen möglichen, verschiedenen, religiösen Richtungen hier zusammentrafen, eins in Glauben, Lehre, Bekenntniß, Sinn und Meinung geworden sind? Daher ist es gekommen, daß durch Gottes wunderbare Fügung der Fortschritts-Schwindel keine Stätte unter uns fand, daß wir aus der wechselnden Luftgebilden neuerer Universitäts-Theologie, die sich nur selbst dienen will, zu der Theologie unserer alten rechtgläubigen Lehrväter zurückgeführt und so aus der Verschwommenheit zur Klarheit gekommen sind, und aus der Wissenschaftlichkeit zum einfältigen Glauben, und aus den Schwankungen, Anschauungen und Meinungen zu einem festen Herzen, zu Bestimmtheit und Zuversicht. Wir sind es gewohnt geworden, es ist das der Geist unserer